Personaldebatte in der Union Kochs Sprecher nennt Brüssel-Spekulation skurril

Roland Kochs Karriere ist ein Dauerbrenner: Wieder einmal wird über einen Umzug des CDU-Mannes nach Brüssel spekuliert. Das Dementi folgt prompt - und trieft vor Sarkasmus. Doch die Debatte wird im Wahlkampfjahr noch für Zündstoff in der Union sorgen.

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Hamburg - "Schreiben Sie doch bitte, Koch wolle Uno-Generalsekretär werden" - Hessens Regierungssprecher Dirk Metz flüchtet sich in Sarkasmus. Seit zehn Jahren kommentiert er beständig Spekulationen über Umzugspläne seines Chefs. Doch am Tag der ersten Regierungserklärung im hessischen Landtag sei dies "besonders skurril".

Hessens Ministerpräsident Roland Koch: Von Spekulationen genervt
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Hessens Ministerpräsident Roland Koch: Von Spekulationen genervt

Was Metz zu seiner scherzhaften Aufforderung veranlasst: Der "Stern" hatte berichtet, Bundeskanzlerin Angela Merkel plane, ihren Parteifreund Koch als EU-Kommissar nach Brüssel zu schicken. Merkel sei entschlossen, nach fast 21 Jahren Abstinenz wieder einen CDU-Politiker in der Kommission zu installieren, meldete das Magazin vorab - und beruft sich auf eine anonyme Quelle aus dem Kanzleramt.

Auch dort bemühte man sich prompt um ein Dementi. "Solche Pläne gibt es nicht im Kanzleramt", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg der Nachrichtenagentur dpa.

Gegenwärtig wird Deutschland in Brüssel durch den SPD-Politiker Günter Verheugen vertreten. Seine Nachfolge wurde bereits im vergangenen Jahr immer wieder diskutiert. Schließlich soll im Herbst 2009 die neue EU-Kommission stehen. Stets ein heißer Kandidat für die Verheugen-Nachfolge: Roland Koch.

Für den Ministerpräsidenten sind die Spekulationen äußerst unangenehm. Gerade mit einem schlechten Ergebnis wiedergewählt, kann er es sich kaum leisten, als Amtsinhaber auf Abruf zu gelten. Ohnehin hat er nach dem unerwarteten Erstarken seines Koalitionspartners FDP an Machtfülle verloren.

Doch auf die Einflüsterer in Berlin hat Koch von Wiesbaden aus keinen Einfluss. In Hessen wird vermutet, dass die Gerüchte aus Merkels Umfeld gestreut werden, um einem anderen möglichen Szenario entgegenzuwirken: Kochs Wechsel in die Bundesregierung. Dies wird unionsintern ebenfalls immer wieder diskutiert. Nicht wenige Parteifreunde erhoffen sich vom Hessen ein stärkeres CDU-Profil in einer möglichen schwarz-gelben Koalition nach der Bundestagswahl.

Tatsächlich wird über Kochs Karriere seit Jahren so munter spekuliert wie bei kaum einem anderen Spitzenpolitiker. Der Hesse galt lange als Kronprinz der CDU, sein Sprung an die Parteispitze war für viele nur eine Frage der Zeit. Doch die "hessischen Verhältnisse" der vergangenen 14 Monate haben hinter Kochs Aufstiegschancen ein dickes Fragezeichen gemalt. Wahlniederlage im Januar 2008, politisches Überleben als geschäftsführender Ministerpräsident und Wiederwahl dank starken Liberalen - die steile Laufbahn des 50-Jährigen hat gehörige Dämpfer erlitten.

Daraus erklärt sich auch das harte Dementi seines Sprechers und Adjutanten Metz. Über die Umzugspläne Kochs sei in den vergangenen zehn Jahren "nachweislich viel Unfug geschrieben worden", erklärte dieser. Doch auch Metz weiß, dass die Debatte im Superwahljahr immer wieder hochkochen wird. Dafür sorgen schon allein die Büchsenspanner aus dem Kanzleramt.



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