Personaldebatte Westerwelle pestet gegen Gerhardts Kritik

FDP-Chef Westerwelle wehrt sich gegen die Vorwürfe seines Vorgängers: "Ich gehe meinen Weg unbeirrt weiter", kündigte er trotzig an. Wolfgang Gerhardt hatte in einem Thesenpapier die Rolle Westerwelles in Frage gestellt. Dieser schnaubt nun zurück.


Stuttgart/Berlin - Die Replik folgte prompt - so schwere Vorwürfe konnte Guido Westerwelle nicht auf sich sitzen lassen: "Die Arbeit der FDP kann so schlecht nicht sein, wenn wir bei den Wahlen regelmäßig hinzugewinnen. Ich gehe meinen Weg unbeirrt weiter", sagte Westerwelle der "Welt". "Im Moment neigen etwa fünf Millionen Wähler zu unserer Politik - das sind Werte, von denen hätten wir noch vor kurzem geträumt", fügte der FDP-Chef hinzu.

Parteichef Westerwelle retourniert die Attacke: "Die gefühlige 'Knutisierung' ist nicht mein Ding."
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Parteichef Westerwelle retourniert die Attacke: "Die gefühlige 'Knutisierung' ist nicht mein Ding."

Gerhardt, der von 1995 bis 2001 Parteichef war, hatte in einem Thesenpapier "Für Freiheit und Fairness" unter anderem eine stärkere Profilierung der FDP angemahnt. Westerwelle hatte er eine One-Man-Show vorgeworfen. Kurz vor dem traditionellen Dreikönigstreffen der Liberalen tobt damit eine Führungsdebatte in der Partei.

Der aktuelle Parteichef - seit 2001 im Amt - konterte, die Liberalen seien mit fast zehn Prozent die klar stärkste Oppositionskraft im Bundestag und hätten seit 2005 auch jede weitere Wahl gewonnen. "Inzwischen sind wir in zwölf Länderparlamenten wieder vertreten", hob Westerwelle hervor. Vor einigen Jahren sei dies nur in vier Ländern der Fall gewesen. Ohne ihn zu nennen, gab Westerwelle damit seinem Vorgänger im Amt des Parteichefs noch einen Schlag mit.

Zum Vorwurf Gerhardts, die FDP schöpfe ihr Potenzial nicht richtig aus, sagte Westerwelle: "Natürlich wollen wir weiter wachsen. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass es am Ende um Wahlerfolge geht, gerade jetzt in Hessen und Niedersachsen. Ohne sie kann man keine liberale Politik durchsetzen." Der FDP-Chef widersprach auch Gerhardts Vorwurf, die FDP sei zu wenig emotional. "Ordnungspolitik, das Bekenntnis zu Wettbewerb und vernunftbetontem Handeln, all das wird nie so anheimelnd sein wie das linke Feuer schönster Versprechungen", sagte Westerwelle und betonte: "Die gefühlige 'Knutisierung' der deutschen Politik, die wir im letzen Jahr erlebt haben, ist nicht mein Ding."

FDP-Generalsekretär Dirk Niebel bemühte sich, der Kritik des heutigen Chefs der Friedrich-Naumann-Stiftung die Spitze zu nehmen. "Wenn der Stiftungsvorsitzende Wolfgang Gerhardt ein liberales Grundsatzpapier verfasst und es in der Partei zur Diskussion stellen will, ist das nur zu begrüßen", sagte Niebel der "Berliner Zeitung". "Ich stimme ihm ausdrücklich zu, dass wir bei 35 der letzten 40 Wahlen mit Guido Westerwelle als Vorsitzendem gewinnen konnten, weil wir eine innere Philosophie dargelegt haben, nämlich die des Freiheitsprinzips als Antriebselement unserer Gesellschaft."

ler/ddp/dpa/AFP



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