Personalien Grünen-Politiker Berninger wird Manager bei Mars

Früher war er Staatssekretär im Verbraucherschutzministerium, jetzt wechselt der Bundestagsabgeordnete und hessische Grünen-Chef Berninger zum Nahrungsmittelkonzern Mars. Er übernehme die Aufgabe nicht obwohl, sondern weil er Grüner sei, versicherte der 35-Jährige in einem Brief an seine Parteifreunde.

Wiesbaden - Wie der hessische Grünen-Landesverband heute in Wiesbaden mitteilte, wird Matthias Berninger Manager beim Nahrungsmittelkonzern Mars. Er werde Anfang Februar 2007 sein Amt als Landesvorsitzender aufgeben und auch aus dem Bundestag ausscheiden. Berninger hatte die hessischen Grünen seit 2003 geführt.

Der 35-Jährige wird bei seinem neuen Arbeitgeber für die Bereiche Gesundheits- und Ernährungsfragen verantwortlich sein und in Brüssel arbeiten.

Er übernehme die neue Aufgabe nicht obwohl, sondern weil er Grüner sei, versicherte Berninger in einem Brief an seine Parteifreunde. "Ich gebe mein Mandat zurück, nicht aber meine Überzeugungen." Berninger schloss auch eine Rückkehr in die Politik nicht aus. Er habe zu gerne Politik gemacht, um von einem Abschied für immer zu sprechen. Vielleicht komme er in paar Jahren mit neuen Perspektiven und Erfahrungen wieder. Den Brief an seine Partei schloss er mit den Worten: "Wandel und Wechsel liebt, wer lebt."

Der Nahrungsmittelkonzern Mars stellt unter anderem Schokoriegel wie Mars, Snickers oder Twix aber auch Uncle Ben's Reis oder Tierfutter wie Whiskas her. Berninger war unter der grünen Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast parlamentarischer Staatssekretär und als solcher auch für das Thema Lebensmittelsicherheit zuständig. Zu den zentralen Anliegen Künasts und ihres Ministeriums gehörte auch der Kampf gegen Übergewicht bei Kindern.

Berninger schrieb über seine Zeit als Staatssekretär, Themen wie Lebensmittelsicherheit, die Auswirkungen der Klimaveränderungen auf die Landwirtschaft und besonders die "globale Übergewichts-Epidemie" ließen ihn nicht mehr los. Er sehe gewaltige Probleme, aber auch viele Chancen, sie zu lösen. "Dies in einer anderen Arena als dem Parlament zu versuchen, ist eine Herausforderung, der ich mich nun mit 35 Jahren stellen will", erklärte Berninger.

"In seiner Amtszeit haben die hessischen Grünen große Erfolge erreicht, unter anderem die zweistelligen Ergebnisse bei der Europa- und der Bundestagswahl 2004 und 2005", sagte der Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Tarek al-Wazir: "Durch seine gelegentlich unbequemen Denkanstöße hat er sich um die perspektivische Erneuerung der Grünen verdient gemacht." Berninger hatte sich schon Ende der 90er Jahre dafür ausgesprochen, das familienpolitische Profil der Partei zu schärfen. In den vergangenen Jahren trat er verstärkt für schwarz-grüne Bündnisse ein.

Al-Wazir sagte, Berninger sei jung genug, damit der Wechsel in die Wirtschaft für ihn kein Abschied aus der Politik für immer sein müsse. Nach Angaben des Landesverbands wird die Vorsitzende der Grünen Jugend Hessen, Nicole Maisch, für Berninger in den Bundestag nachrücken. Über die Neuwahl des Landesvorsitzenden sollen die Parteigremien nach Weihnachten beraten. Die nächste Landesmitgliederversammlung der hessischen Grünen findet am 16. Juni 2007 statt.

Berninger kam 1994 erstmals für die Grünen in den Bundestag. Er war damals mit 23 Jahren der jüngste Abgeordnete. In der Zeit der rot-grünen Koalition war er auf Bundesebene Parlamentarischer Staatssekretär im Verbraucherschutzministerium.

hen/AP/AFP

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.