CDU-Zentrale Merz tauscht CDU-Bundesgeschäftsführer aus

Ernannt hatte ihn einst Ex-CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer, jetzt muss er gehen: Friedrich Merz trennt sich am Tag nach der Niedersachsenwahl vom Bundesgeschäftsführer seiner Partei, Stefan Hennewig.
Stefan Hennewig

Stefan Hennewig

Foto: Metodi Popow / picture alliance / SZ Photo

Dass CDU-Chef Friedrich Merz sich zu wenig mit seiner Parteizentrale beschäftigt, wird man ihm fürs Erste nicht mehr vorwerfen können: Der Parteivorsitzende trennt sich vom langjährigen Bundesgeschäftsführer Stefan Hennewig, zudem werden künftig die Bereiche für strategische und analoge Kommunikation zusammengeführt. Zuerst hatte das Portal »The Pioneer« darüber berichtet. Merz kündigte diese Schritte am Montagmorgen zunächst in der Präsidiumssitzung der CDU an.

Friedrich Merz

Friedrich Merz

Foto: Chris Emil Janssen / IMAGO

Nachfolger von Hennewig, den Merz' Vorvorgängerin Annegret Kramp-Karrenbauer 2019 zum Bundesgeschäftsführer gemacht hatte, soll der Wirtschaftsmann Christoph Hoppe werden. Er war zuletzt Deutschlandchef beim Rüstungs- und Luftfahrtkonzern Thales. Vor weiteren Stationen in der deutschen Wirtschaft arbeitete Hoppe Anfang der 1990er in der Planungsgruppe der Unionsbundestagsfraktion und kurzzeitig auch im Kanzleramt. Die Stabstelle für strategische Kommunikation soll die frühere Journalistin Kathrin Degmair übernehmen. Sie war zuletzt für Boston Consulting Group tätig, zuvor arbeitete sie für den Bayerischen Rundfunk.

Hoppe und Degmair wurden im Verlauf der Sitzungen von Präsidium und Bundesvorstand den Mitgliedern persönlich vorgestellt, berichten Teilnehmer. Merz verkündete die Umbauarbeiten im Konrad-Adenauer-Haus am Tag nach der Wahlniederlage in Niedersachsen. Die CDU mit Spitzenkandidat Bernd Althusmann war dabei klar hinter der SPD von Ministerpräsident Stephan Weil gelandet. Im Vergleich zur vorherigen Wahl im Jahr 2017 verlor die CDU laut vorläufigem Ergebnis 5,5 Prozentpunkte und sackte auf 28,1 Prozent der Stimmen ab – es ist ihr schlechtestes Ergebnis im Land seit Jahrzehnten.

Die Schlappe in Niedersachsen dürfte allerdings auch zu neuen Debatten über den Parteivorsitzenden selbst führen, zumal er im Landtagswahlkampf viele Auftritte absolviert hatte. Zudem hat Merz in den vergangenen Wochen mit einigen Äußerungen zur Flüchtlingspolitik selbst in den eigenen Reihen für Unverständnis gesorgt.

Der CDU-Vorsitzende soll schon länger unzufrieden mit der Arbeit der Parteizentrale sein. Ein Vorwurf an Merz, der gleichzeitig Chef der Bundestagsfraktion von CDU und CSU ist, lautete allerdings bislang auch, er würde sich zu sehr auf die Arbeit im Parlament konzentrieren und dabei das Konrad-Adenauer-Haus vernachlässigen. Dort steht vor allem Generalsekretär Mario Czaja in der Kritik. Diesen allerdings hatte Merz nach seiner Wahl zum Parteichef Anfang des Jahres selbst ausgewählt. Mit dem Bundesgeschäftsführer tauscht er nun die Position unmittelbar unterhalb des Generalsekretärs aus.

Nach SPIEGEL-Informationen soll die Belegschaft des Adenauer-Hauses am Montag um 13.30 Uhr in einer Mitarbeiterversammlung über die Umbauarbeiten informiert werden.

fek/flo
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