Peter Boehringer E-Mail bringt AfD-Mann in Erklärungsnot

Bislang hat AfD-Mann Peter Boehringer abgestritten, die Bundeskanzlerin öffentlich als "Merkelnutte" bezeichnet zu haben. Zumindest in einer Rundmail hat er dies nach einer dem SPIEGEL vorliegenden Fassung aber offenbar getan.
Peter Boehringer

Peter Boehringer

Foto: JOHN MACDOUGALL/ AFP

Als Vorsitzender des Haushaltsausschusses im Bundestag hat der AfD-Politiker Peter Boehringer eine Schlüsselrolle im neuen Parlament eingenommen. Doch seit geraumer Zeit gibt es Berichte über unflätige Ausfälle: Boehringer hat Bundeskanzlerin Angela Merkel offenbar als "Merkelnutte" bezeichnet. Eine entsprechende Mail liegt dem SPIEGEL vor.

Die Nachricht ist vom 9. Januar 2016, verschickt um 16.16 Uhr. Absender ist eine E-Mail-Adresse von Peter Boehringer. Der Inhalt ist eine Wutrede gegen Merkel und ihre Flüchtlingspolitik. "Die Merkelnutte lässt jeden rein, sie schafft das", heißt es darin. "Dumm nur, dass es UNSER Volkskörper ist, der hier gewaltsam penetriert wird." Und weiter: Es handele sich "um einen Genozid, der in weniger als zehn Jahren erfolgreich beendet sein wird, wenn wir die Kriminelle nicht stoppen". (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Der AfD-Politiker aus Bayern war sich seines unflätigen Tons augenscheinlich bewusst: "Wer sich über die Sprachwahl in diesem Mailing aufregt: einfach abmelden." Aber aus seiner Sicht handele es sich um die "einzige angemessene Sprache ... gegen Merkel". Denn für "bürgerliche Glacérhetorik oder Liberallala-Debatten" sei die Lage zu ernst. "Differenzierte Debatten kann und wird es erst nach dem Sturz Merkels und nach der temporären Grenzschließung für diese 'Bereicherer' wieder geben können! Die Alternative zum Nicht-Widerstand gegen diese Dirne der Fremdmächte ist der sichere Bürgerkrieg, den wir ab spätestens 2018 dann verlieren werden!"

Boehringer, 48, zog bei der Bundestagswahl erstmals in den Bundestag ein, er stand auf Platz 2 der bayerischen Landesliste. Seit Kurzem ist er Vorsitzender des Haushaltsausschusses im Bundestag. Der Diplom-Kaufmann und Chef einer Vermögensberatung hatte zuvor seit etwa 20 Jahren Bücher und Beiträge zu geldpolitischen Themen veröffentlicht und sich vor allem in der eurokritischen Szene einen Namen gemacht.

Mit dem Inhalt der Mail konfrontiert hatte Boehringer bisher immer erklärt, das Wort "Merkelnutte" weder wörtlich gesagt, noch öffentlich geschrieben zu haben. Auf Anfrage teilte Boehringer mit, er könne in seinem Archiv nur eine weniger scharfe Fassung der Mail finden. Falls er doch die beleidigende Version versandt haben sollte, dann nur an einen "ganz kleinen Privatkreis". Öffentlich würde er solche Worte nicht benutzen.