Bundestagsabgeordneter Felser AfD-Fraktionsvize an antisemitischen Videos beteiligt

Der Vizechef der AfD-Bundestagsfraktion Peter Felser war an der Produktion von antisemitischen und volksverhetzenden Videos für die Partei "Republikaner" beteiligt. Das belegen Dokumente, die der "FAZ" vorliegen.

AfD-Politiker Peter Felser
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AfD-Politiker Peter Felser


Es geht um Aufnahmen aus den Jahren 2001 und 2003: Peter Felser, stellvertretender Vorsitzender der AfD-Bundestagsfraktion, war damals an der Herstellung antisemitischer und volksverhetzender Wahlkampfvideos für die rechtsradikale Partei " Die Republikaner" beteiligt. Das geht aus Unterlagen hervor, die der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) vorliegen.

Die Firma "wk&f Kommunikation", deren Mitinhaber Felser ist, erstellte demnach damals Videos für die "Republikaner". Deren Ausstrahlung wurde jedoch vom Sender Freies Berlin und vom Hessischen Rundfunk wegen volksverhetzender Inhalte abgelehnt. In einem Beschluss entschied das Oberverwaltungsgericht Berlin, es könne keine andere Deutung geben, als dass der Werbespot von 2001 "nach dem Verständnis eines unvoreingenommenen und verständigen Publikums nur dahin verstanden werden kann, dass mit ihm der Holocaust gebilligt, geleugnet oder verharmlost werden soll".

In dem Film war demnach ein Plakat des Fördervereins für das Holocaust-Mahnmal zu sehen, das Holocaust-Leugner mit dem Satz zitierte: "Den Holocaust hat es nie gegeben." Felsers Firma zeigte das Plakat in dem Spot und fügte hinzu: "Keiner durfte bisher behaupten:"

In der "Gesamtschau" habe der Spot den Eindruck vermittelt, man dürfe nun behaupten, es habe den Holocaust nie gegeben, sagten die Richter. Felser sagte der "FAZ": "Ja, ich bereue den Spot, denn in der Tat konnte man ihn als Leugnung des Holocausts missverstehen, weil kaum jemand verstand, dass das darin gezeigte Plakat von der Initiatorin des Holocaust-Mahnmals Lea Rosh stammte, die die historische Tatsache der Schoa natürlich gerade nicht leugnen wollte."

Der Spot von 2001 enthielt auch eine Sequenz über das frühere Vorstandsmitglied des Zentralrats der Juden Michel Friedman, die laut Gericht "eindeutig antisemitischen Charakter" hatte: "Er warnt vor Friedman mit dem großgeschriebenen und später triefend blutrot unterlegten Wort 'Vorsicht' und der Frage, ob er heimlich mitregiere".

Der Spot von 2003 bediente sich ähnlicher Mittel. Darin wurde eine Erhöhung der Staatsförderung an den Zentralrat der Juden als Fehlentwicklung dargestellt. In einer E-Mail an die Parteiführung der "Republikaner" hatte Felser dies 2002 als "unverfänglich" bezeichnet: "Eine Provokation allerdings allemal!"

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insgesamt 14 Beiträge
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p-touch 27.11.2017
1. In diesem
obergärigem Haufen wird noch so manche Gasblase nach oben steigen und mit lauten Blop aufplatzen. Es ist schon erstaundlich wieviele ehmalige Mitglieder von untergegangenen rechten Parteien mittlerweile in der AfD oben aufschwimmen.
haresu 27.11.2017
2. Alles wie immer
Solche Leute brauchen keine Flüchtlinge und keine Krisen. Hauptsache Hass. Ob Juden oder Moslems, Schwule oder sogenannte Gutmenschen, irgendein Feindbild wird sich schon finden.
stagedoor 27.11.2017
3. Nationalsozialistisches Gedankengut...
bei der AfD? Echt jetzt? Wer hätte das gedacht? Doch im Ernst: gut so, SPON. Man kann über diese Haltungen nicht oft genug berichten, in der Hoffnung dass einigen doch noch etwas klar wird, erwarten kann man es allerdings nicht.
fortelkas 27.11.2017
4. Die Belege für
....eine politisch faschistische Grundeinstellung auch führender AfD-Mitglieder tauchen immer wieder auf, mal abgesehen von der Dunkelziffer. Ja, da wird man doch mal sagen dürfen: Das ist im politischen Kern eine neofaschistische Partei, natürlich mit einem vornehmen Anstrich. Deshalb finde ich die Kunstaktion vor dem Haus des Lehrers mit faschistoidem Touch Höcke politisch völlig richtig. Natürlich wurde diese Partei demokratisch gewählt, eben eine demokratisch gewählte vornehme faschistische Partei. Erwin Fortelka
desertking 27.11.2017
5. Überraschung. Nicht.
Herzlichen Dank an 12.6% der deutschen Wähler, die solch geballte "Kompetenz" in den Bundestag gewählt haben. Ekelhafter als der Spot sind nur die widerwärtige Leugnung und die geheuchelte Entschuldigung. Glaubt denen doch eh kein Mensch mehr. Pfui Teufel!
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