Philipp Wittrock

CDU-Generalsekretär Tauber Versagt im Minijob

Twittern ist für Politiker riskant - für den Wähler aber manchmal hilfreich. Mit seinem arroganten Minijobber-Spruch hat CDU-General Tauber mal eben die schöne Programminszenierung seiner Parteichefin zerstört.
Peter Tauber

Peter Tauber

Foto: TRUEBA/ EPA/ REX/ Shutterstock

Das Bedauern passte nicht mehr in einen Tweet. Deutlich mehr als 140 Zeichen brauchte Peter Tauber am Dienstag, um zu erklären, dass ihm sein arroganter Spruch über einen angeblich schlecht ausgebildeten Minijobber nun doch leidtue.

Die Einsicht kam erst nach einigen hilflosen Erklärungsversuchen. In der CDU-Spitze werden sie gemerkt haben, dass die dahingetwitterte Reaktion auf den harmlosen Einwurf eines anderen Nutzers (dessen offensichtliche Sympathien für den Rechtspopulismus in diesem Zusammenhang keine Rolle spielen), eine gefährliche Dynamik entwickelt hat.

Da geben Angela Merkel und Horst Seehofer bei der Vorstellung des gemeinsamen CDU/CSU-Wahlprogramms die mitfühlenden Konservativen, die Steuern senken, Familien entlasten und alle in Lohn und Brot bringen wollen. Deutschland geht es prächtig, und bald geht es uns noch prächtiger, lautet ihr Versprechen.

Doch nur Stunden später zerstört der Wahlkampfleiter die schöne Inszenierung und zeigt Millionen Wählern den Stinkefinger: Wer sich mit schlecht bezahlten Aushilfsjobs durchschlägt, ist selbst schuld. Von der Union, so klingt die Botschaft, darf so jemand für seine Situation kein Verständnis erwarten, geschweige denn Hilfe. Stattdessen gibt's eine Belehrung:

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Ein Missverständnis, "blöd formuliert", will Tauber nun weismachen. Ja, soziale Medien können zu Dummheiten verleiten: schnell, wenig Platz - und vor allem: Es wird eifrig getrollt. Da fällt es manchmal schwer, die Nerven zu behalten. Aber Tauber ist wahrlich kein Neuling auf diesem Feld.

Vielleicht ist es aber auch gut, dass er seine Worte nicht so genau gewogen hat. Vielleicht ist es gut, dass manchmal kein Pressesprecher zur Stelle ist, der alles Gesagte bis zur Inhaltslosigkeit abschleift. Vielleicht entlarvt dieser eine Satz die Geisteshaltung, für die CDU und CSU stehen. Und die zu kennen, kann im Wahlkampf durchaus hilfreich sein. Dass der politische Gegner Taubers Steilvorlage zu nutzen versucht, ist jedenfalls völlig legitim.

Angela Merkel wird der Ausfall maßlos ärgern. Es lief ja alles rund bis hierher, nun aber muss sich die Union mit dem Vorwurf der sozialen Kälte herumschlagen. Dass die CDU-Chefin jetzt rasch öffentlich und offensiv auf Distanz zu ihrem schon länger in der Kritik stehenden Generalsekretär geht, damit ist allerdings nicht zu rechnen. Merkel wird die Sache nicht noch größer machen wollen und hoffen, dass der Sturm schnell vorüberzieht.

Ohnehin hat sie Tauber im Wahlkampf schon ihre Allzweckwaffe Peter Altmaier vor die Nase gesetzt. Den Kampagnenchef mimt der Generalsekretär eigentlich nur noch für die Galerie - im Minijob sozusagen. Spätestens nach der Wahl dürfte Merkel in der Parteizentrale keine Verwendung mehr für Tauber haben.

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