SPD-Abgeordnete Hinz rechtfertigt sich für gefälschten Lebenslauf

"Die Lüge war da, aber gleichzeitig so weit weg": SPD-Politikerin Petra Hinz hat in einem Interview über die Lebenslauf-Affäre gesprochen. Sie habe niemanden täuschen wollen, sagt sie.
Petra Hinz

Petra Hinz

Foto: Sven Hoppe/ dpa

Petra Hinz befindet sich derzeit in stationärer Behandlung. Dennoch hat sie sich nun in einem Interview mit der "Westdeutschen Zeitung" geäußert. Nach der Affäre um ihren gefälschten Lebenslauf erhebt sie schwere Vorwürfe gegen die Essener SPD.

Deren Vorsitzender Thomas Kutschaty, der auch Justizminister von Nordrhein-Westfalen ist, habe mehrmals Absprachen mit ihr gebrochen, sagte Hinz dem Blatt: "Kutschaty hat mich endgültig zum Abschuss freigegeben", wird sie zitiert. "Ich bin mir meiner Schuld absolut bewusst und ziehe die Konsequenzen, aber ich habe auch einen letzten Rest Würde verdient."

Laut der "WZ"  plane die Essener SPD-Abgeordnete weiterhin, ihr Bundestagsmandat niederzulegen - sobald sie die Klinik verlassen habe. Der genaue Zeitpunkt stehe aber noch nicht fest, den würden ihre Ärzte bestimmen. Dieses Verfahren habe sie mit Minister Kutschaty vereinbart, so Hinz.

Mitte Juli hatte die Politikerin zugegeben, wichtige Teile ihres Lebenslaufs erfunden zu haben. Es war bekannt geworden, dass die Abgeordnete entgegen bisherigen Angaben kein Abitur gemacht und kein Jurastudium abgeschlossen hat. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe vor zwei Wochen hatte Hinz bereits ihr Amt als Vizechefin des SPD-Unterbezirks Essen niedergelegt.

"Die Lüge war da, aber gleichzeitig so weit weg"

Auf die Frage, warum sie gelogen habe, sagte Hinz der "WZ", sie könne es nicht mehr nachvollziehen. "Die Lüge war da, aber gleichzeitig so weit weg." Es tue ihr unendlich leid. Aber, so sagt die 54-Jährige auch, sie habe niemanden täuschen wollen. "Der gefälschte Lebenslauf ist nicht vom Tisch zu wischen. Doch ich glaube: Dafür wurde ich auch nicht gewählt."

Gerüchte, einige Parteigenossen hätten über ihre Lüge Bescheid gewusst, dementierte Hinz: "Ich habe es niemandem erzählt." Wenn sie höre, wer es alles geahnt haben will, frage sie sich, warum diese Menschen sie dennoch als Kandidatin wollten.

Die SPD in Essen hat ein Parteiordungsverfahren gegen Hinz in Gang gesetzt. Dies könnte am Ende zum Rauswurf aus der Partei führen. Allerdings sind die Hürden dafür sehr hoch.

vek/cte
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