Pflegebericht Schmidt sagt Pflegemängeln den Kampf an

Die im Pflegebericht der Krankenkassen offenbarten Missstände haben für Aufregung gesorgt - Hilfe für alte und kranke Menschen soll jetzt kommen: Gesundheitsministerin Schmidt plant einem Bericht zufolge eine Kommission, die Ideen zur Verbesserung der Pflege in Heimen entwickeln soll.

Berlin - Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" gehe Ulla Schmidts (SPD) Plan aus einem Entwurf zur Pflegeversicherung hervor. Die Sachverständigen sollen demnach Konzepte erarbeiten, mit denen die Betreuung der Heiminsassen verbessert und die Arbeit der Pflegekräfte erleichtert werden kann. Die neue Kommission soll von den Pflegekassen, Sozialhilfeträgern, Kommunen und Pflegeeinrichtungen gegründet werden.

Künftig müsse es den Bürgern leichter gemacht werden, sich für oder gegen einen Pflegedienst zu entscheiden. Dazu sei mehr Transparenz der Heime und ambulanten Einrichtungen nötig, sagte die Gesundheitsministerin gegenüber Medien.

Die Veröffentlichung des Pflegeberichts des Medizinischen Diensts der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS) hatte heute eine heftige Debatte über die Qualität der Versorgung alter und bedürftiger Menschen im reichen Deutschland ausgelöst . Die Einschätzungen reichten von der Aussage "Die Pflege ist besser als ihr Ruf" bis zum Schlagwort von der "Pflege-Katastrophe". Die Spitzenverbände der Pflegekassen wehrten sich dagegen, dass es sich um einen Pflegeskandal handle, räumten aber große Qualitätsmängel ein.

Die Reaktionen großer Verbände auf den Bericht waren geteilt: Nach Ansicht des Präsidenten des Sozialverbandes Deutschlands, Adolf Bauer, ist die Lage dramatisch. "Auch wenn sich zum Teil leichte Verbesserungen der Pflegequalität feststellen lassen, bleiben die festgestellten Pflegemängel schockierend." Es sei ein Alarmsignal, dass sich Pflegequalität seit dem ersten MDS-Bericht nicht stärker verbessert habe, sagte er.

"Skandal, dass Gesellschaft so wenig Mitgefühl aufbringt"

Der Deutsche Evangelische Krankenhausverband erklärte, entscheidend sei, dass in der laufenden Diskussion ein Preiswettbewerb um medizinische und pflegerische Leistungen ausschlossen werde. Man befürchte, dass sonst die Qualität und Versorgungssicherheit in Krankenhäusern gefährdet seien.

Im Interesse alter und pflegebedürftiger Menschen müsse jede kritische Anfrage an die Pflege mit großer Sorgfalt geprüft werden, hieß es in einer Stellungnahme des Caritas-Verbandes. Doch von einem vermeintlichen Pflege-Skandal zu sprechen entspreche weder den bekannten Daten noch dem hohen Engagement der Mitarbeitenden.

"Es ist ein Skandal, dass unsere Wohlstandgesellschaft so wenig Mitgefühl für ihre ärmsten, ältesten und schwächsten Mitglieder nach einem arbeitsreichen Leben aufbringt", erklärte die Senioren-Union der CDU.

Im Zuge der Pflegereform plant Gesundheitsministerin Ulla Schmidt auch, für Angehörige bis zu zehn Tage bezahlten Urlaub einzuführen, wenn in ihrer Familie ein Pflegefall eintritt. Außerdem soll ihnen eine sechsmonatige unbezahlte Pflegezeit gewährt werden. In der Wirtschaft stieß dies auf scharfe Kritik. Nach Berechnungen der Union würde der Plan die Pflegekassen bis zu 750 Millionen Euro im Jahr kosten. Das Gesundheitsministerium geht dagegen von Kosten unter 100 Millionen Euro aus.

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil betonte, das Konzept entspreche dem Koalitionsbeschluss. "Wer Angehörige pflegt, verdient unseren Respekt und unsere politische Unterstützung. Es ist deshalb unanständig, parteitaktische Spielchen und Polemik auf dem Rücken von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen auszutragen." Ulla Schmidts Konzept zur zehntägigen Freistellung von der Arbeit für Angehörige, die Pflegebedürftige betreuen, sei richtig und notwendig, sagte Heil.

anr/dpa/Reuters

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