Euro-Krise Rösler empört FDP-Politiker mit Griechenland-Kommentar

Philipp Röslers Aussagen zur Griechenland-Krise sorgen bei den Liberalen für heftige Diskussionen. Ein FDP-Mann nennt den Parteichef "unprofessionell". Und Staatsminister Link sagt, man dürfte kein Ausscheiden eines Euro-Landes herbeireden.
Vizekanzler Rösler: Scharfe Kritik aus den eigenen Reihen

Vizekanzler Rösler: Scharfe Kritik aus den eigenen Reihen

Foto: Britta Pedersen/ dpa

Berlin - Mit nur zwei Sätzen hat Philipp Rösler die Debatte um die Griechenland-Rettung innerhalb der Regierung kräftig angeheizt - und muss sich nun scharfe Kritik aus der eigenen Partei gefallen lassen. Er sei "mehr als skeptisch", dass Athen die harten Sparauflagen noch erfüllen könnte, hatte der Wirtschaftsminister erklärt. Und: Der Gedanke an einen Euro-Austritt der Griechen habe für ihn "seinen Schrecken verloren". Die Reaktionen in der FDP reichen bis zum Vorwurf der "Unprofessionalität". An den Finanzmärkten sorgte die Angst um die Krisenländer Griechenland und Spanien für Kursverluste.

Nun bemühen sich die Liberalen, die Aussagen ihres Parteichefs zu entschärfen. Der für Europa zuständige Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Link, sagte am Montag in Brüssel, ein Ausscheiden des Landes aus dem Währungsraum dürfe nicht herbeigeredet werden. Position der Bundesregierung sei, dass kein Land herausgedrängt werden dürfe.

Er unterstrich am Rande eines EU-Außenministerrats mit Blick auf die Europäische Währungsunion: "Wenn es möglich ist, sie zusammenzuhalten, sollten wir das tun." Schließlich sei das Ausscheiden eines Mitglieds aus der Euro-Zone bislang noch nicht erprobt worden, warnte Link. Nach SPIEGEL-Informationen will der IWF nicht weiter für die Unterstützung Griechenlands mitzahlen - das wertet Link als einen Versuch, weiter Druck auf die Regierung in Athen aufzubauen.

Weniger diplomatisch äußerte sich der liberale Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis. Das "Ausmaß an Unprofessionalität" der Rösler-Äußerungen erstaune ihn und überrasche in ganz Europa. Schließlich sei die Troika gerade erst in Griechenland eingetroffen, um sich über die Lage zu informieren. Die Vertreter von Internationalem Währungsfonds (IWF), EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB) sollen vor Ort überprüfen, ob Athen die strengen Sparvorgaben einhält.

"Auf welchem Planeten lebt er?"

"Wenn Philipp Rösler in einer solchen Situation den Daumen schon nach unten senkt, frage ich mich: Auf welchem Planet lebt er?", sagte der griechischstämmige Politiker Chatzimarkakis der "Saarbrücker Zeitung". Von der Bundesregierung forderte er, Griechenland angesichts einer Rezession mehr Zeit für seine Reformen zu geben.

Der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, nannte die Äußerungen von Rösler angesichts der Probleme Spaniens und Italiens "grob fahrlässig". Rösler zeige damit, "dass er leider immer noch nicht die Euro-Krise verstanden hat", bemängelte Horn gegenüber dem "Handelsblatt".

Die griechische Regierung hat bereits massive Schwierigkeiten bei der Erfüllung der Sparauflagen eingeräumt. Die Troika untersucht derzeit den Sachstand in Athen. Ihr Abschlussbericht wird darüber entscheiden, ob Griechenland eine weitere - bereits verzögerte - Tranche von gut 31 Milliarden Euro aus dem Rettungspaket erhält. Der Bericht wird im September erwartet, Athen braucht jedoch wohl schon früher neue Finanzhilfen. FDP-Fraktionschef Brüderle regte daher am Montag an, den Bericht möglichst schon früher vorzulegen.

Euro sinkt auf Tiefststand seit Juni 2010

Doch nicht nur Griechenland bereitet Sorgen, auch aus Spanien kommen schlechte Nachrichten. Dort musste nach Valencia auch Murcia als zweite spanische Provinz die Zentralregierung in Madrid um Finanzhilfen bitten. Zusammen sorgten die Neuigkeiten aus den Krisenländern für Unsicherheit bei den Anlegern.

Der Euro-Kurs sank am Montag auf den tiefsten Stand seit Juni 2010. Die Leitindizes an den Börsen in Madrid und Mailand gaben zeitweise um mehr als fünf Prozent nach. Die Kurse an der Börse in Athen rutschten um mehr als sechs Prozent ab. Auch der Dax schwächelte am Montag deutlich, er verlor mehr als drei Prozent.

jok/Reuters/dpa/dapd/AFP
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