Sonderparteitag in Berlin Alte FDP-Spitze verabschiedet sich mit viel Selbstkritik

Mit klaren Worten hat der scheidende FDP-Chef Rösler auf dem Sonderparteitag Selbstkritik geübt. "Mir ist es nicht gelungen, unsere Partei zu motivieren." Auch Ex-Spitzenkandidat Brüderle räumte Versagen ein - die ganze Partei habe vier Jahre lang viele Fehler gemacht.
Sonderparteitag in Berlin: Alte FDP-Spitze verabschiedet sich mit viel Selbstkritik

Sonderparteitag in Berlin: Alte FDP-Spitze verabschiedet sich mit viel Selbstkritik

Foto: Adam Berry/ Getty Images

Berlin - In seiner letzten Rede als FDP-Chef hat Philipp Rösler die Verantwortung für das Scheitern der Liberalen bei der Bundestagswahl übernommen. "Mir ist es nicht gelungen, ein starkes Team zu bilden und unsere Partei zu motivieren", sagte Rösler auf dem Sonderparteitag in Berlin. "Das tut mir am meisten weh."

Der FDP sei es nicht gelungen, sich thematisch breit genug aufzustellen. Stattdessen habe man sich allein auf Steuersenkungen konzentriert. "Wir dürfen nicht nur ein großes Thema haben, das ist zu wenig für eine liberale Partei", sagte der scheidende Vorsitzende. Er kritisierte die Presseberichterstattung über seine Partei, die teilweise völlig überzogen gewesen sei. In diesen Momenten habe er jedoch die Loyalität seiner Anhänger vermisst. "Ich hätte mich über ein bisschen mehr Unterstützung im ganzen Team gefreut", sagte Rösler.

Der FDP-Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl, Rainer Brüderle, äußerte sich ähnlich selbstkritisch. "Ich konnte meinen Auftrag bei der Bundestagswahl nicht erfüllen", sagte der ehemalige Fraktionschef. Während der schwarz-gelben Koalition habe seine Partei viele Fehler gemacht.

Zuvor hatte bereits Generalsekretär Patrick Döring zum Auftakt des Bundesparteitags ein Versagen der gesamten FDP-Spitze eingeräumt. "Wir treffen uns nach einer schweren Niederlage. Dafür trägt die Führung die Verantwortung", sagte Döring.

Lindner stellt sich zur Wahl

Die 600 Delegierten treffen sich in Berlin, um die verheerende Niederlage der FDP bei der Bundestagswahl aufzuarbeiten. Mit 4,8 Prozent hatten die Liberalen erstmals in ihrer Geschichte den Einzug ins Parlament verpasst.

Döring rief die Delegierten auf, hart in der Sache zu diskutieren, "aber mit Anstand und Mäßigung im Ton". Es gehe jetzt darum, außerhalb des Bundestags eine neue, "sympathisch-souveräne FDP" zu prägen.

Neuer Parteichef will der bisherige Bundesvize Christian Lindner werden. Der 34-Jährige ist in den eigenen Reihen nicht unumstritten. Gegen den Landesvorsitzenden aus Nordrhein-Westfalen wollen bei der Wahl am Nachmittag bisher zwei wenig bekannte Kandidaten antreten. Kandidatin für den Posten der Generalsekretärin ist die scheidende hessische Kultusministerin Nicola Beer. Brüderle forderte die Delegierten auf, sich geschlossen hinter die neue Führung zu stellen.

syd/AFP/dpa
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