Pipeline-Posten Schröder wehrt sich gegen Vorwürfe

Ex-Kanzler Schröder meldet sich zu Wort: Es werde viel "Unsinn" über sein Engagement bei der deutsch-russischen Pipeline-Gesellschaft verbreitet, teilte er in einem Interview mit.

Berlin - "Da wird von Politikern und Medien viel Unsinn verbreitet", sagte Schröder der "Süddeutschen Zeitung". Derzeit sei weder die Zusammensetzung des Aufsichtsrats klar, noch sei "jemals über Geld gesprochen worden". Er rechne damit, dass die "für solche Aufgaben übliche Aufwandsentschädigung" gezahlt werde.

Die in einigen Medien verbreiteten Summen, die zwischen 200.000 und einer Million Euro liegen, seien "völlig aus der Luft gegriffen und sicherlich viel zu hoch", sagte Schröder. Er kündigte juristische Schritte an. Sein Hamburger Anwalt Michael Nesselhauf wolle im Auftrag Schröders in den nächsten Tagen Unterlassungserklärungen und Richtigstellungen bei Gericht beantragen, schreibt das Blatt.

Der Ex-Kanzler sagte der Zeitung: "Für mich ist es eine Ehrensache, bei dem Pipeline-Projekt mitzumachen." Er sei am Freitag "von russischer Seite" angerufen worden. Dabei sei ihm das Amt im Aufsichtsrat angeboten worden. Er habe in dem Gespräch darauf hingewiesen, dass er einen solchen Posten nur antrete, wenn die an dem Konsortium beteiligten beiden deutschen Firmen E.ON und BASF einverstanden seien. Kurz darauf sei er von Vorstandsmitgliedern beider Unternehmen angerufen und gebeten worden, mitzumachen.

"Ich habe schon in der Vergangenheit das Projekt politisch unterstützt, weil ich es für sinnvoll halte", sagte Schröder. "Ich bin erst 61 Jahre alt und will arbeiten. Ich will meiner Frau nicht daheim auf den Wecker fallen." Pikant finde er, dass "ausgerechnet Vertreter der FDP" seinen geplanten Einstieg in die Privatwirtschaft kritisierten. "Da muss man nur mal schauen, was Herr Genscher nach seinem Ausscheiden gemacht hat oder gar Otto Graf Lambsdorff."

Unverständnis äußerte der Altkanzler auch über die Kritik einiger Sozialdemokraten an seiner Zusage. Insbesondere kritisierte er Thüringens SPD-Chef Christoph Matschie, der sich skeptisch über Schröders Pläne geäußert hatte. Als "wenig hilfreich" empfinde er auch die Aussage des SPD-Fraktionsvorsitzenden Peter Struck, der erklärt hatte, er selbst hätte einen solchen Posten nicht übernommen. Er, Schröder, hätte "es schön gefunden, wenn mich Peter Struck vor dieser Äußerung angerufen und sich nach dem Sachstand erkundigt hätte", sagte der Altkanzler.