Schlabberlook Die Piraten und die Stilfrage

Kopftücher, Kapuzenpullis, Knallfarben im Haar: Im Parlament halten einige Piraten wenig von Etikette. Wegen ihres Hangs zum Schlabberlook machen sie sich in den Landtagen unbeliebt.
Berliner Pirat: "Seitdem die da sind, verfallen die optischen Sitten"

Berliner Pirat: "Seitdem die da sind, verfallen die optischen Sitten"

Foto: Hannibal Hanschke/ dpa

Berlin/Düsseldorf - Die modische Bandbreite der Piraten kann man auf jedem Parteitag der Freibeuter begutachten: Da gibt es ins Haupthaar rasierte Partei-Logos, Sonnenbrillen in Neon, Sprüche-Shirts und Fetzenjeans. Statt grauer Anzüge regiert die geballte Farbenpracht - mal mehr, mal weniger geschmackssicher. Der Stil der Partei findet sich auch in den neuen Piraten-Fraktionen wieder. In vier Länderparlamenten sitzen mittlerweile insgesamt 45 Piraten-Abgeordnete. Doch in Sachen Kleiderordnung halten sich nur wenige Piraten an die Etikette.

Das sorgt in den Parlamenten für Unmut. Die neue nordrhein-westfälische Landtagspräsidentin Corinna Gödecke (SPD) etwa kritisierte jüngst das modische Niveau der Abgeordneten. Unangemessene Bekleidung war der Präsidentin offenbar in den ersten beiden Sitzungen des neuen Landtags unter die Augen gekommen. Verantwortlich dafür waren vor allem die Parlamentsneulinge der Piraten - von denen einige möglicherweise nicht einmal ein Jackett im Schrank haben.

Bei aller "individuellen Freiheit" erwarte sie ein "Mindestmaß an Seriosität", schrieb Gödecke nun in einem Brief an die Abgeordneten, der dem SPIEGEL vorliegt. Danach sollten die Männer "zumindest ein Jackett tragen", und auch bei weiblichen Abgeordneten sollten "die Schultern bedeckt sein". Hüte und Kopftücher aller Art hält Gödecke im Parlament für "unangebracht".

Mit Bermudas in den Ausschuss

Auch in Berlin sorgten die Piraten mit einem Stilbruch für Aufsehen, wie die Boulevardzeitung "BZ" berichtet. Demnach zeigte der 31-jährige Abgeordnete Fabio Reinhardt in einer Sondersitzung des Innenausschusses am Freitag ziemlich viel Bein: Er erschien zur Sitzung in beigefarbenen Shorts. Prompt fing er sich der Zeitung zufolge eine Beschwerde von SPD-Innenpolitiker Tom Schreiber ein. "Seitdem die Piraten da sind, verfallen die optischen Sitten, das ist unwürdig", sagte er.

Reinhardt erklärte seinen Kurze-Hosen-Auftritt mit dem Betriebsausflug seiner Fraktion. "Wir waren alle auf einer Bootstour und ich musste vorzeitig aufbrechen, um pünktlich an der Sondersitzung des Ausschusses teilnehmen zu können. Da hatte ich keine Lust, mich noch mal umzuziehen", sagte er der "BZ".

Für den SPD-Politiker ist die Hosenfrage hingegen eine Sache des Anstands: "Wir Parlamentarier sollten uns endlich mal über eine angemessene Kleiderordnung unterhalten. Das kann auch eine Jeans sein, aber bitte eine lange, geschlossene Hose, aus der nichts herausguckt."

Es ist nicht das erste Mal, dass die Berliner Piraten-Fraktion in Sachen Kleiderordnung Ärger macht. So hatte die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, den Berliner Piraten-Abgeordneten Gerwald Claus-Brunner kurz nach der Wahl öffentlich dazu aufgefordert, sein kariertes Palästinensertuch abzulegen.

amz
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