Angebliche Anonymous-Website Piraten verurteilen Drohung gegen Medien

Im Internet drohen Unbekannte, die sich als Hackerkollektiv Anonymous ausgeben, deutschen Medien mit Vergeltungsaktionen - weil diese angeblich negativ über die Piratenpartei berichten. In der Parteiführung herrscht Entsetzen über die Aktion: "Das sind irgendwelche Verrückten."
Piraten (auf Parteitag in Delmenhorst): Anonyme Drohung wegen Berichterstattung

Piraten (auf Parteitag in Delmenhorst): Anonyme Drohung wegen Berichterstattung

Foto: Ingo Wagner/ dpa

Hamburg - Droht das Hackerkollektiv Anonymous deutschen Medien wegen der Berichterstattung über die Piratenpartei? Diesen Anschein will eine Website erwecken, die am Donnerstagnachmittag für Aufregung beim Kurznachrichtendienst Twitter sorgte.

Unbekannte wettern dort unter dem Label Anonymous gegen die angebliche Stimmungsmache der Medien gegen die Piratenpartei. Sollte die Presse nicht aufhören, die Freibeuter "niederzuschreiben", drohen die Verfasser mit illegalen Gegenmaßnahmen, Leaks und Angriffen. Auch behaupten die Unbekannten, sie hätten Zugriffe auf interne E-Mails aus Redaktionen.

Der offizielle Twitter-Account der Piratenpartei verlinkte am Nachmittag auf die Seite, dort wurde die Warnung "von tendenziöser Berichterstattung über uns" als interessant gepriesen. Heißen die Piraten also Drohungen gegen die Presse gut?

Piraten aus der Bundesspitze bemühten sich, sich von der Droh-Website zu distanzieren. Der Parteivorsitzende Bernd Schlömer sagte SPIEGEL ONLINE: "Das waren irgendwelche Verrückten, das nehmen wir nicht ernst." Er betonte, dass man sich von den Medien auch nicht "runtergeschrieben" fühle. "Ich schätze die Aufgaben der Medien als kritisches Korrektiv als wertvoll für die Demokratie", so Schlömer.

Auch Klaus Peukert aus dem Bundesvorstand versuchte in Diskussionen mit Parteifreunden klarzumachen, dass Drohungen gegenüber der Presse nicht angemessen seien. "Macht geile Politik und jammert nicht über die bösen Medien", schrieb er unter anderem.

Und auch aus dem Umfeld von Anonymous distanzierte man sich schnell. Auf dem Twitteraccount @AnonNewsDE, der seit langem Positionen von Anonymous vertritt, hieß es, die fragliche Seite werde von Aufmerksamkeitssüchtigen betrieben. "Anonymous steht für Meinungs- und Pressefreiheit." In der Tat würde ein Angriff auf Medien den Idealen der Bewegung entgegenstehen.

Um 16.30 Uhr war die fragliche Seite dann zusammengebrochen - was dann tatsächlich auf das Konto von Anonymous gehen könnte. Zumindest feierte der Account das Zusammenbrechen mit dem typischen Slogan "tango down".

fab
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