Plagiatsaffäre Guttenberg will auf Doktortitel verzichten

"Blödsinn", "Peinliches", "gravierende Fehler": Karl-Theodor zu Guttenberg hat auf einer Wahlkampfveranstaltung massive Selbstkritik geübt - und will seinen Doktortitel dauerhaft ruhen lassen. Einen Rücktritt schloss der Minister aber erneut aus.
Plagiatsaffäre: Guttenberg will auf Doktortitel verzichten

Plagiatsaffäre: Guttenberg will auf Doktortitel verzichten

Foto: Marius Becker/ dpa

Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU)

Plagiatverbots

Kelkheim - Verteidigungsminister hat am Montagabend Verletzungen des beim Verfassen seiner Doktorarbeit eingeräumt und will seinen Doktortitel ruhen lassen - dauerhaft. Das heißt nicht anderes als: Guttenberg verzichtet. "Ich habe gravierende Fehler gemacht", sagte Guttenberg am Montagabend bei einer CDU-Veranstaltung in der Taunusstadt Kelkheim.

Auch "Peinliches" sei beim Schreiben der Arbeit passiert, räumte der Minister ein und verwies auf nicht ausgewiesene Zitate aus der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" in der Einleitung seiner Promotionsarbeit. "In der mir abgesprochenen Demut entschuldige ich mich bei allen, die ich verletzt habe", sagte Guttenberg.

Der CSU-Politiker hat die Universität Bayreuth bereits gebeten, seinen Doktortitel zurückzunehmen. Zur Begründung habe er auf "gravierende, handwerkliche Fehler" in seiner Dissertation hingewiesen, teilte die Universität am Montagabend mit. Sie sei aber dennoch verpflichtet, die Rechtmäßigkeit der Doktorarbeit zu prüfen. Guttenberg war ohnehin aufgefordert worden, innerhalb von zwei Wochen zu seiner Doktorarbeit Stellung zu nehmen.

Er habe sechs bis sieben Jahre an seiner Promotion geschrieben, sagte der Unions-Politiker und fügte hinzu: "Möglicherweise habe ich an ein oder anderer Stelle den Überblick über die Quellen verloren." Jedoch habe er die Arbeit selbst verfasst. "Daher stehe ich auch zu dem Blödsinn darin", bekräftigte er.

"Werde mein Amt mit aller Kraft ausüben"

Während des zurückliegenden Wochenendes habe er sich konzentriert mit seiner Promotion und den Plagiatvorwürfen beschäftigt. Er werde sich nun aber wieder seiner politischen Funktion zuwenden, sagte Guttenberg und widersprach Rücktrittsspekulationen. "Ich werde mein Amt mit aller Kraft ausüben", kündigte der Minister an.

Die brisante Situation versuchte Guttenberg durch Witz zu überspielen: "Hier steht das Original, kein Plagiat", sagte er vor etwa 900 unionsnahen Zuhörern. "Ich bin nicht als Selbstverteidigungsminister gekommen", so Guttenberg weiter.

Vor der örtlichen Stadthalle forderte ein halbes Dutzend Demonstranten den Rücktritt des Ministers. Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) stärkte Guttenberg den Rücken. Dieser sei eine der "herausragenden Persönlichkeiten der deutschen Politik", sagte Bouffier. "Wir wollen, dass das so bleibt."

jok/dpa-AFX
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