Plagiatsvorwürfe Guttenberg setzt auf seine Familie

In schweren Zeiten baut auch ein angeschlagener Minister auf die Familie. Die Affäre um seine Doktorarbeit werde er gemeinsam mit seiner Frau durchstehen, sagt Karl-Theodor zu Guttenberg.

Die Guttenbergs: "Die Zeit stehe ich gemeinsam mit meiner Familie durch"
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Die Guttenbergs: "Die Zeit stehe ich gemeinsam mit meiner Familie durch"


Berlin/München - In der Plagiatsaffäre setzt Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg stark auf den Rückhalt durch seine Frau Stephanie. "Die Zeit stehe ich gemeinsam mit meiner Frau durch", sagte der CSU-Politiker der Illustrierten "Bunte". "Wir sind doch schließlich eine Familie."

Sein Bruder Philipp versteht die Aufregung um die Doktorarbeit seines Bruders gar nicht: "Ich frage mich ganz ehrlich, ob unser Land nicht andere Sorgen hat, als sich um Fußnoten und Textpassagen zu kümmern. Erst recht in Zeiten, in denen Soldaten in Afghanistan für uns ihr Leben gelassen haben."

Guttenberg hat gravierende handwerkliche Fehler bei seiner Dissertation eingeräumt, nachdem ihm vorgeworfen wurde, dass er auf zahlreichen Seiten fremde Texte ohne Hinweis verwendet hatte. Auf seinen Doktortitel verzichtet er nach zunehmendem Druck dauerhaft.

Kritik an Guttenberg kam dagegen von Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen: "So ist das nun mal, wenn man schummelt", sagte er der "Bunten". Der Hohenzollern-Prinz hatte bei seiner ersten Doktorarbeit geschummelt und den Doktortitel zurückgegeben. Zehn Jahre danach habe er erneut promoviert, sagte er. "Ohne Beanstandung mit Fußnoten."

Universität Bayreuth kündigt Prüfung der Doktorarbeit an

Die Universität Bayreuth kündigte unterdessen eine Prüfung an, ob Guttenberg weiter für sie werben und zu Veranstaltungen eingeladen werden soll. Universitätspräsident Rüdiger Bormann machte am Dienstag deutlich, dass Guttenbergs Verzicht auf seinen Doktortitel der Universität die Entscheidung über ein mögliches Fehlverhalten erleichtere. Die Hochschule sei dadurch aber nicht von dem vorgeschriebenen Prüfungsverfahren entbunden, betonte Bormann.

Zur Bitte des Ministers, die Verleihung seines Doktorgrades zurückzunehmen, sagte er: "Wir haben das zur Kenntnis genommen." Bis zur Entscheidung der Kommissionen der Universität Bayreuth und der rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät obliege es Guttenberg selbst, ob er seinen Titel weiter führe oder nicht. Finanzielle Zuwendungen an die Universität seitens des Ministers oder seiner Familie habe es nicht gegeben, stellte Bormann klar.

Die Kommission zur Selbstkontrolle der Wissenschaften an der Universität und die Promotionskommission der Fakultät würden sich bei der Überprüfung der Arbeit und der Quellen unter keinerlei Zeitdruck setzen lassen. Deshalb könne auch kein Termin für eine Entscheidung genannt werden, betonte Bormann. Guttenberg hatte in einem Schreiben an die Uni "gravierende handwerkliche Fehler" bei der Erarbeitung seiner Doktorarbeit eingeräumt.

Verlag sperrt Doktorarbeit

Nach dem Verzicht Guttenbergs auf seinen Doktortitel will sein Verlag die von ihm verfasste Dissertationsschrift künftig weder ausliefern noch neu auflegen. "In der vorliegenden Form bleibt die Dissertation dauerhaft aus unserem Angebot gestrichen", sagte des Geschäftsleiter des Wissenschaftsverlags Duncker und Humblot, Florian Simon, dem Berliner "Tagesspiegel". Ob der Verlag Schadensersatzansprüche gegen den Minister geltend machen will, ließ Simon offen. "Vor einer Entscheidung der Universität Bayreuth stellt sich die Frage rechtlicher Schritte für uns nicht", sagte er.

Guttenberg äußert sich im Bundestag

Guttenberg wird am Mittwoch im Bundestag zu der Affäre um seine Doktorarbeit Stellung nehmen. Er werde in einer für den Nachmittag angesetzten Aktuellen Stunde reden, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Ob er in der vorgeschalteten Fragestunde anwesend sein werde, sei noch unklar. Möglicherweise werde Guttenberg dort von einem Parlamentarischen Staatssekretär vertreten. Die Entscheidung solle noch am Abend fallen.

Zunächst hatte es geheißen, Guttenberg werde an der Fragestunde nicht teilnehmen. Die Opposition hat keine Möglichkeit, den Minister aus eigener Kraft in die Fragestunde zu zitieren. Dazu ist eine Mehrheit nötig.

als/dpa/DAPD/AFP/Reuters

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Seite 1
mischli 19.02.2011
1. Wie dreinst Uwe Barschel
Guttenberg hat gelogen, was seine Augen in den entscheidenden Passagen gestern verraten haben. Ich fühlte mich sehr schnell an Uwe Barschel erinnert und gestern war das 'Ehrenwort' das einzige, was noch gefehlt hat. Und dies an einem Tag mit drei toten deutschen Soldaten in Afghanistan! Jeder weitere Tag im Amt ist eine Schande!
Wertkonservativliberaler 19.02.2011
2. Nein, er muss zurücktreten.
Nein, Guttenberg muss zurücktreten. Er ist als Verteidigungsminister oberster Dienstherr aller Soldaten und Mitarbeiter der Bundeswehr und entscheidet über diese bei Dienstvergehen. Er selbst plagiiert seine Doktorarbeit, gibt bei der Abgabe seiner Doktorarbeit vor der Promotionskommission der Uni Bayreuth eine falsche ehrenwörtliche Erklärung ab, bezeichnet nach Bekanntwerden des Plagiats dies als "abstrus" (Mittwoch, 16.02.) und hält an seiner Version nicht getäuscht zu haben weiterhin fest (Freitag, 18.02.). Wie soll so ein Mann von seinen Dienstuntergebenen noch Ernst genommen werden? Und von CDU-Wählern wie mir, die es mit dem "Konservativ-Sein" tatsächlich genau nehmen. Ich will keine "Blender" in Regierungsverantwortung!
gambio 19.02.2011
3. Natürlich nicht
Zitat von sysopDie Doktor-Affäre des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg schlägt lang andauernde Wellen. Immer neue Informationen zur Promotion des CSU-Politikers gelangten an die Öffentlichkeit, zu Guttenberg will jetzt "vorübergehend auf seinen Doktortitel" verzichten. Kann er unter diesen Umständen noch Verteidigungsminister bleiben?
Wer klaut, lügt, betrügt, fälscht und unterschlägt hat keinen Anspruch auf ein öffentliches Amt.
Gesine Ungefragt, 19.02.2011
4.
Zitat von sysopDie Doktor-Affäre des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg schlägt lang andauernde Wellen. Immer neue Informationen zur Promotion des CSU-Politikers gelangten an die Öffentlichkeit, zu Guttenberg will jetzt "vorübergehend auf seinen Doktortitel" verzichten. Kann er unter diesen Umständen noch Verteidigungsminister bleiben?
Für mich ist da nur ein Aspekt ausschlaggebend: Guttenberg ist augenblicklich Chef zweier Bundeswehrhochschulen. Das darf er auf keinen Fall bleiben.
mike stevens 19.02.2011
5. Deutsche wollen Guttenberg behalten
Zitat von sysopDie Doktor-Affäre des Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg schlägt lang andauernde Wellen. Immer neue Informationen zur Promotion des CSU-Politikers gelangten an die Öffentlichkeit, zu Guttenberg will jetzt "vorübergehend auf seinen Doktortitel" verzichten. Kann er unter diesen Umständen noch Verteidigungsminister bleiben?
Der Focus ist sagt die Wahrheit voraus, lasst den armen KT im Amt, sonst muss er nen Psychiater, womöglich mit Doktortitel aus Beyreuth, aufsuchen, könnt ihr das vertreten, von was soll er dann Leben, von Luft und Sabine, Hatz4 zahlt bestimmt nicht das Gel zum gleiten auf dem Scheitel.
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