Plagiatsvorwürfe Guttenberg verzichtet vorerst auf Doktortitel

Karl-Theodor zu Guttenberg wehrt sich: Die Plagiatsvorwürfe im Zusammenhang mit seiner Doktorarbeit wies der Minister scharf zurück. Er werde jedoch vorübergehend auf seinen Doktortitel verzichten, erklärte er vor einer Gruppe handverlesener Journalisten.
Plagiatsvorwürfe: Guttenberg verzichtet vorerst auf Doktortitel

Plagiatsvorwürfe: Guttenberg verzichtet vorerst auf Doktortitel

Foto: THOMAS PETER/ REUTERS

Berlin - Wann spricht Karl-Theodor zu Guttenberg? Was sagt er? Wie rechtfertigt er die Vorwürfe, dass in seiner Doktorarbeit immer mehr Stellen entdeckt werden, die er nicht korrekt zitiert haben soll?

In der Bundespressekonferenz verlangten die Hauptstadt-Korrespondenten von Regierungssprecher Steffen Seibert Antworten auf diese Fragen. Dabei verlas Guttenberg gleichzeitig im Verteidigungsministerium seine Erklärung - vor "ausgewählten Medienvertretern", wie Guttenberg-Sprecher Steffen Moritz sagte. Ein Affront. Der Vorsitzende der Bundespressekonferenz, Werner Gößling, rügte das Verfahren. Die Hauptstadt-Korrespondenten verließen protestierend den Saal. Nach etwa zehn Minuten wurde die Veranstaltung abgebrochen.

Plagiatsvorwürfen

Zu den sagte Guttenberg: Seine Dissertation enthalte "fraglos Fehler". Das tue ihm "aufrichtig leid", und darüber sei er selbst am unglücklichsten. "Ich werde gerne bis zum Ergebnis dieser Prüfung vorübergehend, ich betone vorübergehend, auf die Führung des Titels verzichten." Guttenberg soll in seiner Dissertation zahlreiche fremde Textstellen verwendet haben, ohne sie korrekt anzugeben. Inzwischen sind mehr als 80 Textstellen gefunden worden, die Guttenberg abgekupfert haben soll, ohne korrekt darauf hinzuweisen.

Zu keinem Zeitpunkt habe er jedoch "bewusst getäuscht", sagte Guttenberg und fügte hinzu: "Meine von mir verfasste Dissertation ist kein Plagiat." Er habe die Arbeit in einem Zeitraum von sieben Jahren neben seiner Tätigkeit als Politiker und seinen Verpflichtungen als junger Familienvater angefertigt.

Dissertation

Er werde bei der Gewichtung der Fehler in der durch die Universität Bayreuth aktiv mithelfen, sagte Guttenberg. Forderungen nach seinem Rücktritt wies er zurück. "Die Menschen in diesem Land erwarten, dass ich mich um das fordernde Amt des Verteidigungsministers mit voller Kraft kümmere und das kann ich auch", sagte der Minister.

Auf seiner Homepage reagierte der Minister schnell: Dort war der Doktortitel am Freitagmittag bereits entfernt worden. Noch um 12.20 Uhr war die "Willkommen"-Seite mit "Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg" überschrieben. Gegen 12.45 Uhr war der "Dr." bereits verschwunden.

Merkel hält zu Guttenberg

Am Vorabend hatte Kanzlerin Angela Merkel Guttenberg kurzfristig zu sich in Kanzleramt zitiert. Merkel habe einige Erklärungen von dem Minister verlangt, hieß es anschließend. Offenbar empfand sie diese als zufriedenstellend. Denn am Freitag bekundete sie trotz der Affäre um seine Doktorarbeit "volles Vertrauen" in ihren Verteidigungsminister, verlautete in Berlin. Unklar ist, ob Merkel ihn zu der Erklärung gedrängt hat. Guttenberg selber verneinte das.

Auch andere Unionspolitiker stärkten Guttenberg am Freitag den Rücken. Bildungsministerin Annette Schavan und Finanzminister Wolfgang Schäuble nahmen ihn in Schutz. "Jedem passiert auch mal vielleicht ein Fehler", sagte Schäuble im Deutschlandfunk. Schavan forderte in der "Rheinischen Post" Geduld bei der Prüfung der Vorwürfe. "Ich finde, auch Minister haben den Anspruch, nicht vorverurteilt zu werden."

Bei der Staatsanwaltschaft Bayreuth sind inzwischen zwei Strafanzeigen gegen Guttenberg eingegangen. Eine von ihnen beziehe sich auf einen möglichen Verstoß gegen das Urheberrecht, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Thomas Janovsky am Freitag. Aus der Anzeige heraus sei nicht zu erkennen, ob sie von einem der Autoren stamme, von denen Guttenberg bei seiner Doktorarbeit ohne korrekte Quellenangabe abgeschrieben haben soll, erläuterte Janovsky. Diese Anzeige sei an die Staatsanwaltschaft Hof abgegeben worden, die für solche Urheberrechtsverfahren zuständig sei.

Eine zweite Anzeige sei wegen des Verdachts einer falschen eidesstattlichen Versicherung eingegangen. Dazu werde allerdings kein Ermittlungsverfahren eingeleitet, da der Vorwurf nicht zutreffe: Laut Promotionsordnung sei bei der Doktorarbeit keine eidesstattliche Versicherung nötig.

suc/ler/Reuters/dpa/dapd