Plagiatsvorwürfe »Herr Laschet hat nun doch ein Problem«

Mehr als nur eine Fundstelle: In Armin Laschets Buch von 2009 sind weitere Passagen aufgetaucht, die unter Plagiatsverdacht stehen. Ein Sprecher des CDU-Kanzlerkandidaten erklärte, die Untersuchungen dauerten an.
Armin Laschet 2009 bei der Präsentation seines Buchs

Armin Laschet 2009 bei der Präsentation seines Buchs

Foto: Sepp Spiegl / imago images

Der österreichische Plagiatssucher Stefan Weber rudert zurück: Nachdem er zunächst erklärt hatte, »keine weiteren Plagiate« in einem von Armin Laschet (CDU) veröffentlichten Buch gefunden zu haben, sieht er nun doch Anlass für weitere Prüfungen. Ein Leserfund habe seine erste Einschätzung mittlerweile »beträchtlich« geändert, erklärte Weber am Dienstag.

Laschet hatte den Band »Die Aufsteigerrepublik. Zuwanderung als Chance« 2009 auf den Markt gebracht. Medienwissenschaftler Weber schrieb jetzt in einem Blogbeitrag , Laschet habe »mutmaßlich« fast die halbe Seite 177 seines Buchs vom Münchner Politologen und früheren bayerischen Kultusminister Hans Maier (CSU) unzitiert übernommen. In Laschets Buch findet sich ein Absatz, der stark einer Passage in einem Text Maiers ähnelt. »Herr Laschet hat nun doch ein Problem«, schreibt Stefan Weber.

Ein Sprecher Laschets verwies am Dienstag auf Anfrage auf eine Erklärung des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten vom vergangenen Freitag. Laschet hatte gesagt, in seinem Buch gebe es offenkundig Fehler, die er verantworte. »Mindestens ein Urheber des im Buch verwendeten Materials wird weder im Fließtext noch im Quellenverzeichnis genannt. Dafür möchte ich ausdrücklich um Entschuldigung bitten, denn sorgfältiges Arbeiten beim Verfassen von Werken und die Achtung des Urheberrechts sind für mich auch eine Frage des Respekts vor anderen Autoren.«

Um zu klären, ob es weitere Fehler gibt, habe er unverzüglich die Prüfung des Buchs veranlasst. Dazu sagte der Sprecher am Dienstag: »Diese Prüfung dauert an.«

Maiers Aufsatz wurde 2006 in der katholischen Zeitschrift »Communio« veröffentlicht, also rund drei Jahre bevor Laschets Buch erschien. Maier bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass der Text 2006 in der Zeitschrift erschien. In dem Absatz geht es um das Zusammenleben der Religionen in Deutschland.

Frappierende Übereinstimmung

Maier schreibt in dem Aufsatz etwa: »So kann ein Jude verlangen, dass seine Sache nicht in einem Gerichtssaal verhandelt wird, in dem ein Kreuz hängt. Jüdischen Geschäftsinhabern kann die Öffnung eines Ladens am Sonntag erlaubt werden, da sie am Samstag wegen des Sabbatgebots keine Verkäufe tätigen dürfen.« In Laschets Buch heißt es: »Ein Jude kann verlangen, dass seine Sache nicht in einem Gerichtssaal verhandelt wird, in dem ein Kreuz hängt. Jüdischen Geschäftsinhabern kann die Öffnung ihres Ladens am Sonntag erlaubt werden, da sie am Samstag nicht arbeiten dürfen.«

Maier sagte der Deutschen Presse-Agentur: »Auf der einen Seite möchte ich als Wissenschaftler nicht, dass abgeschrieben wird. Auf der anderen Seite möchte ich mich nicht gemein machen mit Plagiatsjägern.«

Weber hatte zuvor eine Reihe von Textähnlichkeiten zwischen dem Buch der Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock »Jetzt. Wie wir unser Land erneuern« und anderen Publikationen öffentlich gemacht.

In der Nacht zum Freitag war auf Twitter eine Gegenüberstellung des Plagiatssuchers Martin Heidingsfelder veröffentlicht worden, die eine auffallende Ähnlichkeit zwischen einer Passage des Laschet-Buchs und einer anderen Publikation zeigte. Der betroffene Wissenschaftler Karsten Weitzenegger hatte sie öffentlich gemacht.

Stefan Weber verschickte am Dienstag zusätzlich zu seinem Blogeintrag noch eine Pressemitteilung. Seine Darstellung, keine weiteren relevanten Plagiatsfragmente gefunden zu haben, »führte zur publizistischen Verkürzung, dass ich Herrn Laschet generell entlastet hätte«, heißt es darin. Diese Sichtweise sei jetzt überholt. »Ich bedaure den vorschnellen Gang in die Öffentlichkeit vor Durchführung einer ›Tiefenbohrung‹, die nunmehr stattfindet.«

him/dpa
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