Plagiatsvorwürfe Staatsanwaltschaft verschont Koch-Mehrin

Silvana Koch-Mehrin hat eine Sorge weniger. Die Staatsanwaltschaft wird wegen der Plagiatsvorwürfe nicht gegen die FDP-Politikerin ermitteln. Der Grund: Verjährung. Doch die Liberale steht weiter unter Druck.

FDP-Politikerin Koch-Mehrin: Liberale soll freizügig abgekupfert haben
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FDP-Politikerin Koch-Mehrin: Liberale soll freizügig abgekupfert haben


Berlin - Atempause für die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin: Die Staatsanwaltschaft Heidelberg wird nicht wegen der Plagiatsvorwürfe gegen die Europapolitikerin ermitteln. Die Dissertation sei vor mehr als fünf Jahren eingereicht und veröffentlicht worden, ein möglicher Verstoß gegen das Urheberrecht sei verjährt, teilte die Behörde am Donnerstag mit. Politisch gerät Koch-Mehrin, die bisher eisern zu den Vorwürfen geschwiegen hat, allerdings zunehmend unter Beschuss.

Die Universität Heidelberg, bei der die Vize-Präsidentin des Europaparlaments promoviert hat, prüft die Vorwürfe noch. Spätestens Ende Mai soll das Ergebnis des Promotionsausschusses vorliegen.

Die FDP-Führung hält sich bisher bedeckt, es gibt aber kein öffentliches Abrücken von der Vizepräsidentin des Europaparlaments. Die Opposition kritisiert, Koch-Mehrin wolle das Thema aussitzen, nachdem Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) auch wegen seiner öffentlichen Äußerungen zu den Plagiatsvorwürfen bei seiner Doktorarbeit immer stärker unter Druck geraten war.

Plagiatsjäger im Internet werfen Koch-Mehrin Absicht vor

Einer Untersuchung der Internet-Plattform "VroniPlag Wiki" zufolge hat Koch-Mehrin in ihrer Doktorarbeit gezielt abgeschrieben. "Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden auf 56 von 201 Textseiten Plagiatstellen nachgewiesen. Dokumentiert sind Textübernahmen aus insgesamt 15 verschiedenen Quellen", heißt es in dem Bericht. Bei den angeblich kopierten Quellen handele "es sich auffallend häufig um Artikel aus Handbüchern der Wirtschaftswissenschaft und der Wirtschafts- und Sozialgeschichte".

"Nach dem Ergebnis der Überprüfung kann es dahingestellt bleiben, ob die im Internet erhobenen Plagiatsvorwürfe zutreffen und ob diese gegebenenfalls strafrechtlich relevant wären", erklärte die Staatsanwaltschaft Heidelberg. Nach Bekanntwerden von Plagiatsvorwürfen hatten die Ermittler zunächst eine Vorprüfung wegen möglichen Verstoßes gegen das Urheberrecht eingeleitet.

Koch-Mehrin hatte ihre Arbeit "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik" bei der Universität Heidelberg eingereicht und 2001 veröffentlicht. Die einstige FDP-Hoffnungsträgerin, die von dem scheidenden Parteichef Guido Westerwelle entdeckt und gefördert wurde, hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Ihr Büro teilte mit, dass Anfragen erst wieder nach Ostern bearbeitet werden.

SPD verlangt Stellungnahme der Liberalen

Die anonymen Plagiatsjäger betonen: "In der untersuchten Dissertation wurden in erheblichem Ausmaß fremde Quellen verwendet, die nicht oder nicht hinreichend als Zitat gekennzeichnet wurden." Die zahlreichen textuellen Anpassungen der Plagiate sowie die Tatsache, dass Plagiate über die gesamte Dissertation hinweg zu finden seien, ließen darauf schließen, "dass die Textübernahmen kein Versehen waren, sondern bewusst getätigt wurden".

Die SPD verlangt von Koch-Mehrin umgehend eine Stellungnahme. "Ihr Schweigen gibt Rätsel auf", sagte der SPD-Innenpolitiker Sebastian Edathy der "Frankfurter Rundschau". "Ich verstehe nicht, wie sie die Untersuchung der Heidelberger Universität abwarten kann. Sie muss doch wissen, ob sie abgeschrieben hat oder nicht." So aber könne ein ausbleibendes Dementi als Eingeständnis durch Schweigen gewertet werden, sagte Edathy.

vme/dpa



insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
alcaselzar 21.04.2011
1. Plagiate sind nicht i.O.
Zitat von sysopSilvana Koch-Mehrin hat eine Sorge weniger. Die Staatsanwaltschaft wird wegen der Plagiatsvorwürfe nicht gegen die FDP-Politikerin ermitteln. Der Grund: Verjährung. Doch die Liberale steht weiter unter Druck. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,758663,00.html
Aber nur der der den Titel verliehen hat, darf ihn aberkennen.Dabei wird die Uni Heidelberg entscheiden, ob diese Plagiate zur Aberkennung führen. Man könnte die Plagiate unkommentiert zur Verfügung stellen und sie einfach arbeiten lassen. Dabei ist folgender Satz verräterisch: Die anonymen Plagiatsjäger betonen: "In der untersuchten Dissertation wurden in erheblichem Ausmaß fremde Quellen verwendet, die nicht oder nicht hinreichend als Zitat gekennzeichnet wurden." Hier geht es sicherlich nicht um Wissenschaft. Hier soll Druck aufgebaut werden, um das politisch gewünschte Ergebnis herbeizuführen und der Universität keine andere Wahl mehr zu lassen.
sukowsky, 21.04.2011
2. Plädiere hier, die nette Dame zu verzeihen
Plädiere hier, die nette Dame zu verzeihen. Zumal sie zerknirscht schweigt und wohl tausendfach ihre lässliche Sünde bereut.
Rainer Helmbrecht 21.04.2011
3. Ohne Titel ist man freier.
Zitat von sysopSilvana Koch-Mehrin hat eine Sorge weniger. Die Staatsanwaltschaft wird wegen der Plagiatsvorwürfe nicht gegen die FDP-Politikerin ermitteln. Der Grund: Verjährung. Doch die Liberale steht weiter unter Druck. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,758663,00.html
Feststehend ist jedenfalls, dass Frauen mit Intrigen besser umgehen können. Vielleicht ist sie aber auch intelligenter als der Baron, der sich stückchenweise die Würmer aus der Nase ziehen lies. MfG. Rainer
Hennes 21.04.2011
4. Bitte die Formalitäten wahren
Zitat von sukowskyPlädiere hier, die nette Dame zu verzeihen. Zumal sie zerknirscht schweigt und wohl tausendfach ihre lässliche Sünde bereut.
Zunächst sieht das Procedere die Meilensteine "Einsicht" und "Reue" vor. Sich einfach tot zu stellen deckt weder das eine, noch das andere Bedürfnis und wird schon im Kindergarten abschlägig beschieden.
Rainer Daeschler, 21.04.2011
5. Verjährung
Die Verjährung tritt ein: a) 3 Jahre nach Kenntnisnahme der Urheberrechtsverletzung b) 10 Jahre nach Eintritt der Urheberrechtsverletzung. Wie passt das zusammen, wenn die Doktorarbeit vor 5 Jahren eingereicht wurde?
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