Plagiatsvorwurf gegen Guttenberg "Das ist schon lausig von ihm"

Die Schweizer Journalistin Klara Obermüller hat einen Artikel verfasst, aus dem Minister Guttenberg in seiner Doktorarbeit abgeschrieben haben soll. Juristisch will sie nicht gegen den Politiker vorgehen, sagt sie im Interview - aber problematisch findet sie sein Verhalten durchaus.
Karl-Theodor zu Guttenberg: Doktorarbeit 2007 abgegeben

Karl-Theodor zu Guttenberg: Doktorarbeit 2007 abgegeben

Foto: ALIK KEPLICZ/ AP

SPIEGEL ONLINE: Frau Obermüller, sind Sie heute aus allen Wolken gefallen?

Obermüller: Das kann man so sagen. Seit heute früh stehen meine beiden Telefone nicht mehr still.

SPIEGEL ONLINE: Wo sind Sie denn gerade?

Obermüller: Im Wallis. Eigentlich wollte ich ein bisschen Langlaufen. Aber es liegt eh sehr wenig Schnee.

zu Guttenberg

SPIEGEL ONLINE: Wussten Sie davon, dass ein Text von Ihnen vom deutschen Verteidigungsminister in dessen Doktorarbeit ausführlich zitiert worden ist, ohne als Zitat kenntlich gemacht worden zu sein?

Obermüller: Nein, ich hatte keine Ahnung davon, bis mich heute Vormittag ein Kollege von Ihnen von der dpa anrief und mir davon erzählte. Der Kollege von der "Süddeutschen Zeitung", der die Sache ja wohl aufgebracht hat, wollte mir im Laufe des Tages noch einmal die entsprechenden Passagen aus der Arbeit zuschicken.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie sich an den Artikel erinnern?

Obermüller: Ja, das war ein Meinungsstück, das ich für die "Neue Zürcher Zeitung" geschrieben habe, als seinerzeit die Debatte um den EU-Verfassungsvertrag geführt wurde. Und die Frage war, ob dort in die Präambel ein Gottesbezug hinein sollte oder nicht. Ich bin inzwischen im Ruhestand, arbeite aber mehr oder weniger regelmäßig als freie Mitarbeiterin für die NZZ. Ich stehe bei der Sonntags-NZZ auch im Impressum, und Religionsfragen gehören mit zu meinen Themen.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind keine rechtspolitische Journalistin?

Obermüller: Nein, das nicht. Ich schreibe quer durch die Ressorts über Gesellschaftspolitik und über religiöse Themen. In diesem Fall bin ich gefragt worden, ob ich ein Meinungsstück schreiben könne, weil es ja um den Gottesbezug ging.

SPIEGEL ONLINE: Würden Sie sich als Feuilletonistin bezeichnen?

Obermüller: Schon eher. Ich habe in den siebziger Jahren fest für das Feuilleton der NZZ gearbeitet, dann 16 Jahre für die "Weltwoche" und im Schweizer Fernsehen eine philosophische Sendung moderiert.

SPIEGEL ONLINE: Werden Sie Rechtsmittel einlegen?

Obermüller: Nein, so wie ich das jetzt einschätze, nein. Ich meine, es ist ja für mich nicht ehrenrührig.

SPIEGEL ONLINE: Ist es ein Kompliment?

Obermüller: Man kann das so sehen. Aber es ist ein Kompliment, das mit einem Makel behaftet ist. Ein schönes Kompliment wäre es gewesen, wenn Herr zu Guttenberg die Quelle angegeben hätte. Das ist schon lausig von ihm. Aber das ist nicht mein Problem. Er hat jetzt ein Problem - ich nicht.

Das Interview führte Christoph Schwennicke
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