Plagiatsvorwurf So diskutieren die Leser über Guttenberg

"Peinlich", "als moralische Instanz fragwürdig", sagen die einen über den mit Plagiatsvorwürfen konfrontierten Minister Guttenberg. Andere wittern eine gezielte Kampagne und verteidigen den CSU-Politiker: ein Blick auf die Guttenberg-Debatte im SPIEGEL-ONLINE-Forum.

Verteidigungsminister Guttenberg: Kontroverse Debatte über seine Doktorarbeit
Getty Images

Verteidigungsminister Guttenberg: Kontroverse Debatte über seine Doktorarbeit


Hamburg - Eine Flut von E-Mails an die Redaktion, Tausende Forumseinträge: Die Plagiatsvorwürfe gegen Karl-Theodor zu Guttenberg beschäftigen die SPIEGEL-ONLINE-Leser derzeit wie kein anderes Thema. Es ist eine kontroverse Debatte. Viele Leser und Forumsteilnehmer sind empört, dass der CSU-Politiker in seiner Doktorarbeit offenbar mehrfach Textbausteine anderer Autoren übernommen hat, ohne diese als Zitate zu kennzeichnen.

"Es ist offensichtlich, dass der Baron abgeschrieben hat und zwar so massiv, dass einem schlecht werden kann", schreibt etwa ein Leser. Ein anderer fordert sogleich die Aberkennung des Doktortitels: "Peinlich, bei solch 'wissenschaftlicher' Arbeitsweise überführt zu werden. Dieser so 'abstrus' durch vielfaches Recycling erworbene Titel gehört unbedingt gestrichen!"

Der User "riese" bringt im Forum gar den Rücktritt des Ministers ins Gespräch: "Will ich von einem Minister mitregiert werden, der seine Promotion durch unlautere Mittel erschlichen hat?! Nein das will ich nicht. Ich habe noch die altmodische Vorstellung, dass Regierungsmitglieder Vorbilder sein sollten. Sollte sich herausstellen, dass Guttenberg den Doktor-Titel durch abkupfern bekommen hat, sollte er schnellstens zurücktreten."

So weit mag der User "vyger" nicht gehen, dennoch sieht er den mit Plagiatsvorwürfen konfrontierten Minister kritisch. Es sage "eine Menge über einen Menschen aus, wenn er sich seinen Doktortitel mit Abschreiben erschleicht" Dies müsse jetzt geklärt werden. Träfen die Vorwürfe zu, "machte ihn das als moralische Instanz zumindest fragwürdig".

"Peanuts"

Der User spricht damit eine Frage an, die viele der Leser beschäftigt: Schadet die Debatte dem Minister, der bislang in Beliebtheitsrankings stets ganz oben zu finden war? Leidet seine Glaubwürdigkeit? Die Einschätzung darüber fällt sehr unterschiedlich aus: "Naja, wenn er einen Prozess wegen Plagiats am Hals hätte, würde es ihm schaden, die bloße Diskussion darüber sicher nicht. Wen interessiert schon die wissenschaftliche Akribie, mir der er seine Dissertation geschrieben hat", schreibt ein Diskussionsteilnehmer. Ein anderer User sagt dagegen, dass die Vorwürfe "Peanuts" seien und Guttenberg nicht schaden würden.

Groß ist die Gruppe derer, die die Vorwürfe gegen Guttenberg für überzogen hält: "Würden alle Doktorarbeiten i.d. Bundesrepublik überprüft, würden m.E. ca. 50% aller Doktorarbeiten aberkannt, und kein MdB hätte einen Doktortitel mehr…", schreibt ein Leser.

Manche wittern eine gezielte Kampagne gegen den Minister: "Na endlich! Das war ja schon beängstigend wie der Mann beim Publikum ankommt! Möchte nicht wissen, wie groß der Stab von Leuten war, der damit beschäftigt war etwas 'zu finden'", schreibt ein Leser.

Ähnlich argumentiert der User "madoschilus": "Es ist erbärmlich, wie jetzt die Ratten aus ihren Löchern gekrochen kommen und sich dem allgemeinen Mobbing anschließen. So ein Zufall, wo der Herr Minister doch gerade ohnehin schon in der Kritik steht."

"Widerlich, wie jetzt ein Professorchen das Bein hebt"

Auch der Forums-Teilnehmer "BigWolf" ist empört. Sein Ärger richtet sich gegen das Vorgehen von Juraprofessor Andreas Fischer-Lescano, der die Plagiatsvorwürfe gegen Guttenberg erhebt. "Widerlich, wie jetzt ein Professorchen das Bein hebt und den 'zu Guttenberg' anpinkelt." Beanstandungen hätte Fischer-Lescano direkt an Guttenberg leiten sollen - "aber so sieht man deutlich, dass es um etwas anderes geht: das Denkmal anpinkeln und ein bisschen bellen, um auch mal in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Kleinlich und schmierig".

Auch der User "glen13" vermutet, dass hinter den Vorwürfen gegen Guttenberg der Versuch steht, dem beliebten Minister gezielt zu schaden - und überdenkt seine Haltung zu dem CSU-Politiker: "Bis jetzt mochte ich den Freiherrn nicht so gern, aber jetzt wird er mir, im Vergleich zu seinen Gegnern, geradezu sympathisch."

Hat Guttenberg sich bei seiner Dissertation bei mehreren Autoren bedient? Für viele SPIEGEL-ONLINE-Leser ist die Debatte ein überzogenes Thema. "Als hätte Deutschland keine anderen Probleme", schreibt einer.

Der User "Palmstroem" formuliert es so: "Es ist schon von weltbewegender Wichtigkeit, ob Herr Guttenberg die Fußnoten 1201 bis 1208 vergessen hat und ob er bei 50 Seiten Lieraturhinweisen überhaupt etwas nicht abgeschrieben hat. Schließlich hat die Nation von dieser Doktorarbeit die Erlösung der Welt erwartet. Aber Karl-Theodor sollte sich trösten - auch Moses hat die zehn Gebote abgeschrieben ohne Fußnoten und Literaturhinweise."

hen

insgesamt 178 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
erlanger 17.02.2011
1. Das Ende
Nicht mal Sylvester Stallone hat es geschafft, mit einer Frau in Afghanistan aufzuschlagen. Der Baron hat es geschafft, so wie er demnächst von der Bühne abtreten wird; diesen intellektuellen Angriff - der genial ist - wird er nicht überstehen.
jolip 17.02.2011
2. letztes Wort
Zitat von sysop"Peinlich", "als moralische Instanz fragwürdig", sagen die einen über den mit Plagiatsvorwürfen konfrontierten Minister Guttenberg. Andere wittern eine gezielte Kampagne und verteidigen den CSU-Politiker: ein Blick auf die Guttenberg-Debatte im SPIEGEL-ONLINE-Forum. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,746137,00.html
Schön, dass der user Palmstroem das letzte Wort erhält. Vergessen wurde hnzuzufügen, dass sich gerade dieser user äußerst selten an die Wahrheit und an Fakten hält.
demophon 17.02.2011
3. Konsequenzen sind gefordert
Es geht einigen Lesern wie mir nicht nur um diesen konkreten Fall, sondern um das weitverbreitete Problem des Plagiarismus bei Dissertationen im Allgemeinen. Es darf nicht sein, dass die Überprüfungen der akademischen Leistungen derart lax, ja fahrlässig, gehandhabt werden und so diesen Betrug begünstigen. Wenn bei einer Stichprobe ein Drittel der Dissertationen Plagiate sind, ist das ein Riesenskandal, viel größer als diese Peinlichkeit eines Politikers. Dieser Casus Guttenberg sollte zum Anlass genommen werden, die Kontrollen bei Promotionsarbeiten zu verschärfen und abschreckende Strafen für Plagiatoren zu verhängen.
Konrad_L 17.02.2011
4. Palmström . . .
. . . muss man hier wirklich zitieren: "Weil, so schließt er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf." Denn nur so kann man die "Argumentation" der Guttenberg-Verteidiger zusammenfassen. Jeder, der lesen kann (aber das ist vielleicht das Problem . . .), kann mit eigenen Augen sehen, dass Guttenberg ausgiebig plagiiert hat. Aber der Mann ist beliebt (warum eigentlich?), er ist ach so toll (inwiefern eigentlich?), also hat er das bestimmt nicht getan, sondern es sind nur "Vorverurteilungen" und linke Propaganda. S.o. Ach ja, dies noch: Mit geistigem Eigentum ist es wie mit dem materiellen. Wer es stiehlt, hat meist keins.
kh1969 17.02.2011
5. Wieso eigentlich?
Zitat von Konrad_L. . . muss man hier wirklich zitieren: "Weil, so schließt er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf." Denn nur so kann man die "Argumentation" der Guttenberg-Verteidiger zusammenfassen. Jeder, der lesen kann (aber das ist vielleicht das Problem . . .), kann mit eigenen Augen sehen, dass Guttenberg ausgiebig plagiiert hat. Aber der Mann ist beliebt (warum eigentlich?), er ist ach so toll (inwiefern eigentlich?), also hat er das bestimmt nicht getan, sondern es sind nur "Vorverurteilungen" und linke Propaganda. S.o. Ach ja, dies noch: Mit geistigem Eigentum ist es wie mit dem materiellen. Wer es stiehlt, hat meist keins.
Wieso eigentlich erhält dieses Thema hier so viel Platz? Wieviele Threads und Blogs gibt es denn hier jetzt dazu? Ich zähle immer wieder vorn vorne...."2,3,4....ach, schon wieder ein neuer....5,6..." Mag sein, dass hier aus einer Ecke versucht wird, dem "Lothar Matthäus der deutschen Politik" - das ist ein Zitat....ich glaube von Urban Priol.....- Schaden zuzufügen. Aber wenn ich ehrlich bin, weiss ich nicht aus welcher Ecke das kommt. Wer solche Freunde hat wie Herr von oder zu Guttenberg, der braucht eigentlich keine Feinde mehr....*grübel*
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.