Plakat-Kampagne der SPD "Der Wahlkampf ist unsere Chance"

Arbeitsplätze, Bildung, Umwelt, Gesundheit: Die SPD will sich mit Sachthemen aus dem Umfragetief arbeiten. Für die Kampagne mit Plakaten, Broschüren, Spots und Online-Aktionen geben die Sozialdemokraten 27 Millionen Euro aus.


Berlin - Die SPD setzt in der ersten Phase ihrer Wahlkampagne auf Sachthemen - Arbeitsplätze, Bildung, Umwelt und Gesundheit etwa. Die Großflächenplakate, die Bundesgeschäftsführer Kajo Wasserhövel am Mittwoch vorstellte, zeigen Bürgerinnen und Bürger, die erklären, warum sie die SPD wählen. Dazu gehören Slogans wie "Gesundheit darf kein Luxusprodukt werden", "Bildung darf nicht vom Konto der Eltern abhängen" oder "Die SPD kämpft für Arbeitsplätze. Für meinen und für Ihren".

Die Plakate, die bis Ende August hängen, sollen dann laut Wasserhövel abgelöst werden durch Motive, bei denen Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier im Mittelpunkt steht. Neben dem Straßenwahlkampf setzt die SPD auf den Online-Kampagnen. Auf mehreren Websites will sie mit Videos und Blogs für ihre Inhalte und um neue Mitglieder werben.

Die SPD lässt sich den Wahlkampf rund 27 Millionen Euro kosten - rund drei Millionen Euro mehr als 2005. Anders als im erfolglosen Europawahlkampf setzt die SPD in ihren Plakaten nicht auf eine negative Kampagne gegen die anderen Parteien. Die Plakate sind eher nüchtern-sachlich. "Es geht nicht darum, besonders krawallig daherzukommen", sagte Wasserhövel. Man werde allerdings auch nicht darauf verzichten, die Unterschiede zur Union deutlich zu machen, betonte er. In Internet-Spots etwa werde man die Konkurrenz "spielerisch" ansprechen. "Den Biss werden wir dabei nicht aus den Augen verlieren. Wir sind ja nicht bei Hofe."

Steinmeier wird im Rahmen seiner Sommerreise rund hundert Veranstaltungen absolvieren, wie Wasserhövel sagte. Er werde - anders als die Konkurrenz - nicht die großen Plätze meiden. Ein Aktionspaket für Steinmeiers "Deutschland-Plan" werde an 10.000 Ortsvereine verteilt. Steinmeiers zentrales Versprechen, bis 2020 Vollbeschäftigung zu schaffen, finde durchaus Zustimmung, sagte Wasserhövel angesichts heftiger Kritik vom Koalitionspartner.

Im Internet soll es eine Spot-Reihe mit dem Titel "Drei am Fenster" geben, in denen Alltagsgespräche über Politik nachgespielt werden. Man wolle mit der Kampagne insgesamt "möglichst nah an die Alltagssprache herankommen", sagte der Wahlkampfleiter.

Wasserhövel zeigte sich zuversichtlich, dass "wir mit einem engagierten Wahlkampf erreichen können, dass Schwarz-Gelb nicht kommt". Die SPD könne sich "in eine Position reinkämpfen, in der Frank-Walter Steinmeier den Auftrag zur Regierungsbildung bekommt", sagte der Bundesgeschäftsführer. Eine Zielgröße für die Wählerstimmen, die die SPD anstrebt, nannte er nicht. Man werde bis zur Schließung der Wahllokale am 27. September um 18 Uhr um jede Stimme kämpfen. "Ich weiß, dass wir uns den Berg heraufkämpfen müssen", sagte er angesichts des großen und anhaltenden Vorsprungs der Union in Umfragen.

"Der Wahlkampf ist jetzt unsere Chance, und die werden wir nutzen", sagte Wasserhövel Dabei setze die SPD auf die "hohe Quote der Spätentscheider". Im September 2005 seien es 25 Prozent gewesen, die SPD gehe davon aus, dass die Quote diesmal noch höher sein werde. In Krisenzeiten "warten die Wähler länger ab und schauen genauer hin", sagte der Bundesgeschäftsführer. Der Wahlkampf werde über die Frage entschieden, welche Partei am stärksten mobilisieren könne. Auch die Union stehe diesbezüglich nicht gut da und liege seit 2005 "wie ein Brett bei 35 Prozent". Daran habe auch die Popularität von Bundeskanzlerin Angela Merkel nichts geändert.

ffr/AFP/AP/dpa/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.