Kommentar zum Ex-Kanzleramtschef Pofalla, eiskalt serviert

Heute berät der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn über die Berufung von Exkanzleramtsminister Ronald Pofalla in die Führungsspitze des Staatsunternehmens - es bleibt eine Personalie mit üblem Beigeschmack.

Ehemaliger Kanzleramtsminister Pofalla: Die Bahn als Abklingbecken für Expolitiker
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Ehemaliger Kanzleramtsminister Pofalla: Die Bahn als Abklingbecken für Expolitiker

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War was? Wochenlang hat die Republik über den möglichen Wechsel von Exkanzleramtschef Ronald Pofalla zur Deutschen Bahn gestritten, jetzt ist die Aufregung scheinbar verraucht - und Bahn-Chef Rüdiger Grube treibt die Personalie unverdrossen voran.

Anfang 2015 soll Pofalla in die Führung des Unternehmens aufrücken und wird wohl ein hohes sechsstelliges Jahresgehalt kassieren. Es zeigt sich wieder einmal: Echte Freunde stehen zusammen, egal wie laut die Öffentlichkeit gegen diese Art der Versorgungswirtschaft protestiert. Grube und Pofalla handeln nach dem alten Motto von Helmut Kohl: Sollen die Hunde doch bellen, die Karawane zieht weiter.

Das Timing für die Personalie scheint fast perfekt, Deutschland ist im Fußballrausch, andere Themen fesseln Medien und Bürger, da kann man fast nach Gutdünken selbst den größten Unsinn treiben. Bis heute sind Grube und Pofalla eine klare Antwort auf die Frage schuldig geblieben, warum das Staatsunternehmen Bahn einen Politiker wie Pofalla braucht, der für viel Geld die Verbindungen zur Politik pflegt. Niemand in Berlin will dem Unternehmen wirklich Böses - und auch jede Regulierungsgefahr aus Brüssel werden deutsche Politiker schon zu verhindern wissen. Da braucht's keinen Pofalla.

So bleibt ein bitterer Beigeschmack: Ronald Pofalla und Rüdiger Grube kennen sich lange und gut. Man versteht sich, man hilft sich. Die Granden der schwarz-roten Koalition stehen achselzuckend daneben, obwohl sie die Personalie wohl verhindern könnten. Warum sollten sie? Die Bahn ist seit jeher ein gefragtes Abklingbecken für Expolitiker - sowohl aus der Union als auch aus der SPD. Da hält sich die Empörung im politischen Betrieb in Grenzen.

Allein der Kunde hat das Nachsehen. Die nächste Fahrpreiserhöhung kommt bestimmt. Denn: Irgendjemand muss das schließlich alles bezahlen.

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Zum Autor
Christian Thiel
Roland Nelles ist Ressortleiter Politik und Leiter des Berliner Büros sowie Mitglied der Chefredaktion von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Roland_Nelles@spiegel.de

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insgesamt 110 Beiträge
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wurzelbär 18.06.2014
1. Personalie mit üblem
Der Verbund od. Zusammenhalt der angeblichen "Eliten" vom und im Staatsdienst (falsch - sie dienen nicht dem Staat sondern sich selbst) war und ist schon immer dagewesen. Man muß nur die Familienchroniken beachten.
fs123 18.06.2014
2. Guter Kommentar!
Steht alles drin: hier wird ein Staatsunternehmen nach Gutsherrenart verwaltet, und die Regierung spielt mit. Die Bahn gehört aufgeteilt in ein bundeseigenes Schienennetz und einen privaten Bahnbetrieb, der voll im Wettbewerb mit anderen Anbietern steht.
lanzarot 18.06.2014
3. Gehalt
Wie hoch soll sein Gehalt werden? 1,2 oder 1,6 Millionen im Jahr. Der Aufsichtsrat entscheidet heute. Entscheidet? Die Aufsichtsräte halten heutzutage auch nur noch die Hände auf.
toledo 18.06.2014
4. ....
Übler Beigeschmack..? Das trifft es nicht mal annähernd! Natürlich soll und muss Herr P. auf dem freien Markt eine Beschäftigung für seinen Qualifikation suchen und auch finden dürfen! Die Schaffung eines dotierten Vorstandsposten eigens für Herrn P. jedoch, ohne den die Bahn offenbar vorher auch zurecht kam, ist ein Skandal erster Güte.
fs123 18.06.2014
5. Guter Kommentar!
Steht alles drin: hier wird ein Staatsunternehmen nach Gutsherrenart verwaltet, und die Regierung spielt mit. Die Bahn gehört aufgeteilt in ein bundeseigenes Schienennetz und einen privaten Bahnbetrieb, der voll im Wettbewerb mit anderen Anbietern steht.
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