Polen-Besuch Merkel will Beziehungen erneuern

Bei ihrem Antrittsbesuch in Polen hat Kanzlerin Merkel angekündigt, die Beziehungen zum östlichen Nachbarn intensivieren zu wollen. Polens Ministerpräsident Marcinkiewicz sprach von einem neuen Kapitel im Verhältnis beider Länder.


Warschau - Mit zwei neu gewählten Regierungen lasse sich "ein neues Kapitel eröffnen", sagte Polens Ministerpräsident Kazimierz Marcinkiewicz auf der gemeinsamen Pressekonferenz. Beide Seiten seien sich einig, die Kontakte in der Wirtschaft zu intensivieren. Er deutete an, dass das zwischen Deutschland und Polen umstrittene Thema des Gedenkens an die Vertreibung angesprochen worden war. Einzelheiten erklärte er nicht. Lediglich so viel: Die Zukunft lasse sich nur "aufbauen auf der Wahrheit über die Vergangenheit".

Merkel bei Marcinkiewicz: Antrittsbesuch unter schwierigen Vorzeichen
DPA

Merkel bei Marcinkiewicz: Antrittsbesuch unter schwierigen Vorzeichen

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte dem östlichen Nachbarn zu, dass der ebenfalls umstrittene Bau der an Polen vorbeiführenden Ostsee-Pipeline von einer gemeinsamen Arbeitsgruppe begleitet werden solle. Aus deutscher Sicht solle auch Polen der Zugang zur Pipeline offen stehen. Die Leitung war unter der Obhut des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder und des russischen Präsidenten Wladimir Putin von deutschen und russischen Unternehmen beschlossen worden - ohne Rücksicht auf polnische Interessen.

Merkel sagte nach dem Gespräch weiter, sie habe außerdem mit Marcinkiewicz über den EU-Haushaltsstreit gesprochen. Sie wolle im Ringen um einen fairen Kompromiss auch die polnischen Interessen im Auge berücksichtigen.

Merkel betonte, dass sie gleich zu Beginn ihrer Amtszeit bewusst nicht nur Frankreich, sondern auch den zweiten großen Nachbarn Polen habe besuchen wollen. Polen und Deutschland seien noch nie so eng miteinander verbunden gewesen.

Mit Blick auf die verbreitete Skepsis gegenüber Deutschen in der polnischen Bevölkerung hatte Merkel bei ihrer Ankunft in Warschau gesagt, sie glaube dennoch an gute Gespräche in Warschau. "Ich weiß aus vielen Begegnungen, dass das polnische Volk mit dem deutschen Volk sehr gute Beziehungen haben möchte, und darauf setze ich."

Merkel ihrem Besuch beim Ministerpräsidenten war Merkel mit dem designierten polnischen Präsidenten Lech Kaczynski zusammengetroffen.



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