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Festnahme in Polen Rechtsextremist hatte Kontakt zur "Gruppe S."

Ein in Polen lebender Deutscher hortete mehr als ein Kilogramm TNT-Sprengstoff und Munition. Nach SPIEGEL-Informationen rechnen ihn Ermittler zum Umfeld einer Terrorgruppe.
aus DER SPIEGEL 42/2020
Ein Terrorverdächtiger der "Gruppe S." wird im Februar dem Haftrichter vorgeführt.

Ein Terrorverdächtiger der "Gruppe S." wird im Februar dem Haftrichter vorgeführt.

Foto: Uli Deck/ dpa

Die Nachricht hatte Aufsehen erregt: Ende September nahmen polnische Spezialkräfte einen Rechtsextremisten aus Deutschland fest und fanden große Mengen Sprengstoff. Nun zeigen SPIEGEL-Recherchen: Jürgen K. wird dem Umfeld einer mutmaßlichen Terrorzelle in Deutschland zugerechnet.

Der 62-jährige Elektriker soll nach Angaben aus Sicherheitskreisen zeitweise eine Kontaktperson der rechtsextremen "Gruppe S." gewesen sein, gegen die der Generalbundesanwalt wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung ermittelt.

An mehreren Orten zugleich zuschlagen

Die Gruppe um Werner S. alias "Teutonico" soll Anschläge auf Moscheen geplant haben. In abgehörten Gesprächen war von "Kommandos" die Rede, die an mehreren Orten zeitgleich zuschlagen sollten. Im Februar waren zwölf mutmaßliche Mitglieder und Terrorunterstützer verhaftet worden, darunter ein Verwaltungsmitarbeiter der nordrhein-westfälischen Polizei.

Welche Verbindungen der in Polen lebende Deutsche Jürgen K. genau zur "Gruppe S." hatte, werde noch geprüft, hieß es. Nach SPIEGEL-Informationen war er Teil einer Chatgruppe im Umfeld der mutmaßlichen Terroristen.

Bei einem Treffen Anfang Februar im nordrhein-westfälischen Minden, bei dem die Männer Anschläge geplant und über die Beschaffung von Waffen gesprochen haben sollen, war er nicht dabei.

Die Festnahme von Jürgen K. erfolgte offenbar nach einem Hinweis deutscher Ermittler an die polnischen Kollegen. Wie die Landesstaatsanwaltschaft Danzig auf Anfrage mitteilte, wurden bei Durchsuchungen der Wohn- und Arbeitsstätten von K. in der Woiwodschaft Kujawien-Pommern auch 1,23 Kilogramm TNT-Sprengstoff entdeckt. Daneben seien 15 Schuss Munition sowie Sprengkapseln sichergestellt worden.

Der verhaftete Deutsche stehe unter Terrorverdacht, teilte ein Sprecher der Abteilung für Nationale Sicherheit beim polnischen Premierminister dem SPIEGEL mit.

Weitere Festnahmen seien möglich.

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