"Politbarometer" Union und Grüne in Wählergunst gleichauf

Sind es die schlechten Noten für das Klimapaket der Großen Koalition? In einer ZDF-Wahlumfrage fallen SPD und Union weiter zurück. Die Grünen legen stark zu.

Robert Habeck und Annegret Kramp-Karrenbauer bei einem Neujahrsempfang 2019 in Hamburg
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Robert Habeck und Annegret Kramp-Karrenbauer bei einem Neujahrsempfang 2019 in Hamburg


Nach der Vorlage des Klimapakets der Bundesregierung vor einer Woche haben die Grünen in der Wählergunst deutlich hinzugewonnen.

Im ZDF-"Politbarometer" verbesserte sich die Partei um drei Prozentpunkte auf einen neuen Bestwert von 27 Prozent. Die Union sackte dagegen um einen Punkt auf ebenfalls 27 Prozent ab, die SPD sogar um zwei Punkte auf nur noch 13 Prozent.

Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, käme die AfD der Umfrage zufolge auf 14 Prozent der Stimmen. Die Linkspartei liegt aktuell bei sieben Prozent, die FDP bei sechs Prozent. Damit hätte derzeit eine schwarz-grüne Koalition als einziges Zweierbündnis eine klare Mehrheit.

Das Klimapaket der Regierung geht mehr als der Hälfte (53 Prozent) der Befragten nicht weit genug. Für gerade richtig halten es 20 Prozent, für zu weitgehend lediglich 13 Prozent. Besonders unzufrieden sind Anhänger der Grünen und der Linken, aber auch die der SPD. Selbst für 39 Prozent der Anhänger der Unionsparteien gehen die beschlossenen Maßnahmen nicht weit genug.



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Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
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Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
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Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
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In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
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In Thüringen, wo in vier Wochen ein neuer Landtag gewählt wird, ist das Umfrageergebnis der Grünen deutlich schlechter: Die aktuelle SPIEGEL-Umfrage zur Wahl sieht sie bei 9,2 Prozent. Linke, CDU und AfD liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den ersten Platz, die SPD ist mit 8,4 Prozent weit abgeschlagen.

Laut "Politbarometer" beliebtester Politiker bundesweit ist derzeit Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Er kündigte vor zwei Wochen an, bei der Landtagswahl im Jahr 2021 erneut für das Amt des Regierungschefs zu kandidieren. Auch in Wahlumfragen zu Baden-Württemberg erlebt die Ökopartei aktuell einen Höhenflug: Das Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap meldete zuletzt sogar potenzielle 38 Prozent für die Grünen im Südwesten.

In der Rangliste der beliebtesten Politiker kommt er auf einer Punkteskala von plus fünf bis minus 5 auf einen Wert von 1,8. Danach folgen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit 1,4 und Grünen-Chef Robert Habeck mit 1,0.

Am Ende der Rangliste stehen die künftige EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit einem Wert von minus 0,3, Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) mit ebenfalls minus 0,3 und CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer mit minus 0,5.

Für das ZDF-"Politbarometer" befragte die Forschungsgruppe Wahlen von Dienstag bis Donnerstag 1325 Wahlberechtigte. Der statistische Fehlerbereich liegt den Angaben zufolge bei einem Anteilswert von 40 Prozent bei drei Prozentpunkten, bei einem Wert von zehn Prozent bei zwei Punkten.

cht/AFP



insgesamt 114 Beiträge
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dirkcoe 27.09.2019
1. Überrascht mich nicht
Die GroKo hat mit ihrem sinnbefreiten Klimapaket endgültig bewiesen - es weder der Wille, noch das Standing gegenüber der Lobby vorhanden um effektiv zu handeln. Von Scheuer, Klein Annegret und Klöckner erwartet wirklich keiner mehr einen sinnvollen Beitrag.
Apo 68 27.09.2019
2. Die Grünen sind "Alternativlos" ...
Ich denke die Grünen sind sich bewußt, das gerade viele Grün wählen, an Mangel an Alternativen. Weniger weil einem das Parteiprogramm oder die grünen Politiker so ansprechen, sondern das Vertrauen in die anderen etablierten Parteien ist noch weiter gesunken ist. Ähnlich erging es ja schon einigen anderen Parteien in den letzten Jahren, FDP, Piraten und bedingt auch AfD, auch wenn Letztere doch für viele als Alternative ausscheidet. Ich komme selbst eher aus dem liberal/konservativen Lager, wie auch viele in meinem Bekanntenkreis und habe erstmalig Grün gewählt. Sollten die Grünen dann an der Regierung mitwirken, müßten sie aber mehr liefern, als bei ihren letzten Regierungsbeteiligungen im Bund, oder z.Bsp. in NRW. Die bekommen gerade durch Umweltkatastrophen, z.Bsp. Fukushima, Feinstaub, usw. aber auch durch FFF verdammt viel Vorschusslorbeeren, ich hoffe sie "versauen" es nicht, dann sind die wieder ganz schnell bei unter 15%. LG Frank
Emderfriese 27.09.2019
3. Long time ago...
Was hätte mich diese Meldung vor 35 gefreut! Inzwischen sind aber eben auch 35 Jahre "Realpolitik" der "Grünen" ins Land gegangen und haben gezeigt, was die Partei mit den ehemals "so scharfen Krallen" (Reinhard Mey) wirklich ist: eine verkappte FDP in Flecktarn… So nehme ich die Meldung hin wie die täglichen Nachrichten aus dem bundesweiten Politikeinerlei. Man bilde einen Satz aus Sack, China, Reis...
RioTokio 27.09.2019
4.
"Das Klimapaket der Regierung geht mehr als der Hälfte (53 Prozent) der Befragten nicht weit genug." Weil die neu erfundene CO2 Steuer für die 53% zu niedrig ist, wählen sie die Grünen? Erstaunlich und kaum glaubhaft...
malcom1 27.09.2019
5. Umfragen
Tut mir leid aber ich kann keinen Sinn in den wöchentlichen Umfragen erkennen. Treibt man die Politik mit diesen Umfragen nicht vor sich her? Denn auch diem Politik schaut auf diese Umfragen und damit zwingt man die Politik zum kurzfristigen Handeln. Was dann auch wieder bemängelt wird.
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