Politiker-Initiative Kampf den Rauchern

Deutsche Politiker machen Front gegen das Rauchen: Zum Schutz von Nichtrauchern wollen sie drastische Gesetzesverschärfungen durchsetzen. Nach amerikanischem Vorbild wollen sie das Rauchen etwa in Gaststätten, Behörden und Schulen komplett verbieten.


Raucher: Krieg gegen die Gesundheit
AP

Raucher: Krieg gegen die Gesundheit

Hamburg - Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, sagte der "Bild am Sonntag", sie wolle erste Schritte einleiten, um den Schutz von Nichtrauchern zu verbessern. "Das Nichtrauchen muss in der Öffentlichkeit der Normalfall werden." So sollten etwa Krankenhäuser, Schulen oder Behörden komplett rauchfrei sein. Auch andere Politiker sprachen sich für Rauchverbote vor allem in der Gastronomie aus.

Caspers-Merk erklärte, die Nichtraucherangebote in der Gastronomie müssten deutlich ausgeweitet werden. "Es muss Standard werden, dass es in den Gaststätten Nichtraucherzonen gibt", sagte die SPD-Politikerin.

Auch der bayerische Gesundheitsminister Eberhard Sinner will notfalls ein Rauchverbot in Gaststätten durchsetzen, um Passivraucher besser zu schützen. "Mein Ziel ist eine möglichst rauchfreie Gesellschaft - von der rauchfreien Schule bis zur rauchfreien Gaststätte. Davon möchte ich die Menschen überzeugen. Wenn Überzeugungsarbeit nicht ausreicht, muss man aber auch über geeignete Verbote nachdenken." Rauchen sei "Krieg gegen die Gesundheit, vor allem unserer Kinder", sagte der CSU-Politiker.

Marion Caspers-Merk: Nichtrauchen muss der Normalfall werden
DDP

Marion Caspers-Merk: Nichtrauchen muss der Normalfall werden

Nach dem Vorbild amerikanischer Anti-Rauch-Gesetze fordert der nordrhein-westfälische CDU-Bundestagsabgeordnete Werner Lensing ein striktes Rauchverbot an öffentlichen Plätzen. "Ich bin für ein absolutes Rauchverbot überall dort, wo Nichtraucher dem Zigarettenqualm nicht entgehen können, also etwa in Gaststätten und auch in Bürohäusern", erklärte er. Natürlich sei darauf zu achten, dass die Existenz von Restaurants nicht gefährdet werde. Aber in den USA sei Nichtrauchen mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Deutschland solle sich die dortigen Gesetze zum Vorbild nehmen.

Der Präsident der "Nichtraucher-Initiative" Ekkehard Schulz forderte ein gesetzliches Rauchverbot in allen Gaststätten. Es sei eine Zumutung, dass man nicht mehr essen gehen könne, ohne sich vor Zigarettenqualm schützen zu können, sagte der Medizin-Professor. "Die Amerikaner sind diesbezüglich Vorreiter. Auch bei uns müssen die Gesetze jetzt drastisch verschärft werden."



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jehrhart, 12.04.2005
1. Appetit bewirkt mehr als Appelle
Horrorszenarien, Regulierungswahn, prohibitionsähnliche Zustände, Diskriminierung der Raucher - das führt zu nichts, wenn nicht gar zu Trotzreaktionen. Ich wage zu behaupten: Würde all die Kreativität und letztendlich all das Geld, das aufgewendet wird, um den Rauchern die schrecklichen Gefahren ihrer Sucht und das Asoziale ihres Tuns vor Augen zu führen, für das Gegenteil eingesetzt, für Kampagnen also, die den Gewinn an Lebensqualität durch Nichtrauchen begehrenswert machen - dann sähe die Welt ganz anders aus. Ein Sprichwort sagt: "Ein Mensch, der will, kann mehr, als zehn, die müssen." Andersrum, verehrte Gesundheitsapostel: Erst wenn es euch gelingt, mich aufs Nichtrauchen geil zu machen, habt ihr eine Chance bei mir. jehrhart (Raucher) Nachtrag: Noch nie hatte ich so viele spontane Plaudereien mit Wildfremden wie seit der Einführung der Raucherinseln an den Flughäfen. Na bitte.
DJ Doena 12.04.2005
2.
Theoretisch müsste sich doch die neue gehypte Feinstaubgefahr ein absolutes Rauchverbot (Prohibition) durchsetzen lassen. Die Leute, die dann illegal weiterrauchen sind mir egal, sie können es ja nicht mehr vor meiner Nase tun. So hätte dieses Feinstaub-Gespinst (nein nicht Gespenst) wenigstens etwas gutes
Thorsten Hopf, 12.04.2005
3.
---Zitat von jehrhart--- Andersrum, verehrte Gesundheitsapostel: Erst wenn es euch gelingt, mich aufs Nichtrauchen geil zu machen, habt ihr eine Chance bei mir. ---Zitatende--- Muss man ein Gesundheitsapostel sein, wenn man nicht in Rauchschwaden sitzen will? Niemand (naja, ich jedenfalls nicht ;)) will Raucher von ihrem Tun abbringen (auch wenn ich jedesmal Unverständnis verspüre, wenn ich Eltern mit kleinen Kindern und Zigarette sehe). Es ist aber mit der Freiwilligkeit (also dem, was man gemeinhin als "Rücksichtnahme" bezeichnet) der Raucher erfahrungsgemäß nicht so weit her. Also müssen eben andere Maßnahmen her...
Patricia Brandt, 12.04.2005
4.
Letzten Sonntag saß ich gemütlich in einem netten Lokal und verspeiste mein Jägerschnitzel, als so eine komische Tussi anfing, ihren blauen Dunst zu verteilen. Die störte es nicht im Geringsten ob ihr Freund/Mann aß (der saß gegenüber) oder ob die Leute am Nebentisch (wir) essen wollten. Nein es wurde fleißig weiter gequalmt ohne den Blick von der Zeitung zu nehmen, mit der sie dann auch munter weiter raschelte. Ich wollte mir den Sonntag nicht versauen, also verzichtete ich auf eine Diskussion und wartete bis sie fertig war (freilich hielt dieser Zustand nicht lange, die nächste folgte). Ich frage mich nur ernsthaft, wieso ich als "normaler" Mensch, einen Raucher bitten soll mit der Qualmerei aufzuhören, zumindest solange ich mich daneben aufhalte? Rauchen ist eine Sucht und kein "Normalzustand", solange das aber fein ignoriert wird, wird die Akzeptanz von Rauchern in der Öffentlichkeit immer gegeben sein. Ich finds nur beschämend für unsere Gesellschaft, dass man sich als Nichtraucher wie ein Verbrecher vorkommt wenn man einen Raucher bittet die Kippe auszumachen. Und das nur, weil Raucher nicht als das angesehen werden, was sie sind: Suchtkranke. Einem Junkie erlaubt man auch nicht, sich im Restaurant ne Spritze zu setzen.
Hans-Joachim Grüßner, 12.04.2005
5. Alle Raucher sind Suchtkranke ???
Moin auch, zum einen kann ich Sie verstehen, es gehört sich einfach nicht (und war schon immer unfein) zu rauchen während andere in unmittelbarer Nähe essen. Siehe auch das Standardwerk 'der' Pappritz aus den 50er Jahren. Zun anderen war es noch nie hilfreich, zu pauschalisieren. Ich rauche - wenn die Gelegenheit stimmt - mal gerne ein gute Zigarre oder eine Pfeife. Das summiert sich auf max 5 - 8 Zigarren pro Jahr (aber dann auch besonders gute!) Ich bin mit Sicherheit kein 'Junkie' und würde mich gegen eine solche Bezeichnung schärfstens wehren. Ich kann andererseits nicht verstehen, was man an Zigarretten finden kann. Schmecken tun sie jedenfalls nicht. Jedoch soll ja angeblich die Zigarrettenindustrie suchterzeugende Stoffe beimischen lassen. Na dann prost. Wenn die Raucher einfach mal 'was richtiges' rauchen würden, und das mit Genuß (wirklichem und nicht von der Werbung vorgegaukelten) und in Maßen, die Nichtraucher andererseits darauf verzichten würden, auf jeden Raucher einzureden, auch wenn er sie (unter freiem Himmel z.B.) nicht persönlich, physisch belästigt, dann wäre das ganze schon viel friedlicher... Gruß von der Ostsee Hanjo Grüßner
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