Politikerabsagen ZDF-Mann Brender geißelt Verweigerung von Merkel und Steinmeier

Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier haben ihre Teilnahme an TV-Diskussionsrunden zur Bundestagswahl abgesagt. ZDF-Chefredakteur Brender warf der Kanzlerin und ihrem Herausforderer daraufhin vor, die Verweigerung "beschädigt die demokratische Kultur".

Merkel und Steinmeier (beim TV-Duell am 13. September): Keine Lust auf Diskussionsrunden
dpa

Merkel und Steinmeier (beim TV-Duell am 13. September): Keine Lust auf Diskussionsrunden


Leipzig - "Wahl 09 - Die Favoriten" heißt eine ARD-Sendung, die am kommenden Montag ausgestrahlt werden soll. Doch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Rivale Frank-Walter Steinmeier (SPD) werden nicht mitdiskutieren. Beide hätten ihre Teilnahme abgesagt, teilte der MDR mit.

Wenige Stunden zuvor hatte das ZDF seine für Donnerstag geplante Diskussionsrunde mit Spitzenkandidaten und Parteivorsitzenden kurzfristig aus dem Programm genommen. Nach der Absage von Merkel habe Steinmeier seine angekündigte Teilnahme an der "Berliner Runde" zurückgenommen, teilte der Sender mit. Durch Steinmeiers Absage sei der Runde ihre programmliche Grundlage entzogen, sagte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender. "Die Verweigerung von Kanzlerin und Kanzlerkandidat beschädigt die demokratische Kultur", wetterte er. "Neben dem TV-Duell zwischen Kanzlerin und Herausforderer ist die Berliner Runde aller Spitzenkandidaten für mich das wichtigste Diskussionsformat vor den Bundestagswahlen", sagte Brender.

Merkel wollte sich in der Runde durch Niedersachsens Ministerpräsidenten und CDU-Vize Christian Wulff vertreten lassen. Aus SPD-Kreisen hieß es, Steinmeier sehe nach der Absage von Merkel keinen Sinn darin, mit Wulff über die Zukunft des Landes zu diskutieren. Zugleich bedauere er, dass sich die Kanzlerin weiteren Diskussionen nicht stellen wolle.

Wulff selbst wiederum unterstellte der SPD "Angst" vor einer öffentlichen Diskussion. "Steinmeier kneift. Es ist ein absolutes Novum, dass sich ein Herausforderer einer breiten TV-Öffentlichkeit verweigert", sagte er.

Das ZDF hatte nach eigenen Angaben seit März dieses Jahres ohne Erfolg versucht, die Kanzlerin durch mehrere Terminvorschläge für die "Berliner Runde" zu gewinnen. Trotz der Absagen werde man weiter versuchen, die Spitzenkandidaten vor der Bundestagswahl am 27. September an einen Tisch zu bekommen, teilte der Sender mit.

FDP-Chef Guido Westerwelle warf Merkel und Steinmeier vor, sich einer demokratischen Debatte mit Vertretern der Opposition zu verweigern. "Sie haben Angst vor guten Argumenten und vor dem Urteil der Zuschauer", sagte Westerwelle. Linke-Fraktionschef Gregor Gysi konstatierte "eine komische Mischung aus Selbstgefälligkeit und Selbstunsicherheit" bei Merkel und Steinmeier.

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla kritisierte das ZDF für seine Entscheidung. "In den Jahren 2002 und 2005 ergaben sich ähnliche oder sogar gleiche Konstellationen bei den Berliner Runden des ZDF", sagte Pofalla. Dennoch hätten sie stattgefunden.

als/ddp/dpa

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Seite 1
Knippi2006 14.09.2009
1.
Zitat von sysopSchwarz-Gelb, Ampel, Jamaika, eine andere Konstellation - oder wieder die Große Koalition? Welches Regierungsbündnis wünschen Sie sich nach der Bundestagswahl?
Egal, welche Farbkombi - solange sie ehrlich, anständig, human und vernünftig agieren, leider wird unter den genannten Voraussetzungen keine Regierung zu Stande kommen.
Der Pragmatist 14.09.2009
2. Seid pragmatisch une realistisch!
Zitat von sysopSchwarz-Gelb, Ampel, Jamaika, eine andere Konstellation - oder wieder die Große Koalition? Welches Regierungsbündnis wünschen Sie sich nach der Bundestagswahl?
Schwarz-Gelb waere wohl die beste Loesung, um das Land vorauszutreiben und seine Stellung in der Welt zu bewahren. Schwarz-Rot ginge zur Not noch und Rot-Rot-Gruen wuerde den Untergang und Zerfall der Republik sehr beschleunigen. Die Industrie, der grosse Feind der Roten und Garant eines Einkommens, wuerde sich in andere Laender verlegen anstatt sich ewig mit ihren Peinigern herumzuschlagen. Millionen Arbeitsplaetze wuerden verloren gehen und andere Laender wuerden zweifelsohne gross von dieser Industrieverlagerung profitieren. Also Leute, wenn ihr weiterhin dort wohnen wollt wo ihr wohnt, seid realistisch und pragmatisch und unterstuetzt die Industrie. Nur die Industrie kann Euch ein Einkommen geben, der Staat kann es nicht. Er kann Euch nur geld aus der Tasche ziehen und das tut er auch ganz kraeftig. Pragmatist
kimm100 14.09.2009
3.
Alle ausser CDU/FDP
yogtze 14.09.2009
4. Rot-Rot-Grün
Zitat von sysopSchwarz-Gelb, Ampel, Jamaika, eine andere Konstellation - oder wieder die Große Koalition? Welches Regierungsbündnis wünschen Sie sich nach der Bundestagswahl?
Es kann nur eine Koalition geben, die nach den sozialen Einschnitten der letzten Jahre wieder einen gerechten Ausgleich schaffen kann: Rot-Rot-Grün! Leider wird es dazu nach der Wahl nicht kommen, weder die Linken noch die SPD sind zum jetzigen Zeitpunkt dazu bereit, doch wenn es zu einer Groko kommt, hoffe ich, dass diese nach spätestens zwei Jahren zerbricht und es dann soweit ist, dass die SPD, mit neuem Führungspersonal, zu ihren Wurzeln zurückkehrt!
DJ Doena 14.09.2009
5.
Es wäre schön, wenn man diese Frage auf einem tatsächlichen Wahlzettel beantworten dürfte. So quasi Liste 1: Direktkandidat, Liste 2: Partei, Liste 3: Wunschkoalition Dann würde nämlich der ganze Miste aufhören, von wegen "der Wähler" (Einzahl) hätte die Parteien in eine große Koalition gezwungen - wie das mit den derzeitigen Stimmzetteln möglich sein soll, ist mir völlig schleierhaft.
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