Politikerurlaub Der deutsche Weg

In diesem Reform-Sommer werden selbst die Ferien für deutsche Spitzenpolitiker zum Politikum: Hannover-Urlauber Schröder rettet Deutschland, der Italienreisende Fischer Europa. Ein Dreamteam in Badehosen.


Deutscher Weg: Schröders in Hannover
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Deutscher Weg: Schröders in Hannover

Berlin - Ein Wahlversprechen hat Gerhard Schröder dann doch gehalten. Er wolle "den deutschen Weg" gehen, hatte der wahlkämpfende Kanzler im vergangenen Sommer auf den Marktplätzen der Republik verkündet, ohne so genau zu erklären, was darunter zu verstehen ist. Jetzt wissen wir es: Alle deutschen Wege führen nach Hannover - auch wenn es manchmal nur Trampelpfade sind.

Den Kompass für seinen Weg hat der Kanzler im Bauch. Für einen, der mit "Bild, BamS und Glotze regiert", wie er mal gesagt haben soll, ist alles Private auch politisch - sogar der Urlaub.

Oder geht er mit der Wiederentdeckung Deutschlands als Ferienstandort nur gegen die schleppende Konjunktur an? Neuneinhalb Millionen Deutsche geben jedes Jahr circa neun Milliarden Euro in Italien aus. Was, wenn die nun alle Schröder folgend zu Hause bleiben und Sandburgen an der Ostsee bauen oder bayerische Biergärten aus der Krise trinken? Die Sorgen von Finanzminister Hans Eichel um die Gegenfinanzierung der Steuerreform würden dadurch zumindest gemildert.

Dass Joschka Fischer an seinem Italien-Urlaub festhält, bedeutet nicht, wie die "Bild" vermutet, dass er seinen Kanzler "im Stich lässt". Das ist zwar nicht ganz abwegig, immerhin hat sich der Außenminister bisher mit keinem Wort zur deutsch-italienischen Pasta-Krise geäußert. Auch weiß man, dass er so seine Probleme hat mit den Bauch-Entscheidungen seines Vorgesetzten. Das war in der Irak-Frage schon so, und als Schröder einst "den deutschen Weg" verkündete, soll Joschka, so ist es überliefert, "gekotzt haben". Nein, in diesem Fall vermuten wir einmal mehr engste Kooperation, intelligente Arbeitsteilung und Abstimmung mit Weitsicht bei Rot-Grün: Schröder rettet Deutschland, Fischer Italien - und damit Europa.

So lernen wir diesen Sommer: "Der Kanzler wohnt im Swimmingpool" in Hannover, wie seine Gattin in einem Bestseller mal verkündete. Sehnsüchtig blättert er in seinem selbstlosen Sommer des Missvergnügens in Bildbänden von der Adriaküste und italienischen Kochbüchern und nimmt ansonsten repräsentativ übel. Fischer hingegen bekämpft bilaterale Trennungsgerüchte in der Toskana.

Flankiert wird dieses deutsche Doppel von den anderen beiden wichtigen Deutschen. Glaubt nicht an Zufall, wenn Michael Schuhmacher im italienischen Ferrari sich nun schon zweimal vom Bruder Ralf im deutschen BMW hat abhängen lassen. Sind wir erstmal auf dem deutschen Weg - dann auch gleich auf der Überholspur.



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