Politischer Aschermittwoch CSU-Basis feiert Stoiber - Buhrufe für Pauli

Jubel für Stoiber: In Passau feiern Tausende ein letztes Mal den scheidenden Parteichef - während die Rivalen um seine Nachfolge einem Aufeinandertreffen ausweichen. CSU-Rebellin Pauli wurde ausgepfiffen und als "charakterlos" beschimpft.

Passau/Hamburg - Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber hält zum letzten Mal die Hauptrede bei der Parteiveranstaltung in der Passauer Dreiländerhalle. Er wurde von den rund 6000 angemeldeten CSU-Anhängern bei seinem Einzug in die Halle gefeiert. Zahlreiche Fans riefen immer wieder "Edmund, Edmund". Viele Gäste hatten Transparente und Plakate mitgebracht mit Aufschriften wie "Vielen Dank, Edmund Stoiber" oder "Edmund, Du bist der Beste."

Stoiber rief die CDU in seiner Rede zu größerem Einsatz für bessere Wahlergebnisse auf. Die Union dürfe sich nicht mit 33 oder 34 Prozent zufrieden geben, sagte. Die CSU sei die einzige echte Volkspartei, weil sie von mehr als der Hälfte der Wähler gewählt werde. "Mit 30 Prozent hat man nicht die gesamte Bandbreite des Volkes." Er könne nur davor warnen, auf einen dritten Koalitionspartner neben der FDP zu spekulieren. "CDU und CSU müssen so stark werden, dass gegen sie nicht regiert werden kann."

Neben Stoiber redet auch der bayerische Wirtschaftsminister Huber, einer der zwei Kandidaten um die Nachfolge an der CSU-Spitze. Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer hatte sein Kommen kurzfristig und ohne Begründung abgesagt.

Seehofer wird stattdessen bei einem Fischessen der CDU in Krefeld auftreten, die der dortige CDU-Kreisverband bestätigte. Die Einladung an Seehofer sei vor längerer Zeit ergangen, sagte eine Sprecherin. Seehofer soll auch eine Rede halten.

Buhrufe für Stoiber-Kritikerin Pauli

Die Fürther CSU-Landrätin Gabriele Pauli wurde bei der Kundgebung ihrer Partei mit Pfiffen und Buhrufen empfangen. Beim Einzug in die Halle wurde sie aus dem Publikum als "charakterlos" beschimpft. Auch "Pauli raus"-Sprechchöre waren zu hören. Pauli selbst ertrug die Angriffe mit einem Lächeln. Sie empfinde die Stimmung aber nicht als negativ, sondern als gemischt, sagte Pauli. "Das sind die Stoiber-Anhänger, das ist okay", sagte Pauli. Pauli hatte mit ihrer Kritik wesentlich zum Rückzug von Edmund Stoiber beigetragen, der im Herbst seine beiden Ämter als CSU-Chef und als bayerischer Ministerpräsident niederlegen will.

Wirtschaftsminister Huber würdigte in seiner Begrüßung die Verdienste Stoibers. "Wir schulden ihm großen Dank", sagte Huber unter großem Beifall. Stoiber habe "Bayern an die Spitze in Deutschland geführt". Der Auftritt ist für Huber ein Heimspiel: Er hält als Vorsitzender der niederbayerischen CSU traditionell neben Stoiber eine Rede in Passau.

Im Kampf um Stoibers Nachfolge schlug Huber moderate Töne an. "Man braucht sich jetzt um die CSU keine Sorgen zu machen, da wird es keine Lagerbildung geben", sagte Huber im ARD-"Morgenmagazin". Nach der Entscheidung auf dem CSU-Parteitag im September werde die "traditionelle Geschlossenheit und Einigkeit der CSU wiederhergestellt" sein, so Huber.

Zugleich widersprach Huber der Darstellung seines Kontrahenten, es gebe eine Kampagne gegen Seehofer. Familiäre Angelegenheiten spielten dabei keine Rolle und seien auch "kein Kriterium für eine politische Entscheidung", fügte er in Anspielung auf Berichte über eine außereheliche Affäre Seehofers hinzu.

"Wir haben uns einen fairen und sachlichen Wahlkampf versprochen", betonte Huber. Dass es mehrere Bewerber um die Nachfolge Edmund Stoibers im CSU-Vorsitz gebe, sei selbstverständlich. Huber warb zugleich erneut für sich: "Ich wäre gut eingestellt darauf, diese erfolgreiche Partei in die Zukunft zu führen." Die Frage, ob Seehofers Absage an eine Teilnahme an dem Treffen in Passau eine Vorentscheidung im Konkurrenzkampf um den Vorsitz sei, verneinte Huber: Jeder in der Partei habe "so viele Termine, dass er nicht alle wahrnehmen kann".

Aufmarsch der Parteigranden

Bundesweit zeigt sich heute die politische Prominenz der eigenen Basis. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird in Demmin in Mecklenburg-Vorpommern an der traditionellen Veranstaltung teilnehmen.

Die SPD setzt bei ihrer Aschermittwochsveranstaltung im niederbayerischen Vilshofen auf ihren Bundesvorsitzenden Beck. Die Grünen bieten, ebenfalls in Passau, den früheren Bundesumweltminister Trittin auf. Von der FDP wird Generalsekretär Niebel ins Duell geschickt. Niebel, der für den erkrankten FDP-Chef Guido Westerwelle eingesprungen war, attackierte die Bundesregierung. Er warf Union und SPD unter anderem mangelnden Reformwillen vor. Bei der Politik dieser Bundesregierung könne "man nur krank werden". Die Linke lässt ihre beiden Bundestagsfraktionschefs Lafontaine und Gysi für die Passauer Redeschlacht anreisen.

Der politische Aschermittwoch gilt als "der größte Stammtisch der Welt". Die Ursprünge der Polit-Großveranstaltung gehen auf einen Viehmarkt zurück, der seit 1580 in Vilshofen abgehalten wurde und bei dem sich die Bauern über Gott und die Welt unterhielten. Als eigentliches Geburtsjahr gilt 1919, als der Bayerische Bauernbund erstmals eine Kundgebung auf dem Markt veranstaltete.

Bundesweit bekannt wurde der politische Aschermittwoch ab 1953 durch den früheren CSU-Chef und bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß. Weil seine starken Sprüche und die bierselige Atmosphäre so viele Anhänger anlockten, musste die CSU 1974 von Vilshofen ins 30 Kilometer entfernte Passau ausweichen, wo die Nibelungenhalle mehr Platz bot. Mittlerweile veranstalten alle großen politischen Parteien am Aschermittwoch Treffen für ihre Anhänger.

jaf/ddp/dpa/reuters