Politischer Aschermittwoch Der selbst ernannte Retter aus Bayern

Bayern sei die Heimat, Deutschland aber das Vaterland, erklärte Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber den CSU-Anhängern in der völlig überfüllten Nibelungenhalle beim Politischen Aschermittwoch in Passau. Äußerst aggressiv äußerte er sich über Rot-Rot.


Passau: Politik aus dem Bauch
DDP

Passau: Politik aus dem Bauch

Passau - Edmund Stoiber hat beim 50. Politischen Aschermittwoch der CSU in Bayern Anhänger angelockt wie selten zuvor: 5000 Menschen in der Halle, 5000 weitere davor, wo die Kundgebung auf einer Leinwand übertragen wurde. "Deutschland braucht am 22. September den Wechsel", rief Stoiber unter dem Jubel seiner Fans. Rot-Grün habe abgewirtschaftet, Deutschland sei in Europa Schlusslicht bei Wirtschaftswachstum, Arbeitsplätzen und der Neuverschuldung geworden. So wie er sich bisher für Bayern eingesetzt habe, wolle er sich künftig für die Menschen in ganz Deutschland und besonders in Ostdeutschland einsetzen, sagte Stoiber.

Bundeskanzler Gerhard Schröder habe seine Versprechen gebrochen, sagte der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident. Das rot-grüne Projekt sei auf der ganzen Linie gescheitert. Die Minister der Regierung Gerhard Schröder seien "das wahre Schattenkabinett". Schröder habe für seine Leistung keine vier Jahre Vertragsverlängerung verdient, fuhr Stoiber fort.

Aschermittwoch: Der doppelte Stoiber
AP

Aschermittwoch: Der doppelte Stoiber

Dann zeichnete der Kanzlerkandidat das vermeintliche Schreckgespenst einer rot-roten Koalition an die Wand. Der Kanzler würde auch mit der PDS koalieren, wenn es anders nicht mehr reiche. "Rot-Rot würde Deutschland auf den letzten Platz in Europa festzementieren", rief Stoiber aus.

Erneut griff Stoiber den tschechischen Ministerpräsidenten Milos Zeman wegen dessen Äußerungen zu den Sudetendeutschen an. "Es ist nicht akzeptabel, dass in einem zusammenwachsenden Europa der tschechische Ministerpräsident die Sudetendeutschen pauschal als fünfte Kolonne Hitlers diffamiert", sagte Stoiber in der Nibelungenhalle "Das ist nicht der Umgangston, den wir im gemeinsamen europäischen Haus pflegen sollten." Da müsse Zeman noch sehr viel lernen, um in Europa anzukommen.

Westerwelle will neues Steuersystem

Möllemann und Westerwelle: Die FDP feiert sich in einer Passauer Brauereigaststätte
AP

Möllemann und Westerwelle: Die FDP feiert sich in einer Passauer Brauereigaststätte

Beim Politischen Aschermittwoch der FDP in Passau griff deren Vorsitzender Guido Westerwelle sowohl die SPD, als auch die Unionsparteien scharf an. "Wir treten bei den Wahlen nicht an, damit Herr Stoiber Kanzler wird oder Herr Schröder Kanzler bleiben kann", sagte der FDP-Chef. Er kündigte erneut an, dass die Liberalen zum ersten Mal seit Jahrzehnten ohne Koalitionsaussage in den Wahlkampf gehen.

Westerwelle forderte ein neues Steuersystem mit niedrigeren und gerechteren Steuersätzen für alle. Nur wenn dieses Ziel in einem Koalitionsvertrag enthalten sei, werde sich die FDP an einer künftigen Bundesregierung beteiligen. Die Bürger dürften nicht länger mehr als die Hälfte ihres Einkommens als Abgaben zahlen. "Ein Drittel Staatsquote reicht", sagte Westerwelle.

Grüne: "Stoiber, ein ökologischer Hinterwäldler"

Für die bayerischen Grünen ist der Unions-Kanzlerkandidat ein "ökologischer Hinterwäldler". Der Landesvorsitzende der Grünen, Jerzy Montag, nannte Stoiber zum Auftakt der Aschermittwochsveranstaltung der Grünen in Passau einen "Scheinriesen", der aus der Ferne übermächtig erscheine. Je näher man ihm aber komme, umso "schmächtiger und verkniffener" werde er tatsächlich. Bayern sei zwar ein Exportland, es gebe aber "bessere Markenartikel" als den CSU-Vorsitzenden.



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