Politischer Aschermittwoch Seehofer attackiert, Schulz wirbt

Die Sozialdemokraten hatten beim politischen Aschermittwoch in Vilshofen wohl mehr Besucher als die CSU in Passau - dafür ließen es Seehofer und Co. in gewohnter Weise krachen. SPD-Kanzlerkandidat Schulz trat zurückhaltender auf.


Am politischen Aschermittwoch geht es grob zu, und gern gegen den politischen Gegner, das ist die Tradition. Doch Martin Schulz blieb auch im ausverkauften Bierzelt im niederbayerischen Vilshofen seiner Linie treu: Der SPD-Kanzlerkandidat will Amtsinhaberin Angela Merkel und die Unionsparteien möglichst wenig attackieren.

"Auch im Bierzelt ist der politische Wettbewerber kein Feind", sagte Schulz vor 5000 Zuhörern. Er widmete sich fast ausschließlich seinen eigenen Plänen und warb um Zustimmung. Schulz sprach viel über mangelnde Gerechtigkeit und verteidigte die angekündigten Korrekturen an der Agenda 2010.

Einzige Ausnahmen: Seine Analyse der Differenzen von CDU und CSU ("die sind nicht mehr ganz beisammen") und einige Attacken gegen Rechtspopulisten in Deutschland. Die AfD nannte er "eine Schande für die Bundesrepublik". Zudem kritisierte er die Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, insbesondere wegen der Verhaftung des deutschen Journalisten Deniz Yücel, sowie US-Präsident Donald Trump.

Schulz hielt in weiten Teilen eine Rede, wie er sie zuletzt auch bei seinem Auftritt in Leipzig und ähnlichen Veranstaltungen gehalten hat - das Bierzelt-Publikum feierte den Sozialdemokraten dennoch. Weil die SPD für sich reklamiert, diesmal mehr Besucher in Vilshofen gehabt zu haben als die CSU parallel bei ihrem Politischen Aschermittwoch in Passau, sagte Schulz zu Beginn unter großem Beifall: "Herzliche Grüße an die gefühlte Mehrheit von der realen Mehrheit."

In Passau hatten sich schon vor dem Auftritt des bayerischen Ministerpräsidenten und Parteichefs Horst Seehofer etliche Redner auf Schulz eingeschossen, und Seehofer legte dann nach. "Wir werden ihm die Mogelpackungen nicht mehr durchgehen lassen", sagte er.

Seehofer vor CSU-Auftritt in Passau
AFP

Seehofer vor CSU-Auftritt in Passau

Die Union wirft dem SPD-Kanzlerkandidaten einen schlampigen Umgang mit Zahlen vor. Als Beispiele nannte Seehofer Äußerungen von Schulz im Zusammenhang mit dem Arbeitslosengeld und der inneren Sicherheit. Ansonsten "heißt es nicht mehr Martin Schulz, sondern Martin der Schummler"", sagte Seehofer. Es gehe nicht an, dass die SPD die Union täglich auffordere, einen fairen Wahlkampf zu bestreiten, "sich aber selbst nicht an die Wahrheit hält".

Seehofer verteidigte seine Forderung nach einer Obergrenze für Flüchtlinge und sprach sich für Milliardenentlastungen nach der Bundestagswahl aus - konkret die Senkung der Einkommensteuer für kleine und mittlere Einkommen sowie die Abschaffung des Solidaritätszuschlags. Zudem machte er sich für eine harte Linie in der Innenpolitik stark.

CSU-Generalsekretär Scheuer spricht von "Schizo-Schulz"

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer, der nach Seehofer sprach, nannte den SPD-Kanzlerkandidaten "Schizo-Schulz", weil dieser in Deutschland anders rede als früher in Brüssel und Straßburg, als er noch Präsident des Europaparlaments war.

Aus der Union gab es zuletzt immer wieder heftige Angriffe gegen Schulz, CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt nannte ihn zuletzt einen "Quacksalber". Allerdings gibt es auch Vertreter von CDU und CSU, die eher zur Zurückhaltung mahnen und eine inhaltliche Auseinandersetzung fordern.

Die Nervosität ist in der Union deutlich gestiegen, seitdem sich die SPD auf einem ähnlichen demoskopischen Niveau eingependelt hat und in manchen Umfragen sogar vorne liegt. Auch in der Kanzlerpräferenz liegt Schulz teilweise schon auf Augenhöhe mit Merkel oder sogar vor ihr.

Die Kanzlerin wird am Abend beim traditionellen Politischen Aschermittwoch ihres CDU-Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern in Demmin auftreten.


Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Wahltrend wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 26.2. bis 27.2.2017 online erhoben. Die Stichprobe umfasste 5012 Befragte, der statistische Fehler lag beim Gesamtergebnis bei 2,5 Prozent. Bei der Befragung nach Altersgruppen und ihrer Parteipräferenz und bei den Angaben mit Bezug auf die Bevölkerungsdichte ist die statistische Fehlertoleranz größer, sehr feine Unterschiede sind in diesen Ergebnissen also nicht aussagekräftig.

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flo

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jalb63 01.03.2017
1. was hat die CSU geschafft?
Seehofer hat bis jetzt keine Ankündigungen durchsetzen können und ist arm an Argumenten. Da hilft auch di Anlehnung zur AFD nicht weiter. Frau Merkel wäre gut beraten sich von der CSU zu trennen.
nickleby 01.03.2017
2. Aschermittwoch im Lande
Die CSU attackiert fröhlich und gut gelaunt, während Schulz Platituden wiederholt und nichts Neues bringen kann. Damit zeigt er aber seine politische Unbeholfenheit. Im jetzigen Zustand sind sowohl AfD als auch SPD eine Schande für die intellektuelle Kraft Deutschlands. Es stimmt nachdenklich, dass die SPD in ihrer Not auf einen Trommler wie Schulz hereinfällt..
Nachdenkender 01.03.2017
3. Verlogene CSU
Die CSU in Personen Seehofer, Dobrindt, Schmidt und Müller und weitere sind an Verlogenheit kaum mehr zu überbieten und es verwundert einen dann schon, dass diese Großmäuler so den Rachen aufmachen. Seehofer fordert immer und immer wieder eine Obergrenze für Flüchtlinge und tut so, als sei eine Realistische Möglichkeit gegeben, diese einzuführen. Blöd nur das dem das Grundgesetz und die Menschenrechtskonvention der Vereinten Nationen entgegen steht. Dobrindt will uns Bürger für blöd verkaufen mit seiner Maut. Von allen Seiten bekommt er ihre Rechtswidrigkeit bescheinigt, und sie wird den deutschen Steuerzahler mehr kosten als sie bringt. Schmidt dieser Agrarindustrie-Abhängiger will uns weiss machen, die Bürger stehen auf Massentierhaltung und finden das Schreddern von Küken total lustig. Und überhaupt, Lebensmittelreinheit und saubere und gesunde Ernährung nur insoweit es der sogenannten Lebensmittelindustrie zum Profit gereicht. Müller. Kennt den eigentlich jemand? Ist der Entwicklungshilfeminister. Ich frage mich, für wen er was entwickeln soll. Für ärmere Länder tut er jedenfalls nichts. Vielleicht entwickelt sich sein Bankkonto, aber ansonsten ist dieser Mann eine völlige Nullnummer. Nein CSU, ihr könnt ausser Hochnäsige Reden schwingen gar nichts. Und ehrlich seid ihr schon lange nicht. Versprechungen wie euer Steuersenkungsplan ist so durchschaubar wie das Gelöbniss der AfD auf die Verfassung. Dem Land ginge es besser ohne diese beiden Parteien.
Neandiausdemtal 01.03.2017
4. CSU Scheuer
Einer wie der Generalsektär Scheuer ( natürlich CSU ) ist doch gar nicht in der Lage, jemanden zu beleidigen. Früher nannte man das "fehlende Satisfaktionsfähigkei".
benzle 01.03.2017
5. Seehofer hin, Seehofer her ..
.. vorweg ich bin weder Beyer noch Seehofer-Fan,aber man muss doch zugeben dass gerade der Freistaat über viele Jahrzehnte, bis heute gut verwaltet wurde.So gut, dass er immer noch die anderen Bundesländer unterstützen kann (muss).
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