Polizei Euro-Einführung gefährdet die Innere Sicherheit

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) nutzt den Euro, um die Diskussion über die Innere Sicherheit anzuheizen. Sollten sich während der Umstellung schwere Unglücke ereignen, habe die Bundesrepublik ein großes Problem.


Euro-Einführung: Für die Polizei sind die "Grenzen der Belastbarkeit" erreicht
DPA

Euro-Einführung: Für die Polizei sind die "Grenzen der Belastbarkeit" erreicht

Hamburg - Die GdP befürchtet wegen der Euro-Umstellung im Januar eine Gefährdung der inneren Sicherheit. Der Personaleinsatz zum Schutz von Geldtransporten und Bankfilialen des neuen Geldes werde so massiv sein, dass andere polizeiliche Aufgaben nicht mehr hundertprozentig erledigt werden können, sagte der stellvertretender GdP-Bundesvorsitzender Bernhart Witthaut der "Bild am Sonntag".

"Die Personaleinsparungen bei der Polizei in den letzten Jahren werden zum sicherheitspolitischen Bumerang. Kommen während der Euro-Einführungsphase noch andere Großereignisse hinzu, wie etwa die geplanten Castor-Transporte, haben wir die Grenzen der Belastbarkeit erreicht. Ich mag nicht daran denken, wenn in dieser Zeit schwere Unglücke oder gar terroristische Anschläge passieren."

Von einer großen Reisewelle zeitgleich mit der Euroumstellung könnten die Ordnungshüter allerdings verschont bleiben: Die meisten Mitarbeiter des Einzelhandels und der Banken können im Januar und Februar 2002 keinen Urlaub nehmen. Gerade die Supermärkte rechnen mit einem heftigen Kunden-Ansturm. Grund: In den ersten Wochen kann noch mit D-Mark bezahlt werden. Das Wechselgeld wird aber schon in Euro herausgegeben.

"Die Bürger werden die Märkte als Wechselstube nutzen. Um lange Schlangen an den Kassen zu vermeiden, brauchen wir jede helfende Hand", so Wolfgang Schmuck, Sprecher der Rewe-Gruppe in der "Bild am Sonntag". Deshalb müssen alle 138.500 Mitarbeiter des Kölner Konzerns vom 1. bis zum 19. Januar 2002 arbeiten.

Anwesenheitspflicht besteht auch für die 10.000 Kassiererinnen und die 40.000 Verkäufer der Kaufhauskette Karstadt/Hertie. Sprecher Michael Scheibe: "Es wird eine Beschäftigten-Präsens wie im Weihnachtsgeschäft geben. Die liegt bei 99 Prozent."

Urlaubssperre und Überstunden wird es auch bei den 700.000 Beschäftigten der Banken geben. Einige Institute überlegen sogar in den ersten Wochen die Öffnungszeiten zu verlängern und am 1. Januar 2002 die Filialen zu öffnen.



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