Sachsens Ministerpräsident Polizei vernimmt Verdächtige nach Morddrohungen gegen Kretschmer

Sie sollen Mordpläne gegen den Ministerpräsidenten und weitere sächsische Regierungsmitglieder geschmiedet haben: Nun werden die Männer befragt und die Beweismittel ausgewertet – darunter mehrere Armbrüste.
Nach Morddrohungen gegen Sachsens Ministerpräsident: Polizei führt einen Verdächtigen in Dresden aus einem Haus

Nach Morddrohungen gegen Sachsens Ministerpräsident: Polizei führt einen Verdächtigen in Dresden aus einem Haus

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Nach der Razzia bei sechs Mitgliedern einer Telegram-Chatgruppe  wegen Morddrohungen gegen Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sind die ersten Vernehmungen abgeschlossen. Ob die Beschuldigten Angaben gemacht haben, konnte ein Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA) Sachsen am Donnerstagmorgen nicht sagen. Die Befragungen würden fortgesetzt, die sichergestellten Beweismittel ausgewertet. »Wir werden dann sehen, ob es Folgemaßnahmen gibt.« Nach seinen Angaben hat die Gruppe namens »Dresden Offlinevernetzung« über hundert Mitglieder.

140 Beamte durchsuchten bis zum späten Nachmittag Wohnungen

Rund 140 Beamte hatten am Mittwoch die Wohnungen der fünf Männer zwischen 32 und 64 Jahren und einer 34-Jährigen in Dresden sowie ein weiteres Objekt in Heidenau (Sächsische Schweiz) durchsucht. Dabei waren auch drei Armbrüste, Waffen und Waffenteile gefunden sowie Handys, Computer und Speichermedien sichergestellt worden. Die Durchsuchungen dauerten bis zum späten Nachmittag. An dem Einsatz waren rund 140 Beamte beteiligt, darunter Spezialkräfte des LKA.

Die Beschuldigten stehen unter dem Verdacht, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet zu haben. Die Mitglieder dieser Chatgruppe, welche die Ablehnung gegen Impfungen, den Staat und die gegenwärtige Coronapolitik verbinde, »äußerten in der genannten Chatgruppe und bei nicht virtuellen Treffen unter anderem Mordpläne an dem sächsischen Ministerpräsidenten und weiteren Vertretern der sächsischen Staatsregierung«, heißt es in einer Pressemitteilung des Landeskriminalamts Sachsen.

Die Ermittler waren durch einen Bericht des ZDF-Magazins »Frontal« von vergangener Woche auf die Morddrohungen im Kommunikationsdienst Telegram aufmerksam geworden.

In dem Messengerdienst soll demnach ein Chatmitglied in einer Audionachricht gesagt haben, es sei bewaffnet und habe Munition parat. Das LKA Sachsen hatte am Mittwochmorgen via Twitter mitgeteilt, mehrere Objekte zu durchsuchen.

In den vergangenen Tagen hatten mehrere Politiker vor einer Gefahr durch Telegram gewarnt. Die neue Bundesinnenministerin Nancy Faeser kündigte zuletzt ein schärferes Durchgreifen gegen illegale Inhalte im Messengerdienst an. »Gegen Hetze, Gewalt und Hass im Netz müssen wir entschlossener vorgehen«, sagte Faeser.

muk/dpa
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