Porsche als Dienstwagen Vollbremsung im Stuttgarter Landtag

Der baden-württembergische Landtagspräsident Straub hatte einen kurzen Traum von Glück: Nach einer Probefahrt mit einem Porsche Panamera wollte er sich das Auto als Dienstwagen zulegen. Nach vernichtender Kritik in der Öffentlichkeit lässt er es nun bleiben.

Landtagspräsident Straub: Politiker mit Vorliebe für schnelle Autos
dpa

Landtagspräsident Straub: Politiker mit Vorliebe für schnelle Autos


Stuttgart - Nun wird es doch kein Porsche. Dabei hätte Landtagspräsident Peter Straub den Wagen gern für seine Dienstfahrten gehabt. Einen Panamera in weiß. Aber natürlich nur das günstige Modell mit 300 PS für knapp 76.000 Euro. Auf die Idee war der 70-Jährige gekommen, nachdem er das Auto auf Einladung der Porsche AG Probe gefahren hatte. Bei der Gelegenheit habe er festgestellt, so sein Sprecher, dass der Sportwagen, der mehr als 250 Sachen schafft, sich durchaus als Dienstwagen eignet. Über die öffentliche Wirkung in Zeiten von Krise und Sparpaket dachte der CDU-Politiker offensichtlich nicht weiter nach.

Erst nach empörten Reaktionen aus dem Stuttgarter Landtag kam er ins Grübeln und entschied sich um. "Die Entwicklungen des Tages" hätten ihn dazu gebracht, umschrieb sein Sprecher die Lage. Die genauen Gründe, warum sich Straub einen Porsche zulegen wollte, konnte der Sprecher nicht nennen. Derzeit nutze der Parlamentschef einen Wagen der Mercedes S-Klasse 500.

Der Sprecher dementierte jedoch den Bericht der "Stuttgarter Zeitung" vom Freitag, wonach der als Autoliebhaber geltende Straub den Wagen bereits bestellt hatte.

In der eigenen Partei hatte Straub mit seiner Porsche-Idee für Schrecken gesorgt. Laut CDU-Fraktionschef Peter Hauk wäre in der momentan schwierigen Haushaltssituation und aufgrund der zahlreichen Sparauflagen der Kauf eines Porsches aus Sicht der Fraktion ein missverständliches Signal gewesen. Dennoch sei es aber sehr wichtig, dass Landesregierung, Landtag und Abgeordnete bei der Anschaffung ihrer Dienstfahrzeuge darauf achteten, diese von Herstellern aus dem Land zu beziehen. Damit würden Arbeitsplätze im Land gesichert und die heimische Wirtschaft unterstützt.

Die anderen Parteien im baden-württembergischen Landtag griffen bei dem Aufregerthema beherzt zu. Straubs Ansinnen mache ihn "sprachlos", sagte Grünen-Fraktionschef Winfried Kretschmann. Es sei eine "Schnapsidee" und zeige Straubs mangelndes Gespür für Repräsentation. "Der Landtag ist kein Rennsportverein", sagte er. Es solle klar sein, dass ein Dienstwagen ein Zweckgerät sei, in dem man arbeiten müsse.

Nach Ansicht von SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel war es nur dem öffentlichen Druck zu verdanken, dass der Landtagspräsident nun "die Notbremse" gezogen habe. Schon Straubs Absicht zeige, dass dieser "vollkommen die Bodenhaftung verloren" habe. "Es ist nicht zu fassen, dass Straub sich für die letzten Monate seiner Amtszeit einen solchen Sportwagen anschaffen wollte, um seiner Lust am schnellen Fahren zu frönen", sagte Schmiedel. Noch schlimmer wiege dies in einer Finanzkrise und in Zeiten eines Sparpakets.

FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke hatte die Medienberichte "zunächst für einen Scherz und dann für eine Verleumdung" gehalten. Es müsse erst geprüft werden, ob wirklich etwas an diesem Vorhaben dran sei, sagte er. "Zunächst halte ich den Präsidenten weiterhin für einen seriösen Politiker", betonte Rülke.

ler/ddp/dpa



insgesamt 114 Beiträge
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Jettenbacher 25.06.2010
1. Unglaublich
Der Typ hat doch völlig die Bodenhaftung verloren, da hilft auch ein Porsche mit erstklassiger Straßenlage nicht weiter.
frubi 25.06.2010
2. .
Zitat von sysopDer baden-württembergische Landtagspräsident Straub hatte einen kurzen Traum von Glück: Nach einer Probefahrt mit einem Porsche Panamera er wollte sich das Auto als Dienstwagen zulegen. Nach vernichtenden Kritiken in der Öffentlichkeit lässt er es nun bleiben. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,702878,00.html
Das sind doch mitlerweile übliche Vorgänge. Ein Politiker prüft, wie weit er gehen kann und wenn das Medienecho zu groß sein sollte, wir die Idee wieder Fallen gelassen. Vorher mal darüber nachzudenken, wie unmoralisch diese Entscheidung ist, kommt denen gar nicht mehr in den Sinn.
jenzer 25.06.2010
3. Armes Deutschland...
So schizophren ist Deutschland... kurzsichtig und auch noch dumm dazu. Der Porsche wird vom Volk verpönt, weil "Porsche" draufsteht, und sonst gar nichts. Der Panamera kostet 76.000 Euro. Der Mercedes-Benz S500 kostet 97.000 Euro. Der Porsche hat 300PS. Der Mercedes-Benz S500 hat derer 388. Noch Fragen?
benuron 25.06.2010
4. S500 vs. Panamera
Verstehe den Aufreger nicht: Den Panamera gibts für schlappe € 10k weniger als die S-Klasse, er wiegt weniger und hat ebenso viele Sitzplätze. Warum darf der Mann keinen günstigeren Dienstwagen fahren, nur weil kein Stern vorne dran pappt?
FoxhoundBM 25.06.2010
5. Ja und? Was ist so schlimm daran?
Ein S 500 als Dienstwagen ist auch nicht besser. Da wäre der Panamera sogar die bessere Wahl, weil er leichter ist. Stellt's euch net an wie die ersten Menschen ... Normalerweise müsste ich in diesen Zeiten bei meinem 1000-Euro-Netto-Einkommen auch auf meinen Grand Cherokee verzichten. Mach ich aber nicht ...
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