Porträt Die sanfte Härte der Marianne Birthler


Berlin - Die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, ist eine Frau mit sanfter Hartnäckigkeit. Obwohl das Berliner Verwaltungsgericht die Herausgabe von Stasi-Abhörprotokollen über Altkanzler Helmut Kohl verboten hatte und Innenminister Otto Schily (SPD) daraus einen generellen Verschluss von Prominenten-Akten ableiten will, gibt sich Birthler entschlossen: Die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit und ihres Spitzelministeriums darf nicht eingeschränkt werden. Elf Jahre nach der Wende ist ein Drittel der Akten des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit noch nicht erschlossen.

"Wir brauchen zur Erforschung der Stasi-Strukturen weiter den Zugang zu den Akten", bekräftigt die 53-Jährige, die das Amt von Joachim Gauck erst im Oktober des Vorjahres übernommen hatte. Schon als Grünen-Politikerin war Birthler ihrem unbequemen Credo gefolgt: "Es darf nichts unter den Teppich gekehrt werden." Jetzt ist sie aber nach monatelangem Streit mit Schily in den Urlaub abgetaucht.

Birthler wurde schon in der DDR-Opposition politisch aktiv. Mitte der achtziger Jahre hatte sie als Mitarbeiterin der evangelischen Kirche in Ost-Berlin Kontakte zur Opposition. 1988 kam sie zur "Initiative Frieden und Menschenrechte".

Im vereinten Deutschland engagierte sich die gebürtige Berlinerin bei den Grünen. Von 1993 bis Ende 1994 war sie Vorstandssprecherin der Partei. Zuvor war sie in der ersten brandenburgischen Landesregierung Ministerin für Bildung. Mit ihrer Ader für Realpolitik und ihrer Fähigkeit zum Ausgleich trug sie zum Erfolg der Ampelkoalition bei. Für bundesweites Aufsehen sorgte sie 1992, als sie aus Protest gegen die früheren Stasi-Kontakte von Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) zurücktrat. Dem habe sie auch heute nichts hinzuzufügen, sagt sie.



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