Porträt Karl-Heinz Kunckel (SPD): Unerschütterlicher Optimist

Von Nicole Adolph


Anwärter auf den Thron von "König Kurt" haben es in Sachsen nicht leicht. Diese Erfahrung hat der SPD-Spitzenkandidat Karl-Heinz Kunckel schon vor fünf Jahren machen müssen. Damals, bei seiner ersten Kandidatur zur Landtagswahl, erzielte seine Partei im einstigen Stammland der Sozialdemokratie mit 16,6 Prozent der Stimmen eines ihrer schlechtesten Ergebnisse. Kunckels Stuhl wackelte, gestürzt wurde er aber nicht.

Kunckel

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Jetzt versucht es der 55-Jährige zum zweiten Mal gegen den übermächtig scheinenden CDU-Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf. Doch die Vorzeichen stehen schlecht: In den Umfragen liegt die SPD mit einem Stimmenanteil von etwa 17 Prozent sogar noch hinter der PDS (20 Prozent).

Kunckel ist ein erklärter Gegner einer Zusammenarbeit zwischen SPD und PDS: "Die Einheit der Linken ist ein Mythos, solange Unvereinbares zusammengefasst werden soll." In Sachsen sei die Neigung zu "ostalgischen" Gefühlen weniger ausgeprägt als im übrigen Osten, weil Sachsen von der SED in der Industriepolitk gegenüber anderen Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern stets benachteiligt worden sei, lautet Kunckels These.

Lange und hart hat Kunckel für seinen strikten Abgrenzungskurs in Sachsen gestritten und sich schließlich durchgesetzt. Bei seiner Wahl zum Spitzenkandidaten im Februar 1999 erhielt er vor dem Hintergrund dieser Auseinandersetzung mit einem überraschend schlechten Ergebnis von 73,1 Prozent die Quittung. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Diskussion je nach Wahlausgang am 19. September erneut ausbricht.

Mitte August, als der Wahlkampf schon begonnen hatte, musste Kunckel sich erneut öffentlich gegen Kritik aus den eigenen Reihen verteidigen. Angeblich hätten führende Sozialdemokraten die Wahl bereits abgeschrieben, hieß es. Es ging das Gerücht um, dass der ambitionierte Leipziger Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee Kunckel im Falle einer Wahlniederlage beerben sollte.

Kunckel setzt sich gegen derlei Spekulationen vehement zur Wehr. "Nach der Wahl beginnt nicht die Zeit nach Kunckel", bekräftigte er immer wieder. Er sei es gewohnt, von Teilen der eigenen Partei in Frage gestellt zu werden, gab der Spitzenkandidat sechs Wochen vor der Wahl zu.

Der Karrierestart Kunckels ist weniger beschwerlich verlaufen. Der habilitierte Ingenieur stieg - wie auch andere ostdeutsche SPD-Politiker - nach der Wende ohne die sonst übliche Ochsentour auf. 1990 hängte er seinen Job als Dozent für Meßtechnik an der Technischen Universität Dresden an den Nagel und kam in den Landtag. Dort wurde er gleich Fraktionsvorsitzender.

Kunckel ist der eher zurückhaltende und korrekte Typ ohne ausgeprägte Angriffslust. "In erster Linie bin ich Mensch." Als Techniker mit dem Spezialgebiet "Messtechnik in der Elektroenergieverteilung" will er sich den Sinn fürs Praktische erhalten.

Sein stärkster Trumpf ist jedoch sein unerschütterlicher Optimismus. Trotz der ausbleibenden Wahlerfolge "sitze ich nicht hinter meinem Schreibtisch und blase Trübsal", versichert Kunckel. Die schlechten SPD-Ergebnisse hält er für eine Übergangserscheinung. Die kann aber immerhin dafür sorgen, dass "König Kurt" in Sachsen eine weitere Legislaturperiode lang regieren darf.



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