Postenpoker Stoiber will Superminister werden

CSU-Chef Edmund Stoiber hat in einem Zeitungsinterview offen Interesse an einem erweiterten Wirtschaftsministerium bekundet. Während der CSU-Chef die laufenden Gespräche mit der SPD als "erstaunlich gut" lobte, kritisierte er rückblickend die Wahlkampfstrategie der Union.


München - In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe) sagte Stoiber auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, ein Ministerium für Wirtschaft und Infrastruktur zu übernehmen: "Wirtschaft, Technologie und Infrastruktur sind genau die Felder, um die ich mich in meiner Arbeit als Ministerpräsident sehr intensiv und erfolgreich gekümmert habe." Die Fragen seien jedoch alle noch nicht entschieden, über die Vergabe von Ämtern werde in Verhandlungen gesprochen.

CSU-Chef Stoiber: "Das Gute in Deutschland betonen"
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CSU-Chef Stoiber: "Das Gute in Deutschland betonen"

Die bisherigen Gespräche mit der SPD über die Bildung einer Großen Koalition lobte Stoiber als "erstaunlich gut". Man sei sich weitgehend einig, was in Deutschland verändert werden müsse. Dazu zählten die Sanierung des Bundeshaushalts, die Reform der sozialen Sicherungssysteme und die Arbeitsmarktpolitik.

Als erster Schritt sollte nach seiner Auffassung die Föderalismusreform verabschiedet werden, "um zu dokumentieren, dass die neue Regierung etwas zustande bringt und handlungsfähig ist". Dies könne den Deutschen nicht nur das Vertrauen in die Politik zurückgeben, "sondern auch das Vertrauen in sich selbst". Stoiber nannte eine Große Koalition "eine Chance, das Gute in Deutschland zu betonen". Ein derartiges Bündnis könne "die Stimmung verändern". "Die Große Koalition kann mehr leisten, als viele ihr zutrauen", sagte Stoiber der Zeitung.

Zur Wahlkampfstrategie der Union äußerte sich der CSU-Chef rückblickend kritisch. Die Union habe sehr stark auf eine schwarz-gelbe Koalition gesetzt, sagte er. "Damit haben wir sicherlich auch ein Stück dazu beigetragen, dass die Hemmschwelle bei manchen unserer Anhänger, FDP zu wählen, zurückgegangen ist."

Stoiber verteidigte jedoch Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel gegen Vorwürfe, sie sei hauptschuldig am schlechten Wahlergebnis der Union. "Das ist doch Unsinn", so Stoiber. CDU und CSU hätten den Wahlkampf gemeinsam gemacht und die Programmatik gemeinsam erstellt.

Stoiber verwahrte sich auch gegen Spekulationen, er könne als Kanzler zur Verfügung stehen, falls die Gespräche mit den Sozialdemokraten ins Stocken gerieten, weil diese eine Kanzlerschaft Merkels ablehnen. "Diese Frage stellt sich nicht", betonte Stoiber. Das Führungsthema sei völlig geklärt. "Frau Merkel hat das Zeug, eine Große Koalition zu führen." Allerdings müssten SPD und Union insgesamt ein gutes Personalangebot präsentieren.



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