Potsdam Generalbundesanwalt übernimmt Ermittlungen nach rassistischem Überfall

Generalbundesanwalt Kay Nehm hat die Ermittlungen im Fall des Neonazi-Überfalls auf einen Deutschafrikaner in Potsdam an sich gezogen. Das Opfer des brutalen Mordversuchs ringt weiter mit dem Tod.


Karlsruhe - Die Tat sei "geeignet, die innere Sicherheit der Bundesrepublik zu beeinträchtigen", sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft heute in Karlsruhe. Die Tat habe zudem eine "besondere Bedeutung". Nehm habe das Polizeipräsidium Potsdam beauftragt, die weiteren Ermittlungen in seinem Namen zu übernehmen. Inzwischen hat die  Staatsanwaltschaft 5000 Euro für Hinweise zur Ergreifung der Täter ausgesetzt.

Vergissmeinnicht nahe  dem Tatort in Potsdam: 37-jähriges Opfer schwebt weiter in Lebensgefahr
DPA

Vergissmeinnicht nahe  dem Tatort in Potsdam: 37-jähriges Opfer schwebt weiter in Lebensgefahr

Der bei dem Angriff am Ostersonntag in Potsdam schwer verletzte Mann liegt weiter im künstlichen Koma. Die schwere Schädel-Hirn-Verletzung habe eine Operation erforderlich gemacht, teilte das Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam mit. Der medizinische Zustand sei jetzt zwar stabil, aber weiterhin lebensbedrohlich. Aussagen über mögliche Folgen der Verletzungen ließen sich erst nach Beendigung des künstlichen Komas treffen.

Der 37-jährige Familienvater äthiopischer Herkunft mit deutschem Pass war von zwei vermutlich rechtsextremen Tätern angegriffen worden. Er erlitt durch stumpfe Gewalteinwirkung ein schweres Schädel-Hirn-Trauma sowie Verletzungen am Brustbein und den Rippen.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hat mit "Bedauern und Bestürzung" auf den Angriff reagiert. Die Landesregierung unternehme alles, um solche Taten zu verhindern. Es müsse mit aller Konsequenz nach den Tätern gesucht werden, forderte Platzeck.

Die Polizei sucht mit Hochdruck nach den Tätern. Bisher gebe es aber nur drei vage Spuren, sagte ein Polizeisprecher. Hoffnungen setzen die Ermittler vor allem auf die Stimmen der vermutlich zwei Schläger. Sie waren von einer Handy-Mailbox aufgezeichnet worden, weil der Überfallene gerade seine Ehefrau anrufen wollte. Das Brandenburger Landeskriminalamt werde die Stimmen von Nebengeräuschen isolieren und im Internet veröffentlichen, kündigte Polizeisprecher Rudi Sonntag an. Auf der Mailbox war zu hören, wie die Täter ihr Opfer als "Nigger" und "blödes Schwein" beschimpft hatten.

Die Schläger sollen auch 200 Euro und einen Schlüsselbund gestohlen haben. Sie waren vom Tatort, einer Straßenbahn-Haltestelle in der Innenstadt, geflüchtet, als ein Taxifahrer dem Überfallenen zur Hilfe kam.

lan/AFP/dpa



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