PR-Aktion Tag der verschlossenen Tür beim BND

Der Bundesnachrichtendienst hat zum Tag der offenen Tür in die neue Berliner Zentrale geladen - zum ersten und letzten Mal. Doch in die Gebäude schauen durfte niemand.

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Die Reihe der Verbote ist lang: Besucher dürfen nicht fotografieren, es dürfen keine großen Taschen mitgeführt werden, keine Flüssigkeiten in Glasflaschen, keine Waffen... Trotzdem ist die Schlange der Neugierigen am Neubau des Bundesnachrichtendiensts lang. Grund dafür gibt es genug.

Der neu entstandene Gebäudekoloss an der Chausseestraße mitten in Berlin gilt als geheimster Neubau der Republik. Wer will da nicht mal hinter den hohen Sicherheitszaun mit den vielen Kameras schauen? Das war nur an diesem Wochenende möglich, denn der BND beteiligte sich "erst- und einmalig" am Tag der offenen Tür der Bundesregierung.

"Wenn hier erst mal die Arbeit läuft, dann werden wir uns nicht so genau in die Karten gucken lassen können", sagt der neue BND-Präsident Bruno Kahl, der sich am Sonntag unter die Besucher mischt und an einem Rundgang teilnimmt.

"Das war ja zu erwarten"

Allerdings: Wirklich in die Karten gucken lässt sich der BND auch an diesem Wochenende nicht. Die Besucher kommen nur auf das Gelände, nicht aber in den Gebäudekomplex, in dem später die Spione arbeiten werden. Sie werden auf einer Feuerwehrstraße um die Gebäude herumgeführt.

Es gibt 14.000 Fenster und 12.000 Türen in dem riesigen Gebäudekomplex, berichtet ein BND-Mitarbeiter gleich zu Beginn des Rundgangs. Prompt kommt die Frage: "Und wie viele Wasserhähne"? Der Mann nimmt es mit Humor. "Das war ja zu erwarten", quittiert er gelassen das Gelächter der Besuchergruppe.

Die Antwort bleibt geheim. Bis heute war nicht zu ermitteln, warum die neue Zentrale der deutschen Auslandsspione in einer März-Nacht im Jahr 2015 voll Wasser lief. Ob die Wasserhähne tatsächlich gestohlen wurden oder ob sie gar nicht angebracht waren - es dürfte für immer ein Geheimnis bleiben.

An verschiedenen Punkten des Rundgangs informieren Mitarbeiter über die Aufgaben des BND. In einem Innenhof gibt es Info-Stände zu dessen Arbeit. Besucher dürfen sich geschredderte BND-Akten als Souvenir mitnehmen, die zu kleinen Zylindern aus Papier gepresst sind.

BND-Präsident Bruno Kahl vor neuer Zentrale
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BND-Präsident Bruno Kahl vor neuer Zentrale

Die Stimmung der Besucher ist locker, ein bisschen bewundernd, ein bisschen skeptisch. Dass die Aluminiumverkleidung der Fassade nur der Schönheit dienen soll, glauben die wenigsten. "Das soll bestimmt wat abschirm'", meint ein 56-jähriger Besucher. Seinen Namen will er lieber nicht veröffentlicht wissen, aber er war früher bei der Armee, sagt er. Offiziell heißt es, die Verkleidung diene dem Blitzschutz.

Einen Blick in eine geheime Tüftlerwerkstatt mit atemberaubenden Spionagetricks wie in einem James-Bond-Film gibt es nicht. Viele bedauern, dass das Betreten des 280 Meter langen, 180 Meter tiefen und 30 Meter hohen, etwas abgesenkten Gebäudes nicht erlaubt ist. Das liegt daran, dass dort derzeit sensible Sicherheitstechnik eingebaut wird.

Über die Enttäuschung können bei manchen auch Ausstellungsstücke aus der Arbeit der Auslandsspione nicht hinwegtrösten. Der Neubau ist der Star. Enttarnte Sprengsätze und eine Sprengstoffweste aus Afghanistan bleiben eher links liegen.

Mit "nachrichtendienstlichen Mitteln" beschafft

Das gilt auch für den geheimen Stolz des BND, einen unscheinbaren aluminiumfarbenen Zylinder. Das Ausstellungsstück darf auf keinen Fall fotografiert werden, die Sicherheitsleute passen besonders auf. Es ist eine Gasultrazentrifuge - "mit nachrichtendienstlichen Mitteln" beschafft, wie es heißt. Die genaue Herkunft bleibt im Dunkeln, nur so viel wird klar: Es ist ein Original, das zur Anreicherung von Uran und damit zum Bau von Atombomben benutzt werden kann.

Viel von der allgemeinen Skepsis der Bundesbürger gegenüber dem BND ist beim Tag der offenen Tür nicht zu spüren. Zwei Drittel sollen nach einer kürzlich veröffentlichten Umfrage wenig bis gar kein Vertrauen in den Geheimdienst haben.

Dass die neue Zentrale für 4000 Mitarbeiter viel teurer wird und schon vor vier Jahren fertig sein sollte, wird beim Tag der offenen Tür von vielen auch eher locker gesehen. "Das ist man in Berlin ja gewöhnt", meint ein Besucher.

Wenn ein kleines Wunder geschieht, könnte die wohl bekannteste Pannenbaustelle der Hauptstadt, der neue Hauptstadtflughafen, wie der BND-Bau im Jahr 2017 fertig sein. Baubeginn für beide war 2006.

hda/dpa

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