Präsident Jan Pronk im Interview "Am späten Sonntagabend müssen wir im Ziel sein"

Es gibt Bewegung, aber noch nicht genug, urteilt der Präsident der Uno-Klimaschutzkonferenz im Gespräch mit SPIEGEL-ONLINE. Sonntagabend möchte er am Ziel sein.


Ergänzende Gespräche in Genua seien "always useful" - der Präsident der UNO-Klimaschutzkonferenz, Jan Pronk
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Ergänzende Gespräche in Genua seien "always useful" - der Präsident der UNO-Klimaschutzkonferenz, Jan Pronk

Bonn - In langen Fragekatalogen arbeiten die 178 Umweltminister der Welt Punkt für Punkt ihre Differenzen über das Kyoto-Protokoll zur Verminderung der Treibhausgase ab. Donnerstag wurde bis nach Mitternacht konferiert, um sich über die Prozedur zu verständigen. Am Freitag dauerte es bis über Mitternacht hinaus, um über erste Inhalte zu diskutieren, am Samstag wird erneut ab 22 Uhr im Plenum getagt. Zuvor finden den ganzen Tag über Gruppenkonferenzen statt.

"Den Kompromiss, bitte ich Sie, nicht in jedem Einzelpunkt suchen, sondern in der Gesamtheit des Pakets", forderte der Präsident der Klimaschutzkonferenz, der niederländische Umweltminister Jan Pronk, seine Ministerkollegen in der Nacht zum Samstag auf. Bundesumweltminister Trittin kündigte am Vormittag an, dass er dementsprechend verfahren werde. Mit seinem um alle neuen Kompromisspunkte ergänzten "Pronk-Papier", das ab Samstag Nachmittag ausgeteilt werden soll, hofft Jan Pronk nach wie vor auf eine Lösung bis zum späten Sonntagabend - auch mit Unterstützung vom G-8-Gipfel in Genua.

SPIEGEL ONLINE: Herr Pronk, sind Sie auf die Rückendeckung aus Genua angewisen?

Jan Pronk: Genua ist "always useful", also mit Sicherheit nützlich. Das diese Konferenzen zeitgleich stattfinden ist kein Hindernis, sondern eine Hilfe.

SPIEGEL ONLINE: Von dort kommt das Signal. Aber wo fehlt Ihnen noch Bewegung?

Jan Pronk: Zu meiner Überraschung gibt es Bewegung in der Frage der Senken. Damit hatten wir im letzten Jahr das größte Problem. Seitdem haben wir hart daran gearbeitet und das zahlt sich aus. Schwieriger sind die unterschiedlichen Ansprüche, die die Finanzen betreffen, auf einen Nenner zu bekommen. Und die Mechanismen, das Kyoto-Protokoll umzusetzen, sind umstritten. Politisch sehr kompliziert ist die Frage der Überprüfbarkeit und Durchsetzungsfähigkeit - wie machen wir das Protokoll bindend?

SPIEGEL ONLINE: Kanada hat sich schon ein wenig bewegt, Japan fällt das offensichtlich noch schwerer. Wer bremst noch?

Jan Pronk: Es gibt bereits viele Bewegungen einzelner Länder, manchmal auch nur kleine Schritte. Aber kein Land bewegt sich über das Maß hinaus. Es gib auch den Rückzug von Positionen, aber stets nur, wenn das an anderer Stelle mit Zugeständnissen kompensiert werden kann. In der Summe reichen diese Bewegungen aber nicht aus. Wir brauchen mehr.

SPIEGEL ONLINE:Sie verglichen am Donnerstag Abend die Konferenz mit einem 100-Meter Hürdenlauf mit erst zwei genommenen Hürden. Und heute?

Jan Pronk. Zwei sind es sicherlich wieder. Allein der Fakt, wie wir in den Gruppen und dann im Plenum zusammenkommen konnten und dass wir bereits am Freitag in zwei Themenbereichen erhebliche Fortschritte gemacht haben, ist schon eine ganze überwundene Hürde mehr.

SPIEGEL ONLINE:Ist am Sonntag tatsächlich Schluss?

Jan Pronk: Bis zum späten Sonntagabend müssen wir im Ziel sein und den verbindlichen Text übersetzen. Die meisten Minister müssen dann weg. Und ohne Politiker macht ein politischer Zirkel keinen Sinn mehr.

Das Interview führte Holger Kulick

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