Präsidentenwahlkampf Schwan greift Köhlers Amtsführung an

"Monster passen nicht zur Aufklärung": Im Gespräch mit dem SPIEGEL hat Gesine Schwan Bundespräsident Köhlers drastische Vergleiche und seine Einmischung in die Politik angeprangert. Finanzmärkte mit Monstern zu vergleichen, schüre Ängste, warnte die SPD-Kandidatin für das höchste Amt im Staat.


Hamburg - Gesine Schwan, die erst unlängst vor sozialen Unruhen als Folge der Wirtschaftskrise gewarnt hatte, distanzierte sich von Bundespräsident Horst Köhlers drastischem Vergleich von Finanzmärkten als Monstern: "Vor Monstern habe ich Angst", so die Professorin. "Wenn ich Fachfrau für Finanzmärkte wäre, dann würde ich dieses Wissen nutzen, um die Menschen aufzuklären. Monster passen nicht zur Aufklärung," sagte sie dem SPIEGEL.

Schwan vs. Köhler: "Erosion der Demokratie"
Getty Images; DPA

Schwan vs. Köhler: "Erosion der Demokratie"

Die SPD-Kandidatin kritisierte Köhlers Amtsführung und verteidigte ihre Aussage, dass der Bundespräsident eine "Erosion der Demokratie in Kauf" nehme. "In dem Kontext, in dem das besagte Zitat fiel, halte ich es nach wie vor für richtig", sagte die 65-Jährige. Es gehöre nicht zu den Aufgaben eines Präsidenten, in die konkrete Politik einzugreifen, betonte Schwan.

Auch sei es nicht seine Aufgabe, "allgemeine Vorbehalte der Bevölkerung gegen die Politik zu verstärken, weil das der Demokratie nicht gut tut". Auf die Frage, ob Präsident Köhler dies mache, antwortete die SPD-Kandidatin: "Wenn ich jetzt sage, nein, überhaupt nicht, dann ist das ja sehr merkwürdig."

Schwan kündigte an, sie würde als Präsidentin "jene 30, 40 Manager, die im Finanzbereich zuständig waren oder wichtig waren", ins Schloss Bellevue einladen, um mit ihnen über ihre Verantwortung und ihre Kompetenzen zu reden. "Bankern wie Herrn Ackermann kommt es ja nicht nur darauf an, mit welchen Argumenten man ihm kommt, sondern auch darauf, wer mit ihm spricht", sagte Schwan. "Ich glaube schon, dass ich ihn nachdenklicher stimmen könnte."

Zugleich kritisierte sie das Programm der Linken. Es "blendet die Globalisierung aus, es sagt nicht, wie wir den Kapitalismus globalpolitisch gestalten können". Es sei nach wie vor "völlig unzureichend" und biete "überhaupt keine Antworten auf die Fragen der Gegenwart".

Schwan zeigt sich zuversichtlich, am 23. Mai ins Schloss Bellevue gewählt zu werden. "Ich glaube definitiv, dass ich für viele etwas biete", erklärte Schwan im Gespräch mit dem SPIEGEL. Selbst Konservative äußerten sich positiv über ihre Arbeit, häufig höre sie: "Ich bin zwar von der anderen Couleur, aber Sie haben mich sehr beeindruckt." Deshalb hofft Schwan, auch Wahlleute aus dem bürgerlichen Lager für sich gewinnen zu können.

ala



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