Presseschelte Mohnhaupt geht gegen Bezeichnung als "Mörderin" vor

"Schlimmste Terroristin" und "Mörderin" hatte die "Bild"-Zeitung über Brigitte Mohnhaupt getitelt. Nun weht sich die ehemalige RAF-Terroristin juristisch gegen das Blatt.


Hamburg - Brigitte Mohnhaupt war am Sonntag nach mehr als 24 Jahren Haft frei gekommen. Ihr Hamburger Anwalt Helmuth Jipp sagte nun, er habe die "Bild"-Zeitung wegen der Bezeichnung Mohnhaupts als "schlimmste Terroristin" und als "Mörderin" abgemahnt.

Mohnhaupt gilt als Rädelsführerin der Entführung und Ermordung des Arbeitgeber-Präsidenten Hanns-Martin Schleyer im Herbst 1977. Zudem war sie beteiligt an den Attentaten auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback und an der missglückten Entführung des Bankiers Jürgen Ponto.

Die "Bild"-Zeitung erklärte, sie halte "das Ansinnen von Frau Mohnhaupt für absurd". "Eine neunfache Mörderin bleibt eine neunfache Mörderin. Solche sprachlichen Selbstverständlichkeiten zu verbieten, wäre ein Missbrauch des Persönlichkeitsrechts zu Lasten umgangssprachlicher wie historischer Wahrheit, aber auch eine Verletzung der Meinungsfreiheit." Die Opfer würden schließlich auch nicht zu Ex-Opfern.

Mohnhaupts Anwalt begründete sein Vorgehen damit, dass seine Mandantin nach ihrer Freilassung ihre Resozialisierung beginne. Als nächsten juristischen Schritt erwägt er mit seiner Mandantin den Antrag einer Einstweiligen Verfügung gegen das Blatt.

Auch andere Ex-RAF-Mitglieder gehen juristisch gegen Medien vor. Beim Berliner Landgericht sind inzwischen 13 Anträge der Ex-Terroristin Eva Haule auf Einstweilige Verfügungen eingegangen.

Sie hatte bereits Verfügungen gegen die Berichterstattung über einen Freigang in Berlin sowie gegen Verwendung eines Fahndungsfotos aus dem Jahr 1985 im Zusammenhang mit Berichten über ihre bevorstehende Entlassung erwirkt. Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main entscheidet voraussichtlich Mitte des Jahres über eine vorzeitige Haftentlassung. Haule war 1986 festgenommen und wegen dreifachen Mordes und 23-fachen versuchten Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

asc/dpa



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