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Pressestimmen "Schäbiger Schröder"

Wut über die Deutschen in den britischen Blättern, Zorn gegen Bush in Frankreichs Presse: Der Showdown in der Nato ist das beherrschende Thema in den Kommentaren der internationalen Zeitungen.

"New York Times" (USA):

"Die Nato befindet sich in der vielleicht größten Krise seit einer Generation - ein unnötiger Streit darüber, ob die Verteidigung der Türkei im Vorfeld eines Irak-Krieges gestärkt werden sollte. Es ist klar, dass die Türkei bekommen sollte, was sie braucht. Aber dies ist zu einer belasteten Debatte geworden, weil sie für einen anderen, grundsätzlicheren Streit steht, und zwar ob von unseren Verbündeten erwartet werden sollte, dass sie sich einfach der amerikanischen Politik anschließen. (...)

Die Franzosen, die die Rebellion anführen, zeigen ein geringes Urteilsvermögen. Aber die Schuld liegt genauso bei der Bush-Regierung und ihrem destruktiven Ansatz nach dem Motto "Entweder mit uns oder gegen uns", das törichter Weise auf einige unserer wichtigsten Verbündeten angewendet wird."

"The Sun" (Großbritannien): "Die Schlangen Frankreich, Deutschland und Belgien spielen ein verräterisches Spiel. Indem sie einen Keil zwischen Europa und Amerika treiben, bringen sie Tony Blair in die schwierigste Situation seiner fast sechs Amtsjahre als Premierminister. Er sieht sich selbst als Brücke über den Atlantik. Aber seine so genannten Freunde in Europa zerstören die Grundlagen dafür. Jacques Chirac, Gerhard Schröder und der Grashüpfer Belgien bringen die Zukunft der Nato und der EU in Gefahr. Was für ein schäbiger Haufen sie doch sind."

"Daily Mail" (Großbritannien): "Wir haben selbst darauf hingewiesen, dass die Öffentlichkeit noch immer keine überzeugenden Beweise dafür gesehen hat, warum Saddam durch eine Militäraktion gestürzt werden soll. Aber das mindert nicht unsere tiefste Verachtung für das schändliche Verhalten und die empörende Undankbarkeit unserer so genannten Nato-Verbündeten Frankreich und Deutschland.

Millionen gewöhnlicher französischer Männer und Frauen haben die amerikanischen Truppen als Befreier vom Nationalsozialismus begrüßt. Es war Amerika, das Deutschland wiederbelebt und es dann vor der aggressiven sowjetischen Kriegsmaschine beschützt hat. Es ist das gute Recht von Chirac und Schröder, Argumente gegen den Krieg vorzubringen. Aber sie haben nicht das Recht, die Nato zu zerstören und Washington ins Gesicht zu spucken, das ihre Länder ein halbes Jahrhundert lang beschützt hat. So verhalten sich eher politische Pygmäen als Staatsmänner."

"La Croix" (Frankreich): "Seit geraumer Zeit haben die Beschimpfungen zwischen dem Amerika des (US-Präsidenten) George W. Bush und dem Frankreich von (Präsident) Jacques Chirac derart zugenommen, dass man sich fragt, ob statt Saddam Hussein nicht Jacques Chirac in der Sicht des Weißen Hauses die Hauptbedrohung für den Weltfrieden ist. Bis zur Stunde deutet allerdings nichts darauf hin, dass aus der Sicht von Paris im Fall einer Einigung im Uno-Sicherheitsrat die "Scheidung" länger andauert. Frankreich versucht ebenso wie Deutschland, Russland und China der Welt und besonders dem Nahen Osten die entsetzlichen Auswirkungen eines überstürzten Krieges zu ersparen. Die amerikanisch-britische Propaganda kann tun was sie will, diese grundlegende Weisheit kann sie kaum als "Schande" präsentieren."

"Le Figaro" (Frankreich): "Die geforderte Nato-Militärhilfe für die Türkei ist ein offensichtlicher Befehl an die Alliierten, um ihnen die Entscheidungen nach den Kriegsplänen des Pentagon aufzuzwingen. Washington und London müssen sich der Dürftigkeit ihrer Argumente bewusst sein, um sich so ungeschickt anzustellen. Klar, dass da Herr Rumsfeld ungeduldig wird, wenn die Europäer sich nicht wie Vasallen verhalten. Allerdings sollten die USA darauf achten, dass die Diskussion der Alliierten untereinander nicht zur Posse ausartet."

"Libération" (Frankreich): "Sicherlich wäre das französische Nein überzeugender, wenn es von einer wirklichen Strategie zur Entwaffnung des Tyrannen von Bagdad begleitet würde. Die USA werden diesen Krieg gewinnen, den sie beschlossen haben. Sie werden die Länder mit sich ziehen, die ihnen verpflichtet sind. Sie haben jedoch nicht überzeugt, dass der Irak eine so große Bedrohung darstellt, dass ein Krieg gerechtfertigt ist. Sie haben auch kein klares Bild für die Zeit nach der Einnahme von Bagdad entwickelt, und es gibt auch keine Überlegungen über die Auswirkungen, die dieser Konflikt auf die Lage im Nahen Osten und in der Welt haben wird. Dieser Krieg wird stattfinden, das gibt ihm jedoch keine Legitimität, und der Sieg droht bitter zu werden."

"Der Standard" (Österreich): "Die Frage, die zum Streit in der Nato geführt hat, berührt indes die Logik oder Unlogik eines Irak-Krieges ganz direkt: Besteht die unmittelbare Gefahr, dass der Irak die Türkei angreift? Ja, sie besteht: der klassische Bündnisfall. Man kann die Sache aber auch anders aufziehen: Ja, sie besteht, aber nur, wenn die USA - nicht als Nato-Land, sondern als USA - den Irak mit Einwilligung der Türkei - nicht als Nato-Land, sondern als Türkei - von türkischem Territorium aus angreifen."

"Salzburger Nachrichten" (Österreich): "Gegen Amerikas Dominanz, aber auch gegen Amerikas weltpolitische Ambitionen sammelt sich Opposition in Europa. Frankreich führt wie eh und je die US-kritischen Bataillone an; Deutschland marschiert mit, statt wie einst zwischen "Gaullisten" und "Atlantikern" zu vermitteln. Aber die Vorstellung, Europa als "Gegengewicht" zu Amerika zu definieren, ist weder in einer erweiterten EU noch in einer erweiterten Nato mehrheitsfähig. Ein auf "Abnabelung" gerichteter Kurs der Europäer spaltet den Kontinent und stärkt die "Falken" auf der anderen Seite des Atlantiks."

"Tages-Anzeiger" (Schweiz): "Die USA haben die Nato in eine tiefe Krise gestürzt, von der sich die "alte" Allianz nur schwer erholen wird. Und die Schuldigen stehen eindeutig fest: Es sind nicht die drei Veto-Staaten Frankreich, Deutschland und Belgien. Es ist US-Präsident George W. Bush mit seiner Kriegstreiberei. Dabei geht es um eine fast schon absurde Auseinandersetzung: Ankara bittet die Nato-Partner um Schutz, weil es sich bedroht fühlt. Wodurch? Durch einen möglichen Angriff der USA auf den Irak. Denn dieser könnte zu Vergeltungsschlägen gegen die Türkei ausholen. Fazit: Die Türkei ist durch die Nato-Führungsmacht USA in eine bedrohliche Lage manövriert worden und ruft nun die Allianzpartner zu Hilfe. Die Schlange beißt sich in den Schwanz.(...)

Was wir derzeit in der Nato erleben, ist allerdings erst ein Vorgeschmack dessen, was uns in der Uno erwartet. Auch dort werden die USA zuerst unerbittlich versuchen, die Partner zu einem Ja zum Irak-Krieg zu drängen. Am Ende aber werden sie erneut nicht davor zurückschrecken, auch diese zentrale Weltinstitution zu Gunsten ihrer eigenen Interessen zu beschädigen."

"La Repubblica" (Italien): "Die Nato ist durch das deutsch-französische Veto gespalten, das erstmals seit 50 Jahren eine konkrete Anfrage der USA blockiert und die Allianz damit in eine wahrscheinlich unwiderrufliche "Glaubwürdigkeitskrise" stürzt. (...) Noch bevor es zu irgendeiner Entscheidung über das weitere Vorgehen kommt, verändert die Irakkrise bereits radikal die bisherige Ordnung der internationalen Politik.

Der Atlantik ist größer geworden. Europa ist gespalten. Die Nato durchlebt die schwierigste Zeit seit ihrem Bestehen: Eine Abrechnung, die zum Zeichen ihres endgültigen Untergangs werden könnte."

"Information" (Dänemark): "Ein sicheres Signal für einen bevorstehenden Krieg besteht normalerweise in der Verkümmerung der Sprache zu gegenseitiger Beschimpfung. Dialoge werden kurzgeschlossen und durch Zornesausbrüche ersetzt. Nun befinden sich die USA wohl nicht auf dem Weg zu Krieg gegen Frankreich und Deutschland oder umgekehrt. Aber der Ton zwischen den Partnern in den letzten Tagen deutet darauf hin, dass alle einander den Rücken zuwenden und die Welt sich deshalb auf einen amerikanisch-britischen Krieg gegen den Irak von Saddam Hussein ohne Mandat des Uno-Sicherheitsrates und damit das schlimmste aller Szenarien zubewegt. (...)

Die USA haben den Einsatz erhöht und benutzen den Nato- Zusammenhalt als Herausforderung und Instrument, um Deutschland und Frankreich den Arm umzudrehen. (...) Auf dem Spiel steht nicht nur eine unbekannte Anzahl Menschenleben im Irak, wenn ein Krieg begonnen wird. Auf dem Spiel steht auch eine Weltordnung."

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