Jakob Augstein

S.P.O.N. - Im Zweifel links Majestät, Sie nerven!

Alle lieben die Queen. Warum eigentlich? Elizabeth II. ist eine liebenswürdige, aber sterbenslangweilige alte Dame, die an ihrem Thron klebt. Roll over, Mum! Prinz Charles soll endlich König werden!
Die Queen in Frankfurt: Die Monarchie ist ein Mysterium

Die Queen in Frankfurt: Die Monarchie ist ein Mysterium

Foto: AP/dpa

Im Film "The King's Speech" gibt es eine Szene, in der sich das Wesen der Monarchie enthüllt. Der spätere George VI. sagt zu seinem Bruder Edward VIII.: "David, ich habe versucht, dich zu erreichen." Edward: "Ich war furchtbar beschäftigt." George: "Womit denn?" Edward: "Kinging." Genial - und sehr schwer zu übersetzen. Kürzer lässt sich die Tätigkeitsbeschreibung des Staatsgastes, der zurzeit die deutsche Hauptstadt lahmlegt, nicht beschreiben: Kinging. Elizabeth II. aus dem Hause Windsor macht das schon sehr, sehr lange. Aber jetzt ist mal gut. Die Queen klebt am Thron. Sie sollte endlich abdanken und Platz für ihren Sohn Prinz Charles machen.

Die Monarchie ist ein Mysterium. Das bleibt, unwandelbar, über die Zeiten hinweg. Walter Bagehot, der Vater der ungeschriebenen englischen Verfassung, hat im vorvergangenen Jahrhundert festgestellt: "Man kann genauso gut einen Vater adoptieren wie man eine Monarchie herstellen kann." Nämlich gar nicht. Wir Äußeren stehen staunend daneben, wie jene ergriffenen Zuschauer, die am Brandenburger Tor zum Beispiel am Donnerstag gegen 10.15 Uhr den Bentley der Königin an sich vorbeirauschen sahen, im Fond eine freundlich lächelnde ältere Dame, winkend, mit weißem Handschuh. (In Deutschland, dem Land der Autobauer, wird anerkennend vermerkt: 6,75 Liter Hubraum, 825 Newtonmeter Drehmoment und ein spezieller Getriebemodus für Huldigungsfahrten mit "Processional Speed" von 14 Stundenkilometer.)

Königin der Zurückhaltung - und der Langeweile

Die Macht des Königtums entspringt allerdings durchaus nicht nur aus dem monarchischen Geheimnis. Es gibt ein paar eigenartige Vorrechte, über die Elizabeth II. verfügt. Jeder Stör, der in Großbritannien gefangen wird, gehört theoretisch ihr. Sie kann Männer in die Royal Navy pressen. Und außerdem hat sie das Recht, nach Salpeter zu schürfen.

Interessanter ist ihr politisches Potenzial: Die Königin kann die Sitzungen des Parlaments eröffnen oder beenden, wie sie es für richtig hält, sie kann zum Premierminister bestellen, wen sie will, und sie kann jedem Gesetz die Unterschrift - und damit die Rechtskraft - verweigern. Das letzte Mal hat 1708 Queen Anne auf diese Weise ein Gesetz gestoppt- aber jeder König kann das machen, wie er mag.

Elizabeth II. ist jedoch die Königin der Zurückhaltung - und der Langeweile. Sie heiratete 1947 ihren Mann, wurde 1953 gekrönt und seitdem winkt sie mit ihrem weißen Handschuh. Colin Talbot, Politikprofessor aus Manchester, sagte unlängst einer Zeitung: "Wir haben uns daran gewöhnt, dass Elizabeth II. nichts Kontroverses sagt. Aber der schweigende Monarch ist ein post-1945-Phänomen. Ihre Vorgänger waren viel eher bereit, ihre Meinung zu äußern."

Und ihr Nachfolger sicherlich auch. Wenn er es denn jemals werden darf, der arme Prinz Charles. Nie hat ein britischer Thronanwärter länger gewartet als er. Ist es Misstrauen gegen den eigenen Sohn oder Selbstsucht, die Elizabeth so lange am Sessel kleben lässt. Die Vermutung ist erlaubt: Die Queen will als längstdienende Königin in die Geschichte eingehen. Im September wäre es soweit. Dann hätte sie Queen Victoria überrundet.

Long live the King!

Tritt sie dann zurück? Kommt dann endlich Charles? Kein Zweifel: Der Mann ist ein bisschen exzentrisch - aber damit entspricht er doch geradezu den Erwartungen, die seine langweilige Mutter seit über 60 Jahren enttäuscht. Jeder weiß, dass Charles sich für Bionahrung interessiert und gegen moderne Architektur wettert. Vor Kurzem sind jedoch einige der Briefe veröffentlicht worden, die er immerzu an britische Ministerien verschickt. Da ging es um mehr: Nordirland, Erziehung, Gesundheit, Kultur, Umwelt, Verteidigung. Sehr lang, sehr ausführlich.

Dennoch, unter Aufgabe aller journalistischen Distanz erklärt sich der Autor als Fan dieses Prinzen Pechvogel. Was für eine Erleichterung damals, als er sich endlich von dieser essgestörten Diana getrennt hat! Welche Freude, dass Camilla, die Liebe seines Lebens, nach Interessen und Aussehen ihm offensichtlich wesensverwandt, so lange zu ihm hielt. Aber, neues Missgeschick, als er sie dann im Jahr 2005 endlich doch heiraten durfte, musste die Hochzeit um einen Tag verschoben werden, weil Papst Johannes Paul II. gestorben war.

Spätestens seit der Veröffentlichung jenes denkwürdigen Telefonats, das Charles und Camilla einmal miteinander führten, musste doch jeder aufrecht denkende und fühlende Mensch sich zu diesem Paar bekennen:

Er: "Wenn ich in deinem Höschen leben würde oder sonstwo, wäre alles viel einfacher." Sie: "Oh, stell dir vor, du würdest als Höschen wiedergeboren."Er: "Oder aber - Gott helfe mir - als Tampax." Sie: "Oh, was für eine herrliche Idee." Er: "Vonwegen. Ich würde ins Klo geworfen werden und eine Runde nach der anderen drehen im Klowasser und nie runtergespült werden."

Long live the King!

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.