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25. Februar 2011, 06:26 Uhr

Prinz von Preußen zu Plagiatsaffäre

"Entschuldigen kann man so etwas nicht"

Was "KT" noch durchlebt, hat er schon hinter sich: Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen, Ur-Enkel des letzten deutschen Kaisers, verlor 1973 wegen einer Plagiatsaffäre seinen Doktortitel. Im Interview erzählt er, wie peinlich ihm das bis heute ist - und was er vom Handeln des Ministers hält.

SPIEGEL ONLINE: Eure Hoheit, wie spricht man Sie eigentlich korrekt an?

Prinz von Preußen: Ganz einfach. Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben auch einen Doktortitel. An welcher Stelle kommt der denn genau?

Prinz von Preußen: Vor den Namen. Aber meistens wird der Titel bei meiner Anrede weggelassen.

SPIEGEL ONLINE: Weglassen ist ein gutes Stichwort. Der Verteidigungsminister verzichtet nach der Plagiatsaffäre auf seinen Titel. Inzwischen hat die Universität Bayreuth ihn ihm auch entzogen. Und auch Sie haben ihren ersten Doktortitel 1973 zurückgegeben, nachdem ähnliche Vorwürfe laut wurden. Wie kam es dazu?

Prinz von Preußen: Ich muss ehrlich sagen, das war wirklich kein Ruhmesblatt in meinem Leben. Mich schmerzt diese negative Erfahrung wirklich sehr, auch wenn sie schon fast vierzig Jahre zurückliegt. Ich hatte zuvor lange in Archiven in Zürich, London und Kopenhagen recherchiert und Material gesammelt. Ich habe dann gedacht, ich könnte mir die Arbeit etwas abkürzen. Aber das war eindeutig der völlig falsche Ansatz.

SPIEGEL ONLINE: Herr zu Guttenberg hat lange mit sich gerungen, seine Fehler klar einzugestehen. Zu lange?

Prinz von Preußen: Es ist schwer, jemand anderem Ratschläge zu erteilen. Aber klar ist: Man muss sofort reagieren und seinen Fehler eingestehen. Dann werden Detaildiskussionen überflüssig. Ein Ehrenwort ist ein Ehrenwort, und wenn man es bricht, muss man die entsprechenden Konsequenzen tragen. Ich bin seinerzeit sehr scharf von der Presse kritisiert worden.

SPIEGEL ONLINE: In Ihrem Falle hat ein Bibliothekar damals die Plagiatsstellen entdeckt. Was passierte dann?

Prinz von Preußen: Als die Vorwürfe aufkamen, habe ich mir sofort universitären Rat geholt. Man hat mir geraten, schnell auf die Doktorwürde zu verzichten. Das habe ich dann auch gemacht. Es ging ja nicht nur um meine Person, sondern auch um den Ruf von mir geschätzter Professoren, die mir vertraut hatten, und der Universität selbst. Ich habe einen Brief an den Dekan und an den Rektor geschrieben.

SPIEGEL ONLINE: Und dann war die Sache für Sie erledigt?

Prinz von Preußen: Nein. Das war wirklich fürchterlich. Mein Vater war zunächst schockiert, dann aber sehr hilfsbereit. Auch meinem damaligen Doktorvater gegenüber war mein Verhalten unverantwortlich, dem berühmten Hans-Joachim Schoeps. Und gegenüber der Fakultät habe ich mich natürlich auch geschämt. Den Doktoranden wird ja großes Vertrauen entgegengebracht. Deswegen tut es mir umso mehr leid, dass ich diesen Fehler gemacht habe. Auch heute noch. Entschuldigen kann man so etwas nicht.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben dann einen zweiten Anlauf unternommen. An der gleichen Uni?

Prinz von Preußen: Nein. In München, in Neuerer Geschichte. Ich habe mich mit der politischen Haltung des ehemaligen Kaisers Wilhelm II., seiner Söhne und Enkel, zu denen auch mein Vater gehörte, in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus beschäftigt. Durch die schmerzliche Erfahrung des ersten Versuchs habe ich mich ganz anders auf die neue Arbeit konzentriert, das können Sie sich ja vorstellen.

SPIEGEL ONLINE: Wie lange haben Sie für Ihren zweiten Anlauf gebraucht?

Prinz von Preußen: Da habe ich natürlich auch ein paar Jahre dran gesessen. Fünf Jahre, um genau zu sein. Ich hatte einfach den Ehrgeiz, das zu schaffen. Zu versuchen, diese Scharte wieder auszuwetzen. Das war ich auch meiner Familie schuldig.

SPIEGEL ONLINE: Und die Note? Summa cum Laude?

Prinz von Preußen: Nein. Cum laude. Von Summa cum Laude bin ich Lichtjahre entfernt. Da muss man wirklich ein Überflieger sein, um so eine gute Note zu bekommen.

SPIEGEL ONLINE: Das Bürgertum geht relativ gelassen mit Guttenbergs Fehlern um. Dabei geht es doch um so wichtige Werte wie Anstand und Ehrlichkeit. Ist diese Gelassenheit gefährlich?

Prinz von Preußen: Das ist schwer zu beurteilen. In Guttenbergs Fall scheint die Öffentlichkeit geneigt zu sein, ein Auge zuzudrücken. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das gängige Praxis an den Hochschulen werden wird.

Das Interview führte Veit Medick

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