Private Mini-Helikopter Aigner wettert gegen Spanner-Drohnen

Sie sind klein, leicht und werden immer billiger: Mini-Drohnen sind mittlerweile für jeden erschwinglich. Mit der Verbreitung der privaten Spione wächst auch die Sorge um die Privatsphäre. Jetzt warnen Verbraucherministerin Ilse Aigner und die Linkspartei vor den fliegenden Augen.

Mini-Drohne im Einsatz: Verbotener Blick in Nachbars Fenster
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Mini-Drohne im Einsatz: Verbotener Blick in Nachbars Fenster


Berlin - Im Himmel über Afghanistan und Pakistan ziehen sie mit Waffen ausgestattet im militärischen Auftrag ihre Kreise, doch auch in Deutschland steigen immer mehr Drohnen in die Luft - und das ganz privat: im Elektronikladen um die Ecke kann sich jeder für wenige hundert Euro eine Billig-Drohne zulegen und seine eigene Luftaufklärung starten. Doch wer damit mehr sehen will als die eigene Christbaumspitze von oben, begibt sich schnell in eine rechtliche Grauzone. Denn der Blick in Nachbars Schlafzimmer ist verboten.

Weil die privaten Flugspione immer billiger und damit zur Massenware werden, nehmen sich jetzt Politiker des Themas an. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) mahnt: "Schon mit den kleinen helikopterähnlichen Hobby-Modellen kann man rechtlich schnell an Grenzen stoßen." So sei der Kameraausflug in Nachbars Garten "zumindest problematisch", noch größere Neugierde könne den privaten Drohnenpiloten in ernsthafte Schwierigkeiten bringen: "Die Aufnahme von Personen, die sich in einer Wohnung aufhalten, wäre ohne deren Einwilligung sogar strafbar."

"Ausverkauf des öffentlichen Raumes"

In seltener Einmütigkeit mit Aigner vertritt Jan Korte, der Datenschutzbeauftragte der Linksfraktion im Bundestag, eine ähnliche Auffassung. Er befürchte ein zunehmendes Schnüffeln unter Nachbarn - und sehe zudem einen Spähangriff des Kapitalismus nahen: "Es besteht das Risiko, dass der öffentliche Raum weiter ausverkauft wird, die Privatsphäre durch Nachbarschaftsschnüffeleien und staatliche und private Ausspähung eingeschränkt werden", sagt der Linkspolitiker.

Während Nachbarn sich gegenseitig mit Drohnen überwachen, hat der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar die Drohnen selbst im Visier - jedoch ohne eigene Handlungsmöglichkeiten entdecken zu können: "Die Regelungen des Bundesdatenschutzgesetzes gelten nicht für Privatpersonen im rein privaten Bereich, zum Beispiel beim Einsatz von Videotechnik zwischen Nachbarn", meldet eine Sprecherin seiner Behörde. Anders sehe es aus, wenn Behörden oder Unternehmen die Drohnen steuern. Es sei "eine schwierige Abgrenzung."

Die privaten Mini-Drohnen, meist sind es "Quadrokopter" mit vier Rotoren in Leichtbauweise, können ohne Starterlaubnis genutzt werden, wenn sie weniger als 30 Meter hoch fliegen und weniger als fünf Kilogramm wiegen. Von der niedersächsischen Polizei werden größere Profi-Modelle seit 2008 für Überwachungseinsätze getestet. Beim letzten Castor-Transport im November wurden sie für Luftbilder der Demonstrationen eingesetzt.

kuz/dpa



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