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Prominenter Rechtsextremist NPD-Vizechef Rieger ist tot

Er galt als einer der einflussreichsten NPD-Funktionäre: Jürgen Rieger ist im Alter von 63 Jahren den Folgen eines Schlaganfalls erlegen. Der Vize-Bundeschef der rechtsextremistischen Partei hatte sich wiederholt um Grundstücke bemüht, auf denen Schulungszentren entstehen sollten.

Berlin - Jürgen Rieger ist am Donnerstag gegen 13 Uhr an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Das teilte NPD-Sprecher Klaus Beier am späten Abend SPIEGEL ONLINE mit. Der 63-jährige Rechtsextremist hat Beier zufolge bereits seit mehreren Tagen in einem Berliner Krankenhaus im Koma gelegen und sei schließlich für "klinisch tot" erklärt worden.

Wie berichtet hatte Rieger während einer NPD-Vorstandssitzung am vergangenen Samstag über heftige Beschwerden geklagt und war daraufhin von einem Vorstandskollegen in eine Klinik gebracht worden. In der Nacht zu Sonntag habe sich sein Zustand, möglicherweise durch einen zweiten Schlaganfall, dramatisch verschlechtert.

Rieger galt als wohlhabend und bemühte sich immer wieder um den Erwerb von Grundstücken, auf denen rechtsextremistische Schulungszentren entstehen sollten. Im Juli dieses Jahres kam es im niedersächsischen Faßberg im Landkreis Celle zu einem Eklat. Rechtsextreme besetzten ein Landhotel in der kleinen Gemeinde. Rieger hatte das Eindringen in das unter Zwangsverwaltung stehende Gebäude zuvor angekündigt - unter Berufung auf einen umstrittenen Pachtvertrag. Anwohner protestierten gegen die Besetzung. Zweieinhalb Wochen später räumten die Neonazis nach einem Gerichtsbeschluss das Hotel wieder.

Darlehen über insgesamt rund eine halbe Million Euro

Zudem versorgte Rieger die NPD, die sich in den vergangenen Jahren immer wieder Spendenaffären und Finanzskandale leistete, wiederholt mit Darlehen in teils sechsstelliger Höhe. Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes beläuft sich die Summe seiner Darlehen auf insgesamt rund 500.000 Euro.

Rieger war der NPD im Jahr 2006 beigetreten. Seit 2007 fungierte er auch als Landesvorsitzender der rechtsextremistischen Partei in Hamburg. Er galt als einer der einflussreichsten NPD-Funktionäre.

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Rechtsextremist Rieger: Einflussreicher NPD-Funktionär

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Bisweilen soll der umtriebige Rechtsanwalt auch als Treuhänder Geld von NPD-Sympathisanten aus dem Ausland verwaltet haben, die es vorzogen, anonym zu bleiben. Zudem fungierte der Rechtsanwalt als Testamentsvollstrecker des verstorbenen Bremer Alt-Nazis Wilhelm Tietjen, der sein Vermögen einem obskuren Rieger-Verein namens "Gesellschaft für biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung" vermacht hatte. Den Nachlass - offenbar mehr als eine Million Euro - sollte Rieger laut Testament unter anderem zur "Errichtung einer entsprechenden Spermienbank" verwenden, die der Mehrung elitärer Erbanlagen dienen sollte.

In Internetforen wurde bereits länger über Riegers Tod diskutiert

In der rechtsextremen Szene machten Gerüchte über den bevorstehenden Tod des Multifunktionärs bereits seit mehreren Tagen die Runde. In der braunen Internet-Gemeinde wurde schon über das Ableben Riegers diskutiert, als dessen Tod noch gar nicht bestätigt war: Der Rechtsanwalt, so schrieb etwa ein Kamerad am Dienstagmittag in einem einschlägigen Neonazi-Forum, sei "mittlerweile in Walhall eingerückt".

Ein Gesinnungsgenosse ergänzte: "Sollte er wirklich die ätherische Welt Asgards betreten habe, so ruf ich ihm ein donnerndes Heil hinterher." Eher pragmatisch äußerste sich indes ein User namens "Daniel F.": Interessant würde vor allem Riegers Testament sein - und die Frage, "wer all die Immobilien bekommt".

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