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03. Juni 2011, 10:04 Uhr

Propagandavideo

Terroristen verkünden Tod eines Dschihadisten aus Essen 

Von Yassin Musharbash

In Nordafghanistan ist offenbar ein Dschihadist aus Essen im Gefecht mit US-Soldaten ums Leben gekommen. Das behauptet die Islamische Bewegung Usbekistan in einem aktuellen Video. Der junge Mann, der sich "Miqdaad" nannte, sei erst im Januar angekommen - zwei Monate später war er tot.

Berlin - Wenn die Propagandisten von Terrorgruppen ihre Ansprachen damit beginnen, dass sie eine "frohe Botschaft" zu verkünden haben, geben sie meistens den Tod eines Mitstreiters bekannt. So ist es auch im Fall eines aktuellen Videos der Islamischen Bewegung Usbekistans (IBU). Ein "Bruder aus Essen", verkündet Yassin C. aus Bonn alias "Abu Ibraheem" in dem acht Minuten langen Band, sei in Afghanistan ums Leben gekommen.

Laut dem Video, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, handelt es sich bei dem getöteten Dschihadisten aus Deutschland um einen Mann afghanischer Abstammung der eigentlich Abdullah geheißen habe, unter den Kämpfern aber als "Miqdaad" bekannt gewesen sei. Er sei am 20. März 2011 nahe der Stadt Kunduz in Nordafghanistan in einem Gefecht mit US-Soldaten getötet worden.

Angeblich war er erst im November 2010 im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet eingetroffen. Im Januar 2011 habe er seine Ausbildung im Trainingslager absolviert. Danach sei er nach Nordafghanistan gereist. Sein Wunsch war es laut "Abu Ibraheem", die in Kunduz stationierten deutschen Soldaten anzugreifen. In einer kurzen Passage, die vor seinem Tod aufzeichnet wurde, drückt "Miqdaad" seine Freude darüber aus, dass man ihn in den Kampf gegen Bundeswehr und Nato schicken werde.

Im zweiten Teil des Videos stachelt IBU-Sprecher "Abu Ibraheem" in Deutschland lebende Afghanen an, sich dem Kampf gegen "die Besatzer" anzuschließen. Erst am Donnerstag war ein deutscher Soldat bei einem Anschlag ums Leben gekommen.

Die Authentizität des Videos ist von unabhängiger Seite nicht unmittelbar zu bestätigen. Aber der Fundort, die Machart, die eingeblendeten Logos und der gezeigte Sprecher sind Indizien dafür.

Wenn sich die Nachricht vom Tod des jungen Esseners bestätigt, wäre er einer von mindestens einem halben Dutzend Dschihadisten aus Deutschland, die am Hindukusch ums Leben gekommen sind. Einer starb als Selbstmordattentäter, mindestens zwei fielen US-Drohnen zum Opfer, mindestens vier weitere starben bei Gefechten mit pakistanischen und US-amerikanischen Soldaten.

Die IBU ist eine ursprünglich usbekische militante Gruppe, die ihr Hauptquartier aber schon vor Jahren ins pakistanische Nordwaziristan verlegt hat. Sie ist eine der zahlenmäßig größten militanten Gruppen in dem Krisengebiet, kooperiert unter anderem mit den afghanischen Taliban und al-Qaida und verfügt über mehrere Rekruten aus Deutschland. Allerdings haben ihr einige dieser Rekruten aus Deutschland zuletzt offenbar desillusioniert den Rücken gekehrt. Angeblich leidet die IBU an Geldknappheit und ist kaum in der Lage, Training für ihre Kämpfer oder ausreichend Waffen zu organisieren.

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