Berlin Dutzende Polizisten bei Demonstrationen verletzt

Es gab Proteste gegen die Corona-Schutzmaßnahmen und gegen Räumungen – teilweise eskalierte die Lage: In Berlin sind bei Demonstrationen Dutzende Polizisten verletzt worden.
Polizeibeamte im Einsatz bei der Demonstration in Berlin gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung

Polizeibeamte im Einsatz bei der Demonstration in Berlin gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung

Foto: Carsten Thesing/ imago images/Carsten Thesing

Nach einem Samstag mit mehreren Demonstrationen und Aufzügen hat die Berliner Polizei Bilanz gezogen: Bei den Veranstaltungen wurden demnach 45 Einsatzkräfte verletzt , insgesamt waren rund 1100 im Einsatz. Die genaue Zuordnung, bei welcher Demo sich die Polizisten ihre Blessuren zugezogen haben, sei derzeit noch nicht möglich, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag.

Die Demonstrationen richteten sich unter anderem gegen staatliche Corona-Auflagen. Trotz steigender Infektionszahlen hatten Tausende Menschen gegen die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie protestiert. Nach Schätzungen der Polizei schlossen sich bis zu 17.000 Menschen einem Demonstrationszug an, rund 20.000 beteiligten sich anschließend an der Kundgebung.

Weil viele Demonstranten weder Abstandsregeln einhielten noch Masken trugen, wurde "eine Strafanzeige gegen den Leiter der Versammlung gefertigt", twitterte die Polizei am Nachmittag. Die Veranstalter erklärten die Demonstration anschließend für beendet. Das Ende des Aufzugs wurde den Teilnehmern der Polizei zufolge per Lautsprechern bekannt gegeben.

Zahlreiche Teilnehmer des Demonstrationszugs bewegten sich dennoch weiter in Richtung Brandenburger Tor, wo für den Abend eine weitere Kundgebung angemeldet war. Schnell zeichnete sich aber ab, dass diese die angemeldete Zahl von 10.000 Teilnehmern überschreiten wird. Die Berliner Polizei setzte gegen 16.10 Uhr folgenden Tweet ab:

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Wegen der Missachtung der Auflagen löste die Polizei am späten Nachmittag auch diese Kundgebung auf. Der Einsatz zog sich bis in die Nacht hinein. Am Brandenburger Tor hatten am späten Abend noch Hunderte Menschen aus. Auf Twitter teilte die Polizei mit, es würden Anzeigen erstellt und teilweise Menschen weggetragen.

In Neukölln kam es laut Polizei derweil am Samstag zu einem Aufzug "Gegen Räumungen, Abschiebungen & Faschisierung". Bis zu 2500 Personen sollen daran teilgenommen haben. Einige von ihnen hätten Polizisten angegriffen und mit Steinen geworfen, hieß es in der Mitteilung der Polizei. Mehrere Beamte seien ins Krankenhaus gebracht worden.

"Ja, Demonstrationen müssen auch in Corona-Zeiten möglich sein. Aber nicht so"

Zu der Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen waren Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet angereist, aufgerufen hatte unter anderem die Stuttgarter Initiative Querdenken 711. Neben Corona-Leugnern und Impfgegnern waren auch viele Teilnehmer mit eindeutig rechtsgerichteten Fahnen oder T-Shirts in der Menge.

DER SPIEGEL

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte in der RBB-"Abendschau", es ärgere ihn maßlos, dass Menschen aus anderen Teilen Deutschlands nach Berlin kämen, um hier ein Demonstrationsrecht auf Grundlage von Hygieneregeln wahrzunehmen, dass sie dann missachteten. Die Demonstranten würden die Fakten nicht zur Kenntnis nehmen und riskierten damit die Gesundheit anderer Menschen.

Harsche Kritik an den Teilnehmern der Demo kam auch von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. "Ja, Demonstrationen müssen auch in Corona-Zeiten möglich sein. Aber nicht so", schrieb der CDU-Politiker auf Twitter. Spahn zufolge dienten Abstand, Hygieneregeln und Alltagsmasken dem Schutz aller. Die Pandemie sei nur "mit Vernunft, Ausdauer und Teamgeist" zu meistern. "Je verantwortlicher wir alle im Alltag miteinander umgehen, desto mehr Normalität ist trotz Corona möglich."

SPD-Chefin Saskia Esken twitterte: "Tausende Covidioten feiern sich in Berlin als 'die zweite Welle', ohne Abstand, ohne Maske."

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, 18 Polizisten seien bei der Auflösung der Demo verletzt und drei im Krankenhaus behandelt worden. Die Berliner Polizei und die Nachrichtenagentur dpa haben ihre ursprüngliche Meldung zu diesen Vorfällen später korrigiert. Es seien in Berlin bei diversen Demonstrationen sogar 45 Beamte verletzt worden. Doch die genaue Zuordnung, bei welcher Demo sich die Polizisten ihre Blessuren zugezogen haben, sei derzeit noch nicht möglich.

oka/AFP/dpa
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